19.01.2006 Geschichte der Navigation (Ausbildung)
In der YACHT berichtet
A.Fritsch in dem Beitrag:
„Die letzten Rätsel der Navigation“
über einige historisch
interessante Aspekte der Navigation, z.B.
- Seehandbücher:
Das früheste seiner Art ist der
Revierführer (sog. „Peripli“) des Skylax von Karyana aus dem Jahr 400
v.Chr.. Es enthält Anweisungen für das Befahren des Mittelmeeres und
Schwarzen Meeres.
- Seefahrtstaktik: Bis zum 8. Jahrhundert. war die „Seefahrt ein Hangeln entlang der Küste. Mit Lot und einfachster
Koppelnavigation ging es unter Landsicht voran. Die Schiffe hatten kaum
Tiefgang, nachts setze man sie oft auf den Strand und rastete.“
- Kompass: Der erste Beleg, dass europäische Schiffe den
Kompass verwendeten, stammt aus dem Jahr 1187. Den Chinesen war da der
Kompass schon längst bekannt.
- Astrolabium: Es ist ein Instrument, mit dem die geografische
Breite bestimmt werden konnte. Es war schon vor 1000 n.Chr. bekannt. In
der europäischen Schifffahrt fand es jedoch erst im 15. Jhd. Anwendung.
Solche Instrumente waren jedoch lange Zeit „unerwünscht“ – vergleichbar
dem GPS beim Küstenkanuwandern – denn man „misstraute Kapitänen, die solche neuen Geräte an Bord nahmen. Man
mutmaßte, sie seien nicht erfahren genug und müssten auf diese technischen
‚Krücken’ zurückgreifen.“
- Jakobsstab:
Das auch als „Kreuzstab“
bezeichnete Navigationsinstrument wurde von den Portugiesen entwickelt und
erstmals 1342 beschrieben. Zur Bestimmung der Breite wurde die Sonne
angepeilt.
- Quadrant:
Er wurde 200 Jahre später
eingesetzt. Mit ihm konnte ein Himmelskörper angepeilt werden, um
ebenfalls die Breite zu bestimmen, übrigens auf 1° genau! Es handelt sich
dabei um einen Ausschnitt aus einem kreisrunden Brett, welcher ein Viertel
des Brettes umfasste (daher der Name „Quadrant“). Mit Hilfe eines Fadens,
an dem ein Gewicht befestigt war, welches von der Erdanziehungskraft nach
unten gezogen wurde, konnte nach dem Anpeilen der Sonne der Winkel
zuwischen Sonne oder einem anderen Himmelskörper und Horizont (den man
nicht sehen musste) ermittelt werden.
- Davisquadrant: Er
wurde von dem Engländer John Davis Ende des 16. Jh. entwickelt und maß
ebenfalls den Abstand der Sonne vom Horizont, was für die Bestimmung der
Breite wichtig war.
- Oktant: Er ist der Vorläufer des Sextanten und wurde von dem Engländer John Hadley 1731
erfunden. „Zusammen mit Tabellen über Mond- und Fixsternbewegungen
erlaubte erst der Oktant die Bestimmung des Längengrads auf See.
- Sextant: Er ermöglichte die Messung des Sonnenstandes
über dem Horizont. Die Messwerte werden dabei auf einem Kreisabschnitt
abgetragen, der ein Sechstel des Kreises umfasst. Mit seiner Hilfe konnte
bis auf 1/10° genau gemessen werden.
- Portolane:
Es handelt sich um gegen Ende
des 13. Jh. entwickelte Seekarten für das Mittelmeer, in dem
kompassrosenartige Strahlennetze eingezeichnet sind, an denen sich die
Kapitäne orientieren konnten.
- Merecator-Projektion: Mercator erfindet um 1569 die winkeltreue
Karte.
- Chronometer: Der englische Uhrmacher Harrison baute um 1770
den ersten 32 kg schweren Chronometer, der die Bestimmung des Längengrads
ermöglicht.
- Pizzigano-Karte
von 1424: Sie stammt vom
venezianischen Kartografen Pizzigano. Auf ihr sind ganz im Westen des
Atlantiks 4 Inseln aufgeführt, von denen zwei wie Puerto Rico und
Guadeloupe aussehen. Kolumbus entdeckte jedoch diese Inseln erst 70 Jahre
später. Vermutet wird, dass diese Karten auf chinesische Karten beruht.
- Weltkarte
des Piri Reis: Der türkische
Admiral Piri Reis (ca. 1465-1554) hat 20 erbeutete Seekarten zu einer
Weltkarte zusammengebastelt. Sie enthält die eisfreie Küstenlinie der
Antarktis, obwohl diese erst im 19. Jh. (wieder)entdeckt wurde und obwohl
die Antarktik das letzte Mal 4000 vor Chr. eisfrei war.
- Navigationstüchtigkeit: „Von
Shetland-Fischern und Polynesiern wissen wir, dass sie ihr Kurse anhand
von vorherrschenden Wellensystemen ausrichten können. Das funktioniert
sogar, wenn der Schwell nur schwach in tieferen Wasserschichten existiert,
weil der Wind gedreht hat. Die Seeleute waren früher viel sensibler für
die Umwelt als heute. Strömungen, Wasserfarbe, Fischvorkommen,
Vogelflugrichtungen – all das trug zur Orientierung bei. Dazu kam die
Orientierung an Polarstern und Sonnen. … Vielleicht brauchten also auch
die Wikinger gar keine Navigationsgeräte.“
Quelle: YACHT,
Nr. 2/06, S.26-38 – www.yacht.de
Literatur:
C.Hapgood: Die Weltkarten
der alten Seefahrer (1966)
G.Menzies: 1421. Als China
die Welt entdeckte.
F.W.Pohl: Die Geschichte der
Navigation.
U.Schneider: Die Macht der
karten.
D.Sobel/W.Andrewes:
Längengrad