Im
SEA KAYAKER berichtet Paul McMullen
(34) in dem Beitrag
„Crossing Lake Michigan“
darüber,
wie er bei seiner 133 km weiten Solo-Querung des Lake Michigan (einer der Great
Lakes) von Ost nach West nach 84 km in Seenot geriet. Bevor Paul zum Paddeln
kam, war er Leichtathlet und US-Meister auf der Mittelstrecken sowie
Rettungsschwimmer bei der US-Coast Guard. Für die Tour hatte er vorher 6 Wochen
lang trainiert, zwei Wochen vor der Querung paddelte er 13 Std. auf einem 112
km langen Fluss
Gestartet
war er von Grand Haven um
Unterwegs
im Seekajak hat er sich zunächst recht wohl gefühlt, lediglich wenn er stoppte,
um zu Pausieren bzw. Telefonieren fühlte er sich im Seegang etwas unsicher.
Alle 30 Minuten schaltete er nachts sein GPS an, suchte sich zu seinem Kurs
einen Stern und paddelte dann – den Stern im Auge - weiter. Nach 45 km hat er
keinen Handyempfang mehr. Er forcierte daraufhin sein Tempo, um möglichst bald
wieder auf der anderen Seite des Ufers sein Handy wieder einsetzen zu können.
In den Morgenstunden setzte dann Wind aus Südwest ein, ein Wind der
prognostiziert wurde aber eigentlich etwas später kommen sollte. Immer mehr
Wellen (90-150 cm) spülten über sein Seekajak. Die Spritzdecke leckte. Die
Sitzluke füllte sich mit Wasser, sodass er ab & an die Spritzdecke öffnen
und mit der tragbaren Handpumpe lenzen musste. So um 8 Uhr holte er sein Handy
heraus und stellte fest, dass es völlig durchnässt war und nicht mehr
funktionierte. Außerdem zeigte sein GPS an, dass er noch 48 km vom Ziel
entfernt war und bei dem Gegenwind nur noch 3,2 km/h paddelte. Ihm wurde
schnell bewusst, dass er nicht mehr 1 Std., sondern noch etwas 15 Std. bis zum
Ziel benötigte, also nochmals genau so lange, wie er gerade unterwegs war. Das
alles und der Seegang trugen dazu bei, dass er sich gar nicht mehr wohl fühlte.
Die getrockneten Aprikosen und die Energiebarren kamen - samt irgendeinem
Energiegetränk mit Zitronengeschmack - immer wieder „hoch“. Als er seine
missliche Lage erkannte aktivierte er sein EPIRB und hoffte auf baldige Hilfe
(ca. 30 Min.). Aber es passierte nichts. Nach 45 Minuten überlegte er sich, ob
es nicht sinnvoller wäre, mit dem Wind wieder zurück zu paddeln. Da tauchte am
Horizont ein 220 m langer Frachter auf, der voll auf ihn zu hielt. Als er etwa
70 m an ihm vorbei fuhr, sah er eine Person an Deck. Paul holte daraufhin –
statt seiner Seenotsignalmittel - seine Pfeife heraus, blies kräftig hinein …
und wurde tatsächlich bemerkt. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Matrosen,
der zurück zum Steuerhaus lief. Dabei vergaß Paul, auf die herankommende
Dampferwelle zu achten … und kenterte im Kabbelwasser der Windsee und
Dampferwelle.
Ob
er Rollen konnte, war dem Beitrag nicht zu entnehmen, und ob nach 16 Std.
Dauerpaddeln die Rolle noch klappt, sei dahingestellt. Jedenfalls stieg er aus.
Währenddessen stoppte der Frachter seine Fahrt, drehte um und kehrte zurück.
Aber das dauerte ca. 30 Minuten, genug Zeit für Paul, um per Paddelfloat wieder
einzusteigen. Nun, es gelang ihm wohl, auf das Heck seines Seekajaks zu krabbeln
und seine Beine in die Sitzluke zu stecken, aber beim Umdrehen seines Körpers,
um die Sitzposition wieder einzunehmen, kenterte er wieder. Nach dreimaligem
Versuch gab er geschwächt auf und wartete auf den Frachter, der jedoch nur bis
auf ca. 100 m an ihn herankam. Paul erkannt das. Er entschied sich dafür, all
seine Ausrüstung zurückzulassen und zum Frachter hinüber zu schwimmen. Um
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„Nachher
ist man immer klüger als vorher, Außenstehende sowieso!“ Bei diesen
„Safety“-Berichten“ des SEA KAYAKERS ist es ständige Praxis, aus solchen Fällen
Konsequenzen („Lessons Learned“) abzuleiten. Dieses Mal war es Brian Day, der aufzeigen sollte, was an
der Tour bedenkenswert war. Folgendes hebt er dabei hervor:
a)
bei der Wetterlage gar nicht gestartet wäre;
b)
anfänglich kein so hohes Tempo gepaddelt und unterwegs mehr Pausen
eingelegt hätte, sodass die Kraftreserven nicht so schnell aufgebraucht wären;
c)
die Kenterung eines einzelnen nicht zum Seenotfall hätte
werden lassen;
d)
von der Ausrüstung her u.U. mehrfach abgesichert wäre (hier:
jeder hat ein Handy dabei);
e)
die auftauchenden Schwierigkeit (hier: beschädigtes Handy;
zu geringes Tempo) mental eher gemeistert hätten.
Zum
Schluss stellt sich die Frage, warum für solche eine Querung Paul auf einem
Fluss Strecke trainiert hat und nicht bei Touren hinaus auf die offene See?
Quelle: SEA KAYAKER, Febr. 08,
S.17-23 – www.seakayakermag.com