05.07.2003 Sicherheit im See- und
Küstenbereich (Ausbildung)
Die vom BSH kostenlos herausgegebene
Broschüre:
"Sicherheit im See- und
Küstenbereich. Sorgfaltsregeln für Wassersportler"
ist 2003 in 5. Auflage erschienen. Im
Folgenden werden jene Ausführungen aus Abschnitt 1.6 "Vorsichts- und
Notfallmassnahmen für Segelsurfer und Kajakfahrer" aufgeführt, die für
das Küstenkanuwandern relevant sind:
"... Seekajakfahrer können noch
Küstenregionen befahren, die von anderen Wassersportfahrzeugen nicht erreicht
werden. (Sie) müssen sich daher ihrer besonderen Verantwortung für Natur und
Umwelt in den sensiblen Bereich der Küstengewässer bewusst sein! Einer
intensiven und detaillierten Fahrtenplanung und -vorbereitung unter Beachtung
der Naturschutz- und Befahrensbestimmungen ist daher besondere Bedeutung
beizumessen.
Starten Sie nie ohne genaue Kenntnis der
Wetterlage und -vorhersagen, insbesondere der zu erwartenden Wind- und
Sichtverhältnisse. Über Tel. 0190/1169-31 können Sie z.B. den
5-Tage-Seewetterbericht von Nord-/Ostsee abfragen. Seien Sie sich bewusst, dass
Sie schon ab einem Wind der Stärke 4 Bft. an Ihre Leistungsgrenzen geraten
können. Stellen Sie sicher, dass Sie auch auf längeren Fahrten Informationen
über die Wetterentwicklung einholen können (z.B. mittels Radio). Informieren
Sie sich weiterhin über regionale Besonderheiten des Fahrtenreviers, wie
Informationen hierzu finden Sie in den
aktuellen Seekarten und -büchern, dem Gezeitenkalender, dem Stromatlas bzw. im
Internet auf der Homepage des BSH (www.bsh.de)
und des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de).
Fahrten in Küstengewässern sollten nicht
allein, sondern in Gruppen (3-6 Kajaks) durchgeführt werden. Sie sind keine
Touren für kajaksportliche Anfänger. Neben absolut sicherer Bootsbeherrschung -
auch unter ungünstigen Wetter- und Seegangsbedingungen - ist eine gute
Kondition sowie das Beherrschen der Rettungs- und Wiedereinstiegsmethoden von
großer Wichtigkeit. Hier ist praktische Erfahrung und entsprechendes Training,
bereits vor Saisonbeginn, unabdingbar. Da Fahrten auf offenen Gewässern nie
allein durchgeführt werden sollten, beziehen Sie Ihre Partner in das
Konditions- und Sicherheitstraining möglichst mit ein. Hier bieten Ihnen die
Wassersportverbände und -vereine entsprechende Schulungs- und
Trainingsangebote. Informieren Sie sich rechtzeitig (z.B. beim Deutschen
Kanu-Verband e.V. ...., bei der Salzwasserunion ....)!
Natürlich ist dem Bootsmaterial und der
persönlichen Ausrüstung besondere Bedeutung beizumessen. Neben einem Seekajak
mit doppelter Abschottung, Spritzdecke, Lenzpumpe, Kompass, Kartendeck mit
elastischen Halteseilen, Paddel- und Ersatzpaddel, Rettungshalteleinen,
wasserdichte Gepäckluken, Rettungsweste, sachgerechter Bekleidung sowie stets
griffbereit verfügbaren optischen und akustischen Signalmitteln gehören hierzu
noch eine Vielzahl weiterer Ausrüstungsgegenstände. Auf der Homepage des
Deutschen Kanu-Verbandes e.V. (www.kanu.de/spezial/kuestenpaddeln/kaufen.html)
finden Sie hierzu zusätzliche Informationen.
Auch erfahrenen ... Seekajakfahrern bleibt
... eine Kenterung nicht immer erspart. Beachten Sie, dass der Gekenterte
besonders der lebensbedrohenden Gefahr der Unterkühlung bzw. des Kälteschocks
ausgesetzt ist. Hiergegen sollten Sie sich durch entsprechende
Kälteschutzbekleidung (Trocken- oder Neoprenanzug, Neoprenkopfhaube) schützen.
Bedenken Sie, dass ein Gekenterter ohne Schutzbekleidung bereits bei einer
Wassertemperatur von ca. +10° C schon nach spätestens 10 Minuten nicht mehr in
der Lage sein kann, sich an Rettungsmanövern aktiv zu beteiligen. Treffen Sie
Vorsorge! Beachten Sie aber auch, dass Sie bei Lufttemperaturen unter +15° C
allein schon durch die Einwirkung des Windes (Windchill) unterkühlen können.
