17.01.2003 "Besser
Küstenkanuwandern" (Ausbildung)
Die YACHT bringt einen umfangreichen Beitrag
zur "Seemannschaft". Die Kernbereiche des Segeln werden hinterfragt.
Zusätzlich wird beispielhaft herausgearbeitet, auf was man alles achten sollte,
wenn es hinaus aufs Meer geht. Unterschiedliche Autoren setzen sich dabei
jeweils mit einzelnen Problembereichen auseinander und zeigen
Fehlermöglichkeiten, Risiken, Gefahren, Schnitzer und Verstöße auf. Im
Folgenden werden die dazugehörigen Empfehlungen aufgegriffen, ergänzt und auf
das Küstenkanuwandern übertragen.
Wind, Wellen & Wasser: 10 unnötige
Risiken
... und wie du von schlechten Bedingungen
nicht überrascht wirst
- Starten ohne Wettervorhersage: Verfolge schon Tage vor einer Tour, die weg von der sicheren Küste
führt, die Wetterberichte, welche Zeitung, Rundfunk, TV bzw. Internet
bringen. Die Wetterkarte der Zeitung sollte die letzten Tage vor der Tour
ausgeschnitten, gesammelt, verglichen und mit auf Tour genommen werden.
Versuche die Wetterentwicklung abzuschätzen. Informiere dich gezielt vor
dem Start über den Seewetterbericht (z.B. Rundfunk, Handy-SMS-Service bzw.
Internet) und nutze unterwegs während einer Pause an Land oder
nötigenfalls auf dem Wasser die Gelegenheit, den aktuellen
(See-)Wetterbericht abzurufen und auch bis zum Ende des Berichts
vollständig zur Kenntnis zu nehmen.
- Blindes Vertrauen in Wettervorhersagen: Das Abhören des Seewetterberichts ist die eine
Seite der "Medaille", das Beobachten des tatsächlichen
Wettergeschehens die andere Seite. Nur mit der Beobachtungen vor Ort
kannst du feststellen, ob du dem Wetterbericht vertrauen kannst bzw.
misstrauen musst. Dabei sollte dir jedoch bewusst sein, dass beobachtete
Wetterzeichen/-phänomene, die für dein einheimisches Revier eine
Wetterverbesserung bzw. -verschlechterung anzeigen, in einem fremden
Revier u.U. keine solchen Bedeutung haben können.
- Windprognosen ab 5 Bft. nicht ernst nehmen: Glaube nicht dem Gerücht, dass das Seewetteramt
am Wochenende stets 2 Bft. auf die Windprognose draufschlägt, damit keine
unerfahrenen Sportbootfahrer aufs Meer gelockt werden. Rechne vielmehr
immer damit, dass die Prognose nicht nur eintritt, sondern ihrerseits um 2
Bft. zu niedrig angesetzt sein könnte. Übrigens, spätestens bei Prognosen
ab 7 Bft. sollte nur noch mit größter Vorsicht gepaddelt werden, und zwar
auch dann, wenn es vor Ort tatsächlich nur mit 3 Bft. bläst; denn i.d.R.
genügen echte 5 Bft, um die meisten Küstenkanuwanderer in Schwierigkeiten
zu bringen.
- Außer-Acht-Lassen der Wetterlage von gestern bzw. fernen Seegebieten: Wetter hat immer
etwas mit Wind und Wind mit Seegang zu tun. Der Wind von gestern oder weit
ab vom eigenen Fahrtengebiet kann sehr wohl einen Seegang (Dünung)
erzeugen, der trotz akuter Flautenlage am Fahrtentag die
Gewässerbedingungen beeinflussen kann. Wer das bei Fahrten aus geschützen
Bereichen heraus in offenes Gewässer (z.B. vom ostfriesischer Wattbereich
durch die Gatts hinaus in die Brandungszone der ostfriesischen Inseln)
nicht wahr haben will, der sollte sich dann nicht wundern, wenn beim
Wechsel des Gewässers die Bedingungen abrupt von "Ententeich" in
"Brandung & Grundseen" umschlagen. Wenn einzelne Kameraden
dem nicht gewachsen sein könnten, solltest du besonders vorsichtig in
solche Bereich hineinpaddeln und zwar so, dass du gegebenenfalls noch im
unkritischen Sektor anlanden kannst, um von Land aus die vor dir liegende
See zu inspezieren.
- Überschätzung des eigenen Beobachtungs- &
Beurteilungsvermögens:
Vorsicht, wenn du dazu neigst, aus den harmlos erscheinenden
Wetterbedingungen an Land auf das Wetter draußen weitab von der Küste zu
schließen. Sei also stets - was Bekleidung und Ausrüstung betrifft -
darauf vorbereitet, dass die Wetterbedingungen auf dem Meer anders
aussehen können. Weiterhin sollte es dir bewusst sein, dass du nicht jede
Wetterverschlechterung (hier: Winderhöhung) rechtzeitig vorher erkennen
kannst. Wie nicht jeder Böekragen mit einer Zunahme des Windes verbunden
ist, kündigt sich eine Zunahme des Windes nicht immer nur über einen
herannahenden Böenkragen an.
- Ignorierung von Gegenwindkursen: Der durch Wind hervorgerufene Druck kann erheblich sein. Paddelst
du einen "Vor-Wind-Kurs", d.h. Wind kommt von achtern,
erleichtert dir das wesentlich dein vorankommen. Lediglich der Seegang
stört manchen dabei. Er ist ihnen so ungewohnt, da er nicht so leicht
beobachtbar ist, als wenn die See von vorn oder von der Seite kommt.
