15.11.2003
3x3 Risikoprophylaxe beim
Küstenkanuwandern (Ausbildung)
In
KANU-MAGAZIN stellt Oli Grau in dem Beitrag:
„Die 3x3
Methode zur Unfallverhütung beim Paddeln“
eine
Methode zur „Reduzierung von Fehlentscheidung“ vor, die er den Wildwasserfahrern
zur Anwendung empfiehlt. Er greift dabei auf die Idee von Werner Munter zurück,
der Ähnliches, jedoch für eine andere Sportart, erstmals herausgearbeitet und
1997 in dem Buch:
„3 x 3
Lawinen, Entscheiden in kritischen Situationen“
veröffentlicht
hat. Ich meine, dass dies ist ein interessanter Ansatz zur „sicheren
Tourenplanung“ und gleichermaßen hilfreich für den Ausbilder als auch den
einzelnen Kanuten ist.
Bei
dieser „3x3-Risikoprophylaxe“ wird von den folgenden drei Entscheidungsstadien (sog. „Filter“) ausgegangen, die jeweils
hinsichtlich dreier Problemgruppen
(sog. „Konstante“) zu bewerten sind:
Entscheidungsstadien:
- Risikoanalyse
zu Haus (Tourenplanung)
- Risikoanalyse
am Startort
- Risikoanalyse
unterwegs
Problemgruppen:
- Umgebungsverhältnisse
- Gewässerbedingungen
- Personallage
(Können/Kompetenzen/Handeln/Ausrüstung der Kanuten).
Bei
der „3x3-Risikoprophylaxe“ wird nun dergestalt vorgegangen, dass man bzgl.
jedes Entscheidungstadiums, nämlich
Risikoanalyse zu Hause, am Start bzw. unterwegs überprüft, inwiefern die
Umgebung, das Gewässer bzw. der Faktor Mensch
bei der Tour Probleme bereiten könnten.
Die
„3x3 Risikoprophylaxe“ übertragen auf das Küstenkanuwandern könnte dann die
folgt ablaufen:
Stadium 1:
Risikoanalyse zu Hause (Tourenplanung)
11.
Abwägung möglicher Umgebungsverhältnisse: (z.B.)
- Verfolgung
und Analyse der Wetterbericht (z.B. die letzten 3 Tage vor einer Tour);
- Überprüfung
des Schiffsverkehrs (z.B. Abruf der Verkehrszeiten von Schnellfähren);
- Auswahl
sicherer Start-/Pausen-/Zielorte (z.B. brandungsfrei,
Abbruch-/Rückzugsmöglichkeiten; Fährverbindung zurück ans Festland);
12.
Abwägung möglicher Gewässerbedingungen: (z.B.)
- Beschaffung
der Gezeiten-/Strom-/Wasserstandsdaten;
- Beachtung
bestimmter Windlagen (z.B. ab-/auflandiger Wind) bzw. Gezeitenverhältnisse
(Nipp-/Springtide);
- Herausarbeitung
möglicher Gewässerschwierigkeiten (z.B. Nebel, Dunkelheit, Brandung,
Grundsee, Kreuzsee, Stromkabbelung, Klapotis);
13.
Abwägung möglicher menschlicher Probleme: (z.B.)
- Teilnehmerkreis
(z.B. Anfänger, Fortgeschrittene, Experten; Geschlecht; Alter,
Gesundheitstand);
- Leistungsstand
(z.B. Erfahrungen, Paddeltechnik, Kondition; Leistungsbereitschaft);
- Ausrüstung
(z.B. Bootsmaterial, Sicherheits-/Signalmittelausstattung);
Stadium 2:
Risikoanalyse vor Ort
21.
Analyse der tatsächlichen Umgebungsverhältnisse: (z.B.)
- Überprüfung
des Wetterberichts und Analyse der IST-Wetterlage (z.B.
Warm-/Kaltfronverlauf; Windstärke/-richtung, Sicht, Böengefahr, Gewitter);
- Überprüfung
des Schiffsverkehrs im Hinblick auf die vorgegebene Fahrtroute;
- Auswahl
eines unkritischen Startorts und Überprüfung der vorgegebenen
Pausen-/Notfall-/Zielorten;
22.
Abwägung der tatsächlichen Gewässerbedingungen: (z.B.)
- Analyse der
IST-Gewässerbedingungen vor Ort in Abhängigkeit von Wind & Wetter,
Gezeit & Strom sowie Wassertiefe & Küstenformation;
23.
Abwägung möglicher menschlicher Probleme: (z.B.)
- Welchen
Eindruck hinterlassen die Kanutinnen und Kanuten (z.B. hinsichtlich Können,
Kompetenz, Disziplin, Gesundheitszustand, Kondition; Ausrüstung)?
Stadium 3:
Risikoanalyse unterwegs
31.
Analyse der gegenwärtig erlebten Umgebungsverhältnisse: (z.B.)
- Droht
eine Verschlechterung der Wetterverhältnisse (z.B. hinsichtlich Windstärke,
Sicht, Temperatur, Böen; Gewittergefahr)?
- Welche
Möglichkeiten bestehen, den aus einer Wetterverschlechterung erwachsenen
Gefahren auszuweichen (z.B. Veränderung der Route (Windschatten
aufsuchen), Abbruch der Tagesetappe, aber so, dass am nächsten Tage jedoch
eine Startmöglichkeit besteht)?
32.
Analyse der gegenwärtig erlebten Gewässerbedingungen: (z.B.)
- Gehen auf
Grund der Gewässerbedingungen von der gewählten Route Gefahren aus (z.B.
wegen vorgelagerter Brandung, Grundsee, Stromkabbelung; Fallwinde,
Düseneffekte)?
- Bestehen
bei der Routenwahl Ausweichsmöglichkeiten mit geringem Gefahrenpotential?
- Stimmt
unter den gewärtigen Gewässerbedingungen noch die Zeitplanung?
33.
Analyse der gegenwärtigen Problem mit einzelnen Kanuten: (z.B.)
- Schwächeln
einzelne Kanutinnen und Knauten bei den vorgegebenen
Wind-/Gewässerbedingungen und welche Kurskorrekturen würde für eine
Verbesserung der Lage sorgen?
- Können
alle Kanutinnen und Kanuten das vorgegebene Tempo halten und welche
Möglichkeiten gibt es, dass alle bei der Gruppe bleiben bzw. dass alle ein
niedriges Tempo fahren können?
- Machen
sich
motivations-/ausrüstungs-/konditions-/ernährungs-/gesundheits-/psychischbedingte
(z.B. Angst) Schwachstellen bemerkbar?
Quelle: Kanu-Magazin,
Nr. 1/04, S.46-47 – www.kanumagazin.de