Ich erlebte es erstmals
Mittel der 80er Jahre. Ein Kamerad kenterte, stieg jedoch nicht aus, aber
rollte auch nicht hoch, sondern blieb in seiner Luke sitzen, trieb auf und
versuchte einige Zeit lang, mit seinem Kajak zu schwimmen, und zwar solange,
bis er sich am Kajak einer herbeigeeilten Kameradin festhalten konnte. Leider
kannten beide nicht die:
Die potenzielle Retterin
fürchtete daher zu kentern und forderte den Kenterbruder auf, sofort wieder ihr
Kajak loszulassen. Was dieser auch tat. Da ihm irgendwann die Luft zum Atmen knapp
wurde, stieg er aus und wartete auf „richtige“ Hilfe!
Übrigens, Bernhard Hillejan wieder entdeckte
diese Varianten des „Kajakschwimmens“ und propagierte es bei der
Salzwasserunion als eine Variante zur Vermeidung des Ausstiegs nach einer
Kenterung:
Alles Gute wird halt – wenn
es in Vergessenheit gerät – immer mal wieder neu erfunden:
in: Sea Kayaker,
April 2006, S.47-56
è www.seakayakermag.com/2006/April06/eskimo_roll01.htm
siehe
auch: Seekajak, 96/05, S.14-15 – www.salzwasserunion.de
è www.kuestenkanuwandern.de/aktuell.html
> Info v.
Es ist deshalb auch nicht
erstaunlich, dass selbst die Eskimos, die ja bekanntlich die nach ihnen genannt
Rolle erfunden und bis zur Perfektion weiterentwickelt haben, diverse Varianten
zur Vermeidung des Ausstiegs auch schon kannten. Die Beschreibung einer
Variante finden wir bei:
è www.qajaqusa.org/OK/petrussen_maneuver/Petrussen_Maneuver.html
siehe
auch: Sea Kayaker, Aug. 2000, S.15-17 – www.seakayakermag.com
der dabei auf zwei Beiträge
von: John Heath:
in: Sea Kayaker,
Oct. 1999, S.11-13 – www.seakayakermag.com
(hier: Balance Brace)
in: Sea Kayaker,
June 2000, S.55
zurückgreift. Im ersten
Beitrag erläutert Heath 3 Varianten des Wriggens (Sculling Brace), das es einem
Kenterbruder ermöglicht, sich an der Wasseroberfläche zu halten. Der Auftrieb
wird jedoch nicht durch Schwimmbewegungen erzeugt, sondern mit Hilfe des Paddels,
mit dem gewriggt wird. – Übrigens, ich habe eine dieser Varianten auch einmal
vor langer Zeit für mich neu „erfunden“, und zwar im warmen und klaren Wasser
vor Korsikas Küste. Ich fragte mich damals, was eigentlich passieren würde,
wenn ich nach einer Kenterung nicht hochrollen, sondern hochwriggen
würde. Nun, weil unser Körper fast schwerlose im Wasser hängt, treibt er beim
Wriggen allmählich an die Wasseroberfläche. Es genügt dann ein leichter
Stützschlag und schon befinden wir uns wieder in aufrechter Stellung in unserem
Kajak! Als ich das später im trüben Wattwasser der Nordsee praktizieren wollte,
klappt es leider nicht mehr.
In dem zweiten Beitrag wird
ein Foto von einem Grönländer Kanuten gezeigt, wie er auf dem Rücken liegend
mit ausgebreiteten Armen auf der Wasseroberfläche treibt, ohne sein Kajak
verlassen zu müssen. Sein Kajak ist recht schmal und von niedrigem Volumen. Ob
dies auch in voluminöseren Kajaks gelingt, sollte jeder Mal selber
ausprobieren. Siehe hierzu ein paar Fotos von Freya Hoffmeister (die letzten beiden Foto-Reihen):
è
http://qajaqunderground.com/photo-gallery/?album=1&gallery=1
… und was ist nun unter
diesem „Manöver“, welches der
Grönländer Peter Petrussen mal in seiner Jugend als erster (?) praktiziert
haben sollte, zu verstehen:
Wann wird dieses „Manöver“
am ehesten gelingen?
Ob dieses „Manöver“ auch
noch bei kabbeliger See funktioniert, muss jeder, der es ansonsten bei
„Ententeichbedingungen“ schafft, selber ausprobieren! Entscheidend ist dabei,
dass wir zumindest solange uns an der Wasseroberfläche halten können, bis ein
Helfer herbeigeeilt kommt, an dessen Kajak wir uns dann hochziehen können (sog.
„Eskimo-Rettung“); denn nichts ist betrüblicher für ein Retter mitzuerleben,
wie ein Kenterbruder aussteigt, obwohl dieser sich ein paar Sekunden später am
Kajak des Retters hätte festhalten und per Hüftknick hochziehen können.
Text: U.Beier
– www.kanu.de/kueste/