Außerdem lässt die See das Kajak hin und her schwoien. Wer dann meint,
jede seitliche Bewegung per Paddel ausgleichen zu müssen, statt zu warten,
bis das Kajak wieder vom Seegang zurückgedreht wird, der kommt dabei
natürlich ins Schwitzen. Bei Gegenwind sieht das alles ganz anders aus. Du
hast die See im Auge, siehst jeden Brecher auf dich zu kommen und kannst
entsprechend reagieren, zumindest rechtzeitig die Augen schließen, wenn
dein Seekajak über eine ankommende Welle platscht und das Wasser hoch
aufspritzen lässt. Leider kommst du jedoch nur noch schwer voran.
Spätestens bei 6-7 Bft. paddelst du auf der Stelle und auch gegen einem
5er Wind kannst du nicht lange anpaddeln. Wenn dann noch eine
"Wind-gegen-Strom-Situation" herrscht, d.h. du mit der Tide
gegen den Wind anpaddelst, kann es besonders unangenehm für dich werden,
da dann mit steiler See zu rechnen ist, die noch eher bricht. Je stärke es
dann windet & strömt, desto kritischer kann der Seegang werden. Denke
also bei der Tourenplanung immer daran, aus welcher Richtung der Wind
kommen soll und wie der Gezeitenstrom läuft.
- Wassertemperaturen missachten: Zählen tut allein die Lufttemperatur. Wie kalt das Wasser ist,
interessiert dich nicht, da du schon ewig nicht mehr gekentert bist.
Trotzdem, spätestens wenn die Gewässerbedingungen anfangen, schwierig zu
werden (z.B. ab 5 Bft.), solltest du deine Bekleidung nicht mehr an der
Luft-, sondern an der Wassertemperatur ausrichten; denn eine Kenterung
kannst du nie ganz ausschließen und ob deine Rolle auch bei niedrigen
Wassertemperaturen klappt, das solltest du vorher einmal selber testen.
Also, wenn du nicht bereit bist, vor Antritt einer Tour ins Wasser zu
gehen (z.B. in dem du einmal rollst), dann solltest du auch nicht auf dem
Wasser paddeln.
- Die Folgen eines Tidenkipps übersehen: Vergiß nicht, wenn du zunächst mit achterlichem
Wind & Strom gemütlich hinaus zu einer Sandbank paddelst, kannst du
nach der verdienten Pause auf der Sandbank und nach dem Tidenkipp, d.h.
wenn das Wasser wieder aufläuft, wohl wieder mit dem Tidenstrom zurück
paddeln, aber dann steht der Wind gegen den Strom und die See wogt nicht
mehr leicht vor sich hin, sondern bäumt sich je nach Wind- und Stromstärke
steil auf und durchnässt dich. Wenn dann die Paddeljacke, der Trockenanzug
oder der Neo - wie bei der Hinfahrt - unter Deck gelagert wird, kann es
unangenehm kalt und feucht werden. Du tust dir u.U. einen Gefallen, wenn
du vorzeitig deine Rücktour antrittst (zu Beginn der Stillwasserzeit etwa
30 - 45 Min vor Tidenkipp) und nicht erst dann, wenn die Tide am stärksten
zurück strömt (in der 3. und 4. Std. einer 6 Std. dauernden Tide).
- Geografische Gegebenheiten unbeachtet lassen: Überlege immer, wie sich Kaps (Kapeffekte;
Kreuzsee); Meerengen, Inseldurchfahrten bzw. Schluchten (Düseneffekte;
Stromkabblungen) und Steilküsten (Fallwinde; Kreuzsee) auswirken können,
und zwar bei auf- und ablandigem Wind.
- Lokale Besonderheiten vernachlässigen: "In fremden Revieren können überraschende
Phänomene auftreten. Erkundige dich bei Fischern und Hafenmeister."
(Wetterlink: www.wetteronline.de/segel.htm
Seewetter-Radiofrequenzen: www.kanu.de/spezial/kuestenpaddeln/seewetter_inland.pdf
Handy-SMS-Service: Anmeldung über www.yacht.de >"Wetter" )
Sicherheit: 10 folgenreiche Fehler
... und wie du das Risiko auf See minimieren
kannst
- Selbstüberschätzung: Sei
nicht leichtsinnig, wenn du aufs Meer hinaus paddelst. Denke daran, dass
du bei Solo-Touren ganz allein auf dich selbst angewiesen bist und dass du
bei Touren mit Kameraden u.U. nicht mehr mit ihrer Hilfe rechnen kannst,
wenn die Gewässerbedingungen kritisch werden.
- Nicht klar genug ausweichen: "Jedes Manöver zur Vermeidung eines Zusammenstoßes muss, wenn
es die Umstände zulassen, entschlossen, rechtzeitig und so ausgeführt
werden, wie gute Seemannschaft es erfordert." (KVR Regel 8 a)).
"Jede
Änderung des Kurses und/oder der Geschwindigkeit ... muss so groß sein, dass
ein anderes Fahrzeug .... sie schnell erkennen kann; aufeinanderfolgende kleine
Änderungen des Kurses und/oder der Geschwindigkeit sollen vermieden
werden." (KVR Regel 8 b)).