Sie sollten daher zumindest eine Windjacke, Kopfschutz und Handschuhe
(Paddelpfötchen) griffbereit mitführen.
Planen Sie ihre Fahrten so, dass Sie nicht
gegen die Tide anpaddeln müssen, kalkulieren Sie Verzögerungen, aber auch
Pausen ein und meiden Sie Dunkelheit und Nebel. Führen Sie Signalmittel,
wasserdichte Taschenlampe, Getränke und Verpflegung griffbereit mit sich.
Zwingen Sie sich nicht selbst zu Höchstleistungen durch zu knappe Zeitplanung.
Überprüfen Sie vor Fahrtantritt Ihre Ausrüstung auf Vollzähligkeit und
Funktionsfähigkeit. Wählen Sie die Übernachtungsplätze so aus, dass Sie bei
einer Wetterverschlechterung auch mit einer Fähre zurückfahren können.
Informieren Sie zuverlässige Personen über die geplante Route, das Fahrtziel
und die voraussichtliche Fahrtdauer. Melden Sie sich beim Erreichen von
Etappenzielen bzw. bei Fahrtenende. Seien Sie auf einen Seenotfall vorbereitet
und scheuen Sie sich nicht, die Seenotleitung MRCC Bremen (Tel. 0421-536870
bzw. Handy 124124) rechtzeitig davon in Kenntnis zu setzen.
Damit während einer Fahrt keine
Missverständnisse auftreten, sprechen Sie vor Beginn einer Fahrt mit den Sie
begleitenden Partnern entsprechende Signale zur leichteren Verständigung ab.
Von der Internationalen Canoe-Federation (ICF) werden für das Küstenkanuwandern
die folgenden Hand- und Tonsignale empfohlen:
·
Tonsignal:
"ein kurzer Ton"
= Achtung, Blickkontakt mit Signalgeber aufnehmen!
Handsignal: "eine Hand gehoben"
·
Tonsignal:
"mehrere kurze Töne"
= Kommen, ich habe auf etwas Wichtiges hinzuweisen! bzw.: Ich brauche Hilfe!
·
Handsignal:
"Paddel mit beiden Armen waagerecht hochgehalten"
·
Tonsignal:
"ein langer Ton"
= Wartet auf mich, ich komme zu euch!
·
Handsignal:
"Paddel mit beiden Armen wiederholt waagerecht heben und senken"
·
Tonsignal:
"Dauerton"
·
Leuchtsignal:
"Rote Fallschirm-Leuchtrakete" oder "rote Handfackel"
= Seenotfall - MAYDAY!
Um eine Kollision mit der übrigen
Schifffahrt auszuschließenb, beachten Sie unbedingt
die folgenden "Sicherheitsregeln für
Wassersportler":
"Verlassen
Sie keinen sicheren Liegeplatz bei Nebel.
Werden Sie von Nebel oder schlechter Sicht überrascht, möglichst umgehend
Fahrwasser und Schifffahrtswege verlassen, zum eigenen Schutz einen sicheren
Ort aufsuchen und Fahrt unterbrechen. ..."
Halten Sie sich
von der Berufsschifffahrt nach Möglichkeit fern.
Meiden Sie Schifffahrtswege und halten Sie sich im Fahrwasser soweit wie
möglich rechts oder außerhalb des Fahrwassers, sofern dies ohne Gefahr möglich
ist. ...
Achten Sie als Seekajakfahrer darauf, ein
befahrenes Fahrwasser möglichst mit der Kielrichtung im rechten Winkel zur
allgemeinen Verkehrsrichtung zu queren, und zwar als Gruppe. Bei Ihrer
Entscheidung zu queren, sollten Sie davon ausgehen, dass die Berufsschifffahrt
sie weder auf dem Fahrwasser vermuten noch frühzeitig erkennen wird. Bei
Kollisionsgefahr sollte jedes Manöver entschlossen und rechtzeitig ausgeführt
werden. Es muss zu einem sicheren Passierabstand führen. Änderungen des Kurses
und/oder der Geschwindigkeit bei Ausweichsmanövern müssen, wenn möglich, so
reichlich bemessen sein, dass das andere Fahrzeug sie auch schnell erkennen
kann. Mehrere aufeinanderfolgende kleine Änderungen von Kurs und/oder
Geschwindigkeit sollen deshalb vermieden werden."
Quelle/Bezug: BSH (Hrsg), Sicherheit im See- und Küstenbereich - www.bsh.de