In OCEAN PADDLER schreibt Jeff Allen in Teil II der Beitragsserie
„Incident Management“ über das Thema Schleppen:
„Towing“
Zunächst werden zwei
Schleppsysteme vorgestellt:
Die
Schleppleine am Kajak befestigt, und
zwar mittig direkt hinter der Sitzluke.
Dafür
ist es erforderlich, dass mittig hinter der Sitzluke eine Halterung befestigt
ist, durch die die Schleppleine gelenkt wird, und seitlich links oder rechts am
Rand der Sitzluke eine Art Klampe montiert ist, die die Schleppleine so
festhält, dass sie im Notfall schnell abgeworfen werden kann.
Eine
solche Schleppleine ist jedoch bei Gruppenfahrten nur dann „gruppentauglich“,
wenn mehrere Kanuten über eine solche Schleppleine, zumindest über diese beiden
Schleppvorrichtungen (hier: Halterung u. Klampe) verfügen, sodass die
Schleppleine auch einmal an einem anderen Kanuten weitergereicht werden kann.
Anmerkung: Leider wird in dem Beitrag nicht erwähnt, dass bei
Einsatz dieses Schleppsystem kein Gepäck, auch keine Reservepaddel auf dem
Achterdeck verstaut werden darf und dass das Kajak weder über eine Steueranlage
verfügen darf, welche hinten am Heck befestigt wird, noch eine Heckform
aufweisen darf, welche höher hinaus ragt, als die Halterung hinter der
Sitzluke; denn in all diesen Fällen kann die Schleppleine an diesen
Gegenständen verhaken, d.h. nicht immer frei schwingen, sodass der Schlepper
Schwierigkeiten bekommt, wenn er seinen Kurs halten bzw. eine Kursänderung
vornehmen möchte.
Die Schleppleine am Oberkörper des „Schleppers“
befestigt.
Zwei Modelle werden vorgestellt, und zwar von „North Water“ und „Palm“.
Ein
Vorteil dieses Systems ist, dass die Schleppleine unterwegs an einen anderen
Kanuten weitergegeben werden kann.
Bei den Schleppleinen ist
auf Folgendes zu achten:
Anmerkung: Am geeignetsten sind Karabiner aus Edelstahl mit
einem extra Augen, (durch das die Schleppleine gezogen und nicht verrutschbar
befestigt werden kann) und einem Schnappmechanismus, der über keine scharfen
Kanten verfügt (sonst könnte sich dort beim Lösen des Karabiners die
Rettungshalteleine verhaken) (gesehen bei: www.gadermann.de
).
Anmerkung: Solange nicht zwischen Felshindernissen
entlang gepaddelt wird, genügt eigentlich ein einzige Schleppleinenlänge, die
so zwischen 10-15 m liegen sollte.
Anmerkung: Es wird nichts darüber ausgesagt, wie die Schnalle,
die im Notfall schnell zu öffnen ist, aussehen soll. Ich halte jene Schnallen,
die wir im Panik-Fall öffnen, so dass der Gürtel bei Zug aus der Schnalle
gezogen wird, für wenig geeignet. Besser finde ich jene Steck-Schnallen, die
bei Rucksäcken eingesetzt werden. Die geben nämlich sofort den Gürtel frei, und
zwar auch ohne Zug, sobald mit einer Hand die Steckschnalle aufgedrückt wird.
Anmerkung: M.E. genügt es, wenn der Beutel mit der Schleppleine
um die Taille gelegt und der Schlepphaken so positioniert wird, dass er im
Notfall sofort ergriffen und beim zu schleppenden Kajak befestigt werden kann.
Die Schleppleine sollte jedoch so in dem Beutel verstaut sein, dass sie bei Zug
ohne zu verheddern aus dem Beutel gezogen werden kann (siehe hierzu die beim
Wildwasser verwendeten Wurfsäcke).
Anmerkung: Zumindest auf deutschen Gewässern, wo nicht zwischen
Felshindernisse gepaddelt wird, hat sich eine auf ganzer Länge elastische
Schleppleine mit einem Durchmesser von 4-5 mm bewährt. Sie schwimmt wohl nicht
und ist auch nicht so leicht sichtbar, aber sie reicht. Außerdem dämpft sie so
stark den Zug ab, der beim Schleppen entsteht, dass der „Schlepper“ fast gar
nicht merkt, dass er ein anderes Kajak schleppt.