"Muss einer
ausweichen, so muss der andere Kurs und Geschwindigkeit beibehalten
(Kurshalter)." (KVR Regel 17 a)i))
- Fahrwasser falsch queren:
Es muss "soweit wie möglich das Queren von
(Verkehrstrennungsgebieten)" vermieden werden; ist es unumgänglich,
"so muss dies möglichst mit der Kielrichtung im rechten Winkel zur
allgemeinen Verkehrsrichtung erfolgen." (KVR Regel 10 c)) Übrigens,
du als Küstenkanuwanderer solltest diese Regel auf jedem befahrenen
Fahrwasser befolgen. Auf diese Weise erreichst du nämlich, dass dein
kleines Seekajak den Schiffen, die im Fahrwasser fahren, seine ganzen
Breite zeigt und so leichter entdeckt werden kann, als wenn du im spitzen
Winkel das Fahrwasser querst, um Wind- oder Stromabdrift zu vermeiden.
- Keine Lichterführung bei Nachtfahrten: Kajaks, die kein weißes Rundumlicht
(Mindesttragweite: 2 sm) führen, dürfen in der Zeit zwischen
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang bzw. bei "verminderter Sicht"
nicht fahren, "es sei denn, dass ein Notstand vorliegt. Für diesen
Fall ist eine elektrische Leuchte ... mit einem weißen Licht ständig
gebrauchsfertig mit zu führen und rechtzeitig zu zeigen, um einen
Zusammenstoß zu verhüten." (§10 2) u. 3) SeeSchStrO; KVR Regel 20)
- Verzicht auf Schwimm- bzw. Rettungsweste: Erst willst du die Schwimmweste nicht anziehen,
weil du meinst, sie behindert dich in deiner Bewegungsfreiheit, und
anschließend, wenn du dich an sie gewöhnt hast, möchtest du sie sogar an
Land anbehalten, weil sie dich wärmt. Ringe dich also dazu durch, wenn du
den sicheren Strandbereich verlässt oder in der Brandung fährst, sie stets
zu tragen. Nimm dir nicht vor, sie erst dann hervorzukramen und
überzuziehen, wenn die Gewässerbedingungen kritisch werden; denn erstens
erhöht das das Kenterrisiko, zweitens stört das den Ablauf einer
Gruppenfahrt und drittens schiebst du genau deshalb das Anziehen der Weste
immer weiter hinaus, bis du schließlich ganz darauf verzichtest. Übrigens,
der Ansicht, dass das eigene Seekajak der sicherste Auftriebskörper ist
und du deshalb auf eine Schwimmweste verzichten kannst, hat nur
theoretische Bedeutung. Praktisch kann es sehr schnell passieren, dass der
brechende Seegang dir nach einer Kenterung mit anschließendem Ausstieg
sehr schnell das Boot aus den Händen reißt. Wenn dann keine Kameraden
Hilfe anbieten, kannst du ohne Schwimmweste schnell Probleme bekommen.
Aber auch die Schwimmweste stellt nicht die beste Lösung für solch ein
Situation dar. Denn irgendwann wirst du schwach und schwächer. Ideal wäre
es dann, wenn du eine echte Rettungsweste trägst, die dafür sorgt, dass du
auch noch im Falle einer Ohnmacht nicht sofort ertrinkst.
- Vernachlässigung von Rettungsmitteln und Ausrüstung: Pflege stets deine Schwimm-, insbesondere die
Rettungsweste, aber auch deine Signalmittel, Schleppleine, Steueranlage
und sorge immer für frische Batterien bei Radio, Handy, Taschenlampe, aber
auch dafür, dass du ein paar Reservebatterien und eine
Reservestickstoffpatrone (für die Rettungsweste) dabei hast. Wie schnell
kann es passieren, dass versehentlich die Stickstoffpatrone der
Rettungsweste ausgelöst bzw. dass beim Verstauen das Radio oder die
Taschenlampe angeschaltet wird, so dass du anschließend dringendst Ersatz
benötigst.
- Hantieren am Kajak ohne Kameradenhilfe: Willst du etwas essen, trinken, reparieren oder
die Bekleidung wechseln bzw. musst du urinieren, gehe bei Seegang immer
längsseits zu einem Kameraden, damit dieser dich stützen kann.
- Abhalten eines heransurfenden Kajaks mit der Hand: Versuche nicht, ein heransurfendes Kajak mit
der Hand abzuhalten. Weiche aus oder - im Fall einer möglichen Kollision -
kentere vorbeugend. Wird das Kajak parallel von einem Brecher
herangetrieben, genügt es vielfach, wenn du einfach mit dem Paddel über
das antreibende Seekajak greifst und mit einer hohen Stütze versuchst,
dich oben zu halten.
- Mangelnde Sorgfalt:
Beobachte ständig die See, damit nicht Untiefen bzw. Hindernisse oder
Brecher dich in Gefahr bringen können. Achte darauf, dass Verpflegung,
Getränke, Schleppleine, Paddlefloat und Signalmittel griffbereit gelagert
sind, dass das Paddel an einer Leine gesichert ist und die Seekarte gut
einsehbar gelagert ist, und zwar so, dass kein Brecher diese Ausrüstung
von Bord reißen kann. Prüfe - bevor es aufs Wasser geht -, ob der Kompass
nicht durch das Gepäck abgelenkt wird. Tausche vor Beginn einer Tour die
Handy-Nummer mit den dich begleitenden Kameraden aus und zeigt euch
gegenseitig, wo die Rettungsmittel gelagert werden und wie sie zu handhaben
sind. Schließlich vergiss nicht, abgelaufene Signalmittel zu ersetzen.
- Stillstand: Du lernst
nie aus. Suche den Kontakt zu Kameraden und schaue zu, wie sie auf dem
Wasser zurecht kommen. Halte dich fit, erhalte deine Kondition, trainiere
deine Rettungstechniken und besuche Lehrgänge zur Ersten Hilfe.
