In KANU MAGAZIN berichtet Johann Brundell in dem Beitrag:
„Tödliche Kenterung. Chronik einer vorhersehbaren
Tragödie“
über zwei Kenterungen auf
dem ca. +2° C kalten, teilweise mit Eisschollen versetzten Vänern und ihren
Folgen.
Zwei Leistungssportler (28
u. 36 Jahre alt), die zugleich auch erfahrene Wildwasserfahrer waren, paddelten
in geliehenen, nicht für rauen Seegang geeigneten Trainingsrennbooten („Struer
Fanger“) (520 cm lang und 52 cm breit, unabgeschottet, Spitzenbeutel nicht voll
aufgeblasen, keine Rettungshalteleinen, Spritzdecke ohne festen Sitz, Sitzluken
(97x40 cm) wenig zum Rollen geeignet). Gepaddelt wurde mit Wingpaddel.
Der 28jährige trug u.a.
einen, jedoch nur halb hochgezogenen Long John (6 mm) plus Regenjacke. Der
36jährige trug u.a. eine 6 mm-Neohose. Beide waren mit Schwimmwesten
ausgerüstet. Die Reservekleidung wurde in einem wasserdurchlässigen Rucksack
hinter dem Sitz verstaut.
Die Lufttemperaturen lagen
bei +6° C und der Wind blies mit 3 Bft. Gepaddelt werden sollte ca. 30 km.
Beim Surfen kenterte der
36jährige. Nachdem der Wiedereinstieg nicht gelang, hielt der Kenterbruder sich
am Kajak seines Mitpaddlers fest und ließ sich Richtung einer nahe gelegenen
Insel schleppen. Nach ca. 5 Minuten schwanden die Kräfte und der Kenterbruder
begann zusammenhanglos zu reden. Beim Hochklettern aufs Heck des Mitpaddlers
kenterte auch dieser. Auf einen Wiedereinstieg wurde verzichtet. Beide
schwammen – ein Kajak fest im Griff – in Richtung Land.
Eine Stunde nach der ersten
Kenterung erreichen sie eine kleine Insel. Der Kenterbruder war
handlungsunfähig. Sein Mitpaddler versucht erst an Land, per Handy einen Notruf
abzugeben. Jedoch war dies nicht so einfach; denn dessen Hände waren so kalt
und gefühllos, dass es ihm zunächst nicht gelang, das Handy zu bedienen. Erst
als sich der 28jährige ein Stück Holz in den Mund steckte, gelang es ihm, mit
dem Stöckchen die Tasten des Handys zu bedienen und den Notruf auszulösen.
Leider war die Positionsangabe etwas ungenau. Außerdem war plötzlich der Akku
des Handys erschöpft, sodass sie nicht sofort gefunden werden konnten.
1 1/I2 Stunde nach dem
Notruf trafen Retter ein. 30 Minuten danach wurde der 36jährige mit einer
Körperkerntemperatur von 25° C in ein Krankhaus eingeliefert und verstarb 10
Stunden später an den Folgen der Unterkühlung.
Quelle: KANU
MAGAZIN, Nr. 4/08, S.42-46 – www.kanumagazin.de