Anschließend werden ein paar
Schleppmethoden erläutert:
1) „Toggle-Schlepp“ („Toggle Tow“): In kritischen Situationen, bei denen ein
Kenterbruder sehr schnell aus einem kritischen Gewässerbereich geschleppt
werden soll, bietet es sich an, dass der schwimmende „Kenterbruder“ mit der
einen Hand sein Kajak sichert (hier: am Bugtoggle festhält) und mit der anderen
Hand sich am Hecktoggle des „Schleppers“ hält. Anschließend versucht der
„Schlepper“ seinen Kameraden samt Kajak in ruhigeres Gewässer zu bugsieren.
Übrigens,
bei kritischen Gewässerbedingungen ist es von Vorteil, wenn der Kenterbruder
einen Schutzhelm trägt. Anderenfalls könnte es passieren, dass er bei Seegang
etwas zu heftig mit dem Bug seines Kajaks bzw. dem Heck des „Schlepper“ in
Berührung kommt.
2) „Kontakt-Schlepp“ („Contact Tow“): Ein hilfsbedürftiger Kanute, der noch in seinem
Kajak sitzt, wird dergestalt aus einem kritischen Gewässerabschnitt geschleppt,
dass er sich mit seinem Kajak am Kajak des „Schleppers“ festhält. Dabei bietet
sich an, dass der hilfsbedürftige Kanute in Bug-zu-Heck-Position sich so am Bug
des „Schleppers“ festhält, dass er dem „Schlepper“ ins Gesicht sehen kann. Um
ein Quertreiben des zu schleppenden Kajaks zu verhindern, bietet es sich an,
den Bug dieses Kajaks in Höhe des Kartendecks des „Schleppers“ mit einer ganz
kurzen Leine zu fixieren. Diese Leine sollte jedoch mit einer Steck-Schnalle
ausgerüstet sein, sodass eine Panik-Öffnung möglich ist.
Anmerkung: Zumindest ein Fahrtenleiter sollte auf dem Kartendeck
solch eine kurze Leine befestigt haben, damit er ohne große Vorbereitungen den
„Kontakt-Schlepp“ durchführen kann.
3) Kurze Schleppleine: Sie sollte eingesetzt werden, um einen hilfsbedürftigen Kanuten
möglichst schnell aus einem kritischen Gewässerabschnitt zu schleppen.
4) Lange Schleppleine: Auf sie sollte zurückgegriffen werden, wenn es erforderlich ist, einen
hilfsbedürftigen Kanuten über eine längere Strecke zu schleppen. Die
Schleppleine sollte dabei so lang sein, dass der Seegang den Schleppvorgang
möglichst wenig behindert.
5) „Päckchen-Schlepp“ („Rafted Tow“): Hier wird nicht ein Kajak, sondern es werden zwei
Kajaks geschleppt, wobei in dem einen der hilfsbedürftige Kanute und in dem
anderen ein fitter Kanute sitzt, dessen Aufgabe es ist, den hilfsbedürftigen
Kameraden zu stützen, damit er beim Schleppen nicht kentert. Auf Folgendes
sollte beim Schleppen geachtet werden:
a)
Wenn es dem hilfsbedürftigen Kanuten besonders schlecht geht, empfiehlt es sich
u.U., dass der ihn stützende Kanute in Bug-zu-Heck-Position neben ihm liegt und
ihn auf diese Weise direkt ansprechen und Augenkontakt halten kann. Damit der
hilfsbedürftige Kanute nicht seekrank wird, sollte sein Kajak vorwärts gezogen
werden, folglich wird der stützende Kanute rückwärts gezogen.
b)
Damit das Kajak des stützenden Kanuten sich nicht quer legt, sollten beide
Kajaks mit der Schleppleine verbunden werden. Und damit der stützende Kanute
die Möglichkeit hat, sich von der Schleppleine zu lösen, sollte sie zunächst
durch seine Bug-Rettungsleine gezogen werden, bevor sie an der
Bug-Rettungsleine des Kajaks befestigt wird, in dem der hilfsbedürftige Kanute
sitzt.
c)
Sollte es erforderlich sein, dass der hilfsbedürftige Kanute von zwei Kanuten
zu stützen ist, bietet es sich an, noch einen zweiten „Schlepper“ einzusetzen
(„Multiple Tow“). Empfohlen wird dabei der „Line Tow“, bei der mehrere
„Schlepper“ in einer Linie hintereinander schleppen.
d)
Wenn über eine längere Strecke zu schleppen ist, bietet es sich u.U. an, den
„Schleppverband“ (das „Päckchen“) auch hinten zusammenzubinden, um zu
verhindern, dass die Kajaks hinten auseinander treiben und so für zusätzlichen
Wasserwiderstand sorgen.
Quelle: OCEAN
PADDLER, Nr. 2/07, S.52-55 – www.oceanpaddlermagazine.com