Ausrüstung: 10 große Sünden
... und wie du sie vermeidest oder behebst
- Oberflächliche Einarbeitung: Ein Gerät zu kaufen, das kann jeder, aber du musst auch mit ihm
umgehen können. Mach dich mit neuen Geräten (z.B. GPS-Gerät,
UKW-Handfunke, Wingpaddel, Reservepaddel, Seenotsignalmittel, E-Lenzpumpe,
Paddlefloat) ausreichend vertraut. Probiere einmal, ob du damit bei
Seegang, Wind und im Dunkel zurechtkommst. Wenn das nicht klappt, dann
kennst du dich noch nicht genug mit deiner Ausrüstung aus.
- Geringes Basiswissen: Ein
GPS bedienen zu können ist eine Sache, eine andere Sache ist, die
navigatorischen Zusammenhänge zu verstehen, um erkennen zu können, wenn
das GPS-Geräte wegen falscher Eingaben falsche Angaben macht.
- Schlechter Trimm: Achte
darauf, dass dein Kajak richtig getrimmt ist, d.h. weder lee- noch
luvgierig ist, und zwar auch dann, wenn du auf dem Achterdeck Gepäck
lagerst. Denke daran, dass du wohl mit Skeg und Steuer eine Vertrimmung
ausgleichen kannst, aber dass das nur so lange funktioniert, wie du
genügend Fahrt machst und wie die "Trimmkorrektureinrichtung" in
Ordnung ist.
- Schlechte Wartung:
Insbesondere die sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenstände (z.B.
Seenotsignalmittel, Rettungsweste; Skeg bzw. Steueranlage;
Latexmanschetten bzw. Reißverschluss bei Trockenanzügen, Steckhülsen bei
teilbarem Paddel) müssen gepflegt werden. Ersetze lädierte Teile (z.B.
Steuerseile) beim nächsten Landgang, spätestens vor der nächsten Tour.
- Mangelhafte Reparatur:
Provisorische Reparaturen, die unterwegs durchgeführt wurden, sollten
daheim noch einmal gründlich überprüft und gegebenenfalls nachgebessert
werden.
- Unbedingtes Vertrauen:
Es gibt nichts an Bord, was nicht kaputt bzw. verloren gehen kann. Du
solltest also stets Reparaturmittel (z.B. Gewebeband, Flickzeug für Kajak,
Spritzdecke und Trockenanzug; Werkzeug), aber auch Ersatzteile dabei
haben, und zwar nicht nur für elektrische Geräte (z.B. Steuerseile,
Handlenzpumpe; Ersatzbrille, Handkompass, Schäkel, Reservebatterien,
Reservestickstoffpatrone für die Rettungsweste).
- Seetüchtigkeit = Seegangstüchtigkeit: Dein Kajak ist noch längst kein Seekajak, nur
weil du bei Seegang mit ihm zurecht kommst und nicht kenterst. Es muss dir
auch ermöglichen, unterwegs auf dem Meer zu navigieren, und zwar auch bei
Seegang und Wind (Navigationstüchtigkeit). Außerdem muss es dir möglich
sein, nach einer Kenterung mit anschließendem Ausstieg in dein Kajak
wieder einzusteigen, es zu lenzen und die Spritzdecke zu schließen
(Kentertüchtigkeit).
- Das Kajak geht schon nicht unter: In der Tat, zwei Spitzenbeutel bzw. das spritzwassergeschützt
verpackte Gepäck genügen meist, um zu verhindern, das das Kajak nach einer
Kenterung mit anschließendem Ausstieg, untergeht. Es läuft wohl bei
Seegang - wann kenterst du denn sonst - bis zum Rand voll Wasser, aber es
schwimmt an der Wasseroberfläche. Erst wenn du versucht, dich in ein
derart vollgelaufenes Kajak zu setzen, taucht es ab ... und wenn nicht, wirst
du spätestens beim Lenzen deines Kajaks per Schaufel oder Schwamm Probleme
bekommen, da der Süllrand deines Kajaks so knapp über der Wasseroberfläche
schwimmt, dass das Lenzen zwecklos ist; denn jeder kleine Brecher
überspült deine Sitzluke und füllt sie erneut randvoll mit Wasser. So ist
es halt auf dem Meer! Bei Ententeichbedingungen hast du große Problem dein
Kajak voll mit Wasser zu füllen und bei Seegang, ja, da reicht ein
einziger Brecher aus und das Kajak ist voll.
- Unbeaufsichtigte Lagerung von Seenotsignalmitteln: Wenn du anlandest und dich von deinem Kajak
entfernst, solltest du alle Seenotsignalmittel (inkl. Nicosignal)
versteckt im Cockpit lagern und das Cockpit mit einem Lukendeckel
verschließen, damit Unbefugte nicht allzu leichten Zugang zu diesen teils
lebensgefährlichen Signalmitteln haben.
- Hauptsache die Ausrüstung ist seetüchtig: Dass deine Ausrüstung seetüchtig ist, stellt
eine notwendig Bedingungen dar, um aufs Meer hinaus zu paddeln. Eine
weitere unverzichtbare Bedingung ist jene, dass du als Kanute ebenfalls
seetüchtig bist, d.h. z.B. im Seegang paddeln, nach einer Kenterung hoch
rollen bzw. wieder einsteigen und dein Ziel weitab von der Küste finden
kannst. D.h. ein seetüchtiges Kajak reicht allein nicht aus, damit du dich
auf dem Meer bewegen kannst. Es macht deine "Küstenkanuwanderei"
nur sicherer und komfortabler. Aber wenn dein "Können"
mangelhaft ist, nützt dir die beste Ausrüstung nichts.
Manöver: 10 schwere Schnitzer
... und wie du den Umgang mit deinem Kajak
und den dich begleitenden Kameraden verbessern kannst
- Verlassen auf die Technik:
Rechne stets mit einem Schadensfall (z.B. klemmendes Skeg, Riß eines
Steuerseils, Brechen des Paddels, Ausfall des GPS-Gerätes bzw. der
E-Lenzpumpe) und trainiere bei passender Gelegenheit, wie du auch ohne
diese Ausrüstungsteile zurecht kommst (z.B. Paddeln ohne Skeg, Steuer,
GPS; Lenzen ohne Pumpe).
- Unachtsames Ausbringen und Einholen von Skeg bzw. Steuer: Ziehe nach dem Start Skeg oder Steuer erst dann
heraus, wenn du vom Seegang nicht mehr an Land zurückgetrieben werden
kannst, um zu vermeiden, dass sie beim ungewollten Rückwärtssurfen
Grundberührung bekommen und beschädigt werden. Ziehe das Skeg nur
vorsichtig heraus, wenn der Skegkasten verschmutzt sein könnte, um zu
verhindern, dass der Führungsdraht des Skegs verbiegt. Ziehe Skeg und
Steuer vor dem Anlanden rechtzeitig ein, damit sie bei Seegang nicht
beschädigt werden können.
- Keine Schleppleine parat: Lager
die Schleppleine stets so, dass sie auch bei kabbligem Seegang griffbereit
ist.
- Parallelpaddeln in der Brandung: Paddle bei brechendem Seegang immer seitlich versetzt zu den
Kameraden und behalte die im "Wellenluv" paddelnden Kameraden
stets im Auge, um rechtzeitig einer möglichen Kollision aus dem Weg zu
paddeln.
- Bei Wind und Seegang klappt die Rolle nicht: Versuche möglichst zur Luvseite bzw. zur Seite
hochzurollen, von wo die brechende See herkommt.
- Verlust des Kajaks nach Kenterung: Denke daran, dass du nach einer Kenterung mit
anschließendem Ausstieg, dein Kajak festhältst und bei brechendem Seegang
sofort zu Bug oder Heck (sofern dort keine Flip-off-Steuer installiert
ist) schwimmst, damit dir der Seegang nicht dein Seekajak aus den Händen
reißt.
- Schleppen und Rettungsaktionen in der Brandung: Vermeiden je nach Höhe der Brandung möglichst
solche Rettungsmaßnahmen.
- Zu langsame Hilfe nach Kenterung: Warte nicht erst ab, ob dem gekentertem
Kameraden die Rolle gelingt, sondern paddle nach einer Kenterung sofort zu
ihm hin, und zwar so, dass du ihm schnell deine Hilfe anbieten kannst (z.B.
Eskimo-Rescue bzw. Reentry). Insbesondere gilt das dann, wenn das Wasser
sehr kalt und der Kenterbruder nur mangelhaft gegen kaltes Wasser
geschützt ist (hier: Reentry & Pump).
- Verlust des Gruppenzusammenhalts: Achte darauf, dass alle Kameraden wirklich stets in Rufnähe
paddeln. Nur dann kann man sich gegenseitig über wichtige Kursänderungen
und Probleme informieren und bei Schwierigkeiten rechtzeitig helfen.
- Verlust des Sichtkontakts:
Zumindest der Erfahrenste einer Gruppe sollte so paddeln, dass er möglichst
alle seine Kameraden im Auge behält.
Navigation: 10 große Gefahren
... und was du wissen musst, damit du nicht
die Orientierung verlierst
- Veraltete Seekarten benutzen: In unbekannten Revieren solltest du nur mit aktuellen Seekarten
paddeln. Gerade in Tidengewässern können sich teilweise erhebliche
Veränderungen bei der Lage von Seezeichen, Prielen und Sandbänken ergeben.
- Nur auf GPS vertrauen: Kompass
und Seekarte gehören auf jedes Seekajak. Setze unterwegs immer beides ein
und prüfe nur ab und an per GPS, wo entlang die Tour verläuft. Wenn du mit
GPS navigierst, ist es jedoch erforderlich, dass du der Seekarte die
Koordinaten entnehmen kannst. Verwendest du jedoch eine Kartenkopie,
fehlen meist diese Koordinaten. Vergiß also nicht, nachträglich auf die
Kopie die Koordinaten einzutragen.
- Kompass wird durch einzelne Gepäckteile abgelenkt: Bevor du Gepäck im Bug verstaust, führe das
Gepäckstück über den Kompass und prüfe, ob die Kompassnadel sich dabei
bewegt. Wenn ja, sollte das Gepäckstück (z.B. Radio) möglichst vorne in
der Bugspitze oder im Heck verstaut werden.
- Seekarten-Koordinaten werden ungeprüft benutzt: Jede Koordinate, die du in das GPS-Gerät
eingibst, solltest du doppelt auf ihre Richtigkeit überprüfen: zum einen
durch Nachprüfung der Daten an Hand der Seekarte und zum anderen durch
Plausibilitätsüberprüfung an Hand der Entfernung zu anderen Wegepunkten in
der Nähe.
- Das Bezugssystem ist am GPS falsch eingestellt und die Missweisung
deines Kompass wird nicht beachtet: Das gilt bei Fahrten ins ferne Ausland, wo u.U. andere
Bezugssysteme (nicht WGS 84) verwendet werden bzw. die Missweisung so groß
sein kann, dass sie - im Gegensatz zu einer Tour entlang der Deutschen
Bucht - in die Kursplanung miteinbezogen werden muss.
- Seekarte wird von Brandung bzw. Wind von Bord gespült: Sicher die Seekarte mindestens mit 2, möglichst
mit 3 Kartenhaltegummis.
- Seekarte ist bei Seegang nicht mehr ablesbar: Laminieren am besten die Seekarte ein, statt
sie in eine Kartenhülle zu stecken, die beschlagen kann. Trage zuvor
zusätzlich die Kenn-Nummern der Seezeichen dick mit Kugelschreiber auf der
Seekarte ein, damit du diese auch im Seegang noch erkennen und ablesen
kannst, und zwar ebenfalls dann noch, wenn die Kartenumhüllung voller
Wassertropfen ist.
- Nur auf Kompass-Kurs achten: Prüfe unterwegs immer wieder, ob du trotz richtiger Gradzahl vom
Kurs abweichst, z.B. wegen Wind- bzw. Stromabdrift. Durch Beobachtung von
Seezeichen bzw. der Kursangaben über Grund durch das GPS-Gerät kannst du
leicht die Abdrift bemerken.
- Verzweifelt nach den in der Seekarte eingetragenen Seezeichen
suchen: Wenn du unterwegs den
Tourenverlauf richtig planst, d.h. die zurückgelegte Strecke, den Kurs und
die Abdrift beachtest, dann solltest du dich nicht durcheinander bringen
lassen, wenn mal eine Tonne überhaupt nicht in Sicht kommen will. Paddle
daher einfach wie geplant weiter, nehme die nötigen Kurskorrekturen vor
und peile die nächste Tonne an; denn vielleicht ist ja die zunächst
angepeilte Tonne gar nicht mehr ausgebracht bzw. abgetrieben.
- Brandung, Grundsee bzw. Stromkabblungen ignorieren: Schon von weitem kannst du auf Grund des
Seegangs erkennen, wo z.B. Untiefen, Hindernisse bzw, Priele sich
befinden, nämlich dort wo Brandung, Grundseen bzw. Stromkabblungen zu
beobachten sind. Achte darauf, dass der Wind bzw. die Strömung dich nicht
unfreiwillig in solch kritischen Seegang treibt.
Tourenplanung & -durchführung: 10 wunde
Punkte
... und was du tun solltest, um sicher
weiter paddeln zu können
- Fahrt ins Blaue: Du
solltest dir im Klaren sein, welche Route du fahren möchtest, welche
Strömungen dort vorherrschen, welche Seezeichen bzw. Landmarken zu
beachten sind, mit welchen Schwierigkeiten zu rechnen ist (z.B. Untiefen,
Hindernisse, Schiffsverkehr; Stromkabblungen, Kreuzsee, Grundsee), wie
lang sie ist und welche Zeit du benötigst, um bestimmte Punkte anzulaufen.
- Handeln unter Zeitdruck: Sorge
dafür, dass vor dem Start und unterwegs genügend Zeitreserven mit
eingeplant sind. Kontrolliere vor dem Start, ob die Ausrüstung okay ist
und plane die Tour so, dass du auch bei einer Veränderung der
Gewässerschwierigkeit nicht unter Zeitdruck gerätst.
- Falsche Törnplanung: Bei
Rundtouren gilt für Segler die klassische Daumenregel "1 Drittel der
Zeit hin - 2 Drittel zurück!" Das gilt natürlich auch für das
Küstenkanuwandern. So hast du immer ein paar Tage in Reserve und bist
nicht gezwungen, bei unangenehmen Bedingungen entweder aufs Wasser zu
gehen und u.U. größere Strecken zurückzulegen oder einen
Bootsrückholtransport zu organisieren. Übrigens, bei
"Streckentouren" empfiehlt sich die Beachtung einer ähnlichen
Regel: "2 Drittel der Strecke in der ersten Etappenhälfte - 1 Drittel
in der zweiten!"
- Fahrt ohne Absprache: Informiere
die dich begleitenden Kameraden über den Tourenverlauf, weise auf zu
erwartende Schwierigkeiten, auf Pausenplätze und - sofern nötig -
Ausweichsplätze ("Fluchtpunkte") hin. Achte darauf, dass alle
Kameraden, die nach GPS navigieren, mit denselben Koordinaten-Angaben
arbeiten, damit nicht unterwegs keiner denkt, dass nur seine Kursangabe
die richtige ist.
- "Mann außer Sicht": Vereinbare für den Fall, dass ein dich begleitender Kamerad trotz
aller Achtsamkeit verloren geht, wie man sich wieder findet. Z.B. sollte
jeder in einem solchen Fall sein Handy anschalten und versuchen, mit den
Kameraden Kontakt aufzunehmen. Ansonsten bietet es sich in tidenfreien
Gewässern an, dass einige zu dem Platz zurück paddeln, wo alle noch
zusammen waren. Bei tidenabhängigen Gewässer solltest du versuchen, dich
per Telefon zu erkundigen, ob der "verlorene" Kamerad an
bestimmten Anlaufstellen (z.B. Häfen) gesichtet wurde. Schließlich sollte
sich jeder bewusst sein, dass je nach Wetterlage entweder sofort bzw.
spätestens am nächsten Tag Kontakt mit der Polizei bzw. der Seenotrettung
aufgenommen wird, und zwar, nicht um den "Notfall" auszurufen,
sondern um Rat für die weitere Vorgehensweise einzuholen.
- Erst pausieren, dann paddeln: Die Versuchung ist groß: Du näherst dich während einer Tour einer
größeren, u.U. nicht ganz unproblematischen Stelle (z.B. größere Bucht,
Meerenge, Gatt, ungeschützte Steilküste, freie Fläche bis zur nächsten
Insel), die es gilt zu queren. Bevor du dich an die Querung machst,
landest du erst einmal an und genießt während der Pause ausgiebig das
schöne Wetter. Geht es dann wieder aufs Wasser, verändern sich - wenn du
Pech hast - plötzlich die Wetterbedingungen (z.B. der thermische bedingte
Seewind hat zugenommen, die Tide kippt) und du bekommst Schwierigkeiten,
die Querung zu schaffen. Deshalb solltest du während einer Tour - sofern
die Wetterlage günstig ist - solche bevorstehende Passage erst hinter dich
bringen und dann - quasi als wohl verdienten Lohn - ordentlich Pause
machen. Auf alle Fälle sollte die vorher eingelegt Pause möglichst knapp
bemessen sein.
- Fehlende Alternativen im Törnplan: Startverzögerungen, falsche Tideberechnung,
unzutreffende Windprognose, Konditionsschwäche, Seekrankheit,
Materialschaden - es gibt viele Gründe, warum ein angepeiltes Ziel
aufgegeben und die Route geändert werden muss. Mach dich mit dem Revier so
vertraut, dass du auf andere Routen und Anlandeplätze ausweichen kannst.
Arbeitest du mit einem GPS-Gerät, so solltest du vorsorglich entsprechende
Reserverouten bzw. "Fluchtpunkte" (dass sind Ort, wo du anlanden
und abwettern bzw. neu planen kannst) eingeben.
- Vom Wind überrascht:
Denke daran, nur solche Übernachtungsplätze auszusuchen, von denen aus du
auch bei einem Windwechsel wieder starten kannst. Lege - sofern möglich -
deine Tour und die Übernachtungsplätze so, dass du notfalls entweder über
Land per Bootswagen kritische Passagen überwinden oder per Fähre zurück
ans Land kommen kannst.
- Fahren bei Nebel:
"Wirst du von Nebel oder schlechter Sicht überrascht, möglichst
umgehend Fahrwasser ... verlassen, zum eigenen Schutz einen sicheren Ort
aufsuchen und Fahrt unterbrechen." (Sicherheitsregeln für
Wassersportler Nr. 8).
- Auf Kollisionskurs: In
befahrenen Gewässern sollte nicht jeder für sich, abseits von den anderen
paddeln. Vielmehr sollte die Gruppe dicht zusammen bleiben
("Pulk"); denn dann ist die Chance am größten, von der
Schifffahrt gesehen zu werden. Bleibe trotzdem so kurz wie möglich im
Fahrwasser.
Halte Ausschau
nach Schnellfähren, erkundige dich über die täglichen Fahrzeiten und führe ein
Signalmittel griffbereit mit dir, um notfalls deutlich auf dich aufmerksam
machen zu können.
Achte in engen
Wattfahrwassern darauf, dass der größeren Schifffahrt noch genügend Raum zum
Fahren & Manövrieren bleibt. Stoppe lieber deine Fahrt ab und warte, bis
ein solches Schiff dich passiert hat, bevor du in eine enge Passage einfährst.
Sei dir bewusst,
dass es für die Schifffahrt nicht immer Pflicht ist, im Fahrwasser zu fahren.
Richte dich darauf ein. Insbesondere gilt das für Fischereiboote, die kreuz und
quer fahren können und dies vielfach tun, aber auch für kleinere
Fahrgastschiffe mit geringem Tiefgang, deren Kapitäne das Revier derart gut
kennen, dass sie öfter Abkürzungen nehmen.
Sei dir bewusst,
dass gerade in Hafennähe die Schiffe andere Kurse fahren können, sei es, um
außerhalb des Hafens vor Anker zu gehen bzw. weil sie nur rückwärts in den
Hafen fahren dürfen. Für diesen Fall ist es hilfreich, die wichtigsten
Schallsignale zu kennen:
- 1 kurzer Ton (ca. 1 Sek.) = "Ich ändere meinen Kurs nach
Steuerbord."
- 2 kurze Töne = "Ich ändere meinen Kurs nach Backbord."
- 3 kurze Töne = "Meine Maschine arbeitet rückwärts."
- mind. 5 kurze Töne = "Kommen Sie Ihrer Ausweichpflicht
nach!"
- 1 langer Ton (ca. 4-6 Sek.) = Achtung!
Mannschaft: 10 vermeidbare Fehler
... und Tipps für ein angenehmes
Zusammenpaddeln
- Fehleinschätzung der Kameraden: Bei manchen Kameraden ist der Wunsch, an einer Tour teilnehmen zu
dürfen, so groß, dass sie in Verkennung der tatsächlichen
Gewässerschwierigkeiten vorgeben, alle Teilnahmevoraussetzungen zu
erfüllen. Die Aussagen von dir unbekannten Kameraden über ihre
Leistungsfähigkeit solltest du daher stets mit Skepsis zur Kenntnis
nehmen. Wenn es geht, solltest du sie vorher auf dem Wasser kennen lernen
(z.B. bei Brandungs- oder auch Rettungsübungen im Hallenbad). U.U. reicht
es auch anzukündigen, dass nur die Kameraden mitkommen dürfen, die vor dem
Start einmal kurz durchrollen bzw. demonstrieren, dass sie eine Wiedereinstiegstechnik
beherrschen.
- Überforderung der Schwächeren: Die erfahrenen Kameraden sollten Rücksicht auf die Unerfahrenen
bzw. Schwächeren nehmen (z.B. was Tempo, Streckenlänge, Pauseneinteilung
und Gewässerschwierigkeiten betrifft). Übrigens, ab 5 Bft. bekommen -
sofern es nicht ablandig weht - die meisten Kameraden Probleme mit ihrem
Kajak.
- Selbstüberschätzung I: Als
unerfahrener Kamerad solltest du auch Rücksicht auf die Erfahrenen nehmen,
die sich u.U. auf eine größere und anspruchsvollere Tour freuen und u.U.
nun von dir gebremst werden. Frage also deutlich nach den Anforderungen
der Tour. Lass dir darlegen, über welche Kenntnisse, Fähigkeiten und
Fertigkeiten du verfügen solltest.
- Kenterungen ausschließen: Kenterungen
sind nicht schlimm, aber alle müssen sich nur zu helfen wissen. Deshalb
sollten bei Touren hinaus aufs Meer alle Kameraden mindestens die nötigen
Lenz- und Wiedereinstiegsmethoden beherrschen.
- Fehlender Zusammenhalt: Um
zu verhindern, dass ein "loser Haufen" sich aufs Meer begibt und
jeder nur versucht, vorne weg zu paddeln, ohne genau das Ziel zu kennen,
sollte die Mannschaft vor dem Start in Gruppen (empfohlene Gruppengröße:
3-4 Kajaks) eingeteilt werden, wobei in jeder Gruppe mindestens ein
erfahrener Kamerad die Führung übernimmt. Selbstverständlich, solange die
Gewässerbedingungen harmlos sind, braucht die Gruppenbildung noch nicht zu
gelten. Jeder kann mit jedem paddeln. Es sollte lediglich darauf geachtet
werden, dass man in Rufweite mit dem Fahrtenleiter paddelt. Wenn die Gewässerbedingungen
jedoch kritischer werden, sollte die Gruppenbildung in Kraft treten, d.h.
man sucht die Nähe zu seinem Gruppenleiter. Jede Gruppe paddelt dabei
unabhängig von den anderen Gruppen, jedoch sollte der Gruppenleiter aus
der Distanz heraus darauf achten, wie die andern Gruppen vorankommen.
- Keine Absprache über Kommunikationszeichen: Bevor alle aufs Meer hinaus paddeln, solltest du
zur besseren Kommunikation untereinander mit deinen Kameraden die
nötigsten "Signale" vereinbaren, z.B. für:
- "Achtung, sofort Blickkonktakt!"
= ein kurzes
Ton-Signal
- "Kommen!" bzw. "Sammeln!" bzw. "Hilfe, ich
brauche Unterstützung!"
= zwei kurze
Ton-Signale bzw. ein Arm hochheben!
- "Wartet auf mich!" bzw. "Paddeln einstellen und
warten!" bzw. "Gefahr, nicht kommen!"
= ein langes
Ton-Signal bzw. Paddel mit beiden Armen waagerecht hochhalten!
- "Seenotfall" (Nur für die Kommunikation mit
Außenstehenden gedacht)
=
Dauterton-Signal bzw. Paddel mit beiden Armen wiederholt waagerecht heben und
senken, und zwar von der Spritzdecke bis über den Kopf!
(s. auch: www.kanu.de/sicherheit/zeichen1.htm )
- Selbstüberschätzung II:
Als erfahrener Kamerad solltest du darauf achten, dass bei
anspruchsvolleren Touren je Gruppe höchstens nur ein schwächerer Kamerad
mitgenommen wird; denn nichts gefährdet den Verlauf einer Tour stärker,
als wenn mehrere Kameraden in Schwierigkeit geraten und ihre Kajaks nicht
unter Kontrolle haben.
- Fehlende Orientierung am Fahrtenleiter: Du solltest nicht nur das Ziel oder die
Kursangabe vor Augen haben und dann einfach lospaddeln, vielmehr solltest
du immer schauen, welchen Kurs und welches Tempo der Fahrten- bzw.
Gruppenleiter einnimmt; denn unterwegs kann sich die Situation verändern,
so dass Ziel und Kursangabe nicht mehr zu stimmen brauchen.
- "Kompetenzgerangl": Der Fahrtenleiter gibt in der Regel die Tour vor und sorgt für
ihren sicheren Ablauf ("Führerprinzip"). Mögliche Unklarheiten
können vor Antritt der Tour bzw. einer Etappe diskutiert und u.U. durch
Abstimmung geregelt werden. Zu beachten ist jedoch, dass
Sicherheitsprobleme eigentlich nicht auf demokratischem Wege gelöst werden
können. Tauchen unterwegs Probleme auf, sind sie sofort - bzw. wenn die
Gewässerbedingungen das nicht zulassen - später an Land mit dem
Fahrtenleiter zu besprechen. Nehmen an einer Tour mehrere erfahrene
Kanuten teil, so bietet es sich durchaus an, dass die Fahrtenleitung
täglich ein anderer übernimmt ("Rotationsprinzip").
- Angst: Gerätst du
unterwegs in Schwierigkeiten, solltest du das deinen Kameraden mitteilen.
Merkst du, dass ein Kamerad unterwegs Schwierigkeiten hat, solltest du ihn
auf dem Wasser betreuen, oder einen Kameraden "abordnen", der
diese Betreuung übernimmt. Erkennst du schon vor Antritt einer Tour, dass
einer sich nicht zutraut, unter den gegebenen Gewässerbedingungen aufs
Meer hinaus zu paddeln, hilft manchmal eine Probefahrt, um ihn davon zu
überzeugen, dass die Bedingungen doch gar nicht so kritisch sind.
Text: Udo Beier
Quelle: YACHT, Nr.2/03, S.16-49 - www.yacht.de
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