15.09.2008 GPS-Navigation – wirklich so wichtig? (Ausbildung)
Im
SEEKAJAK stellt Siegfried Netzband
in dem Beitrag:
„Navigation nach GPS-Sicht“
vor,
wie wir mit einem GPS-Gerät navigieren können und wie es aussähe, wenn wir beim
Paddeln über kein GPS-Gerät verfügten. Dann müsste nämlich mit Kompass und
terrestrischen Peilobjekten navigiert werden (sog. „Deckpeilung“), statt den
Vorgaben eines GPS-Gerätes zu folgen.
S. Netzband ist der Auffassung, dass
jeder Seekajakfahrer, wenn er aufs Meer hinaus paddelt, auch in der Lage sein
MUSS, mit Hilfe eines GPS-Gerätes navigieren zu können. Nun, ich sehe das nicht
so verbissen. Für mich persönlich ist ein GPS-Gerät ein - wenn auch recht
nützliches – „Spielzeug“ (sonst hätte ich nicht in der Zwischenzeit mein
drittes Gerät):
- Ein GPS-Gerät ist
äußerst hilfreich, wenn wir ohne Sicht, d.h. ohne Peilobjekte
(Landmarken, Seezeichen) oder bei Dunkelheit bzw. Nebel paddeln. Nur, wann
paddeln wir mal ohne Sicht? Nun, wenn es z.B. ab nach Helgoland geht
(deshalb hatte ich genau für diesen Zweck schon 1994 ein solches Gerät
eingesetzt) bzw. zu einer noch nicht trocken gefallenen Wattfläche oder
wenn wir von der Dunkelheit bzw. vom Nebel überrascht werden. Insbesondere
Nebel setzt aber eigentlich voraus, dass wir vor einer Tour stets die von
uns geplante Route mit allen Wegepunkten, die – um Kollisionen zu
vermeiden – abseits der Schifffahrtswege liegen sollten, abspeichern
müssten. In Anbetracht dessen, dass ich nur ein einziges Mal – und zwar
1982 bei der Umrundung der Alandinseln - in wirklich dichten Nebel geraten
bin, habe ich es mir langsam wieder abgewöhnt, vor Beginn einer Tour meine
Routen und Wegpunkte im GPS-Gerät abzuspeichern.
- Wenn wir schon einer
im GPS-Gerät eingegebenen Route folgen möchten, informiert es uns darüber,
wie viel Meter (z.B.) exakt die tatsächlich eingeschlagene Route von der
geplanten Route abweicht (sog. Kursversatzanzeige (CDI)). Das ist
insbesondere dann relevant, wenn wir das GPS-Gerät unterwegs nicht immer
eingeschaltet haben, um Strom zu sparen.
- Gerade bei größeren
Querungen - wo die Deckpeilung etwas schwierig ist – können wir mit einem
GPS-Gerät die Wind- bzw. Strom-Abdrift und somit auch den Vorhaltewinkel
exakt bestimmen, was wichtig ist, wenn wir auf dem kürzesten Weg, d.h.
ohne eine „Hundekurve“ zu paddeln, ein Peilobjekt erreichen wollen.
- Beim Start zu einer
Rundtour in ein unbekanntes, mit Seezeichen nicht immer gekennzeichnetes
Revier, ist es manchmal ratsam, sich den Startort genau zu merken, damit
wir ihn am Ende der Tour auch wieder ohne viel Sucherei finden. Besitzen
wir ein GPS-Gerät, genügt es mit Hilfe eines Knopfdruckes den Startort
zu „markieren“, d.h. als Wegpunkt einzuspeichern, sodass er am Ende
dieser Tour mit Hilfe eine paar weiterer Knopfdrücke leichter angepeilt
werden kann.
- Es ist praktisch,
unterwegs mit Hilfe eines GPS-Gerätes die momentane exakte Geschwindigkeit
über Grund zu ermitteln. Mit solch einer Information lässt sich z.B.
abschätzen, wie lange wir voraussichtlich noch bis zu unserem Ziel
brauchen, auch wenn wir dieses nicht als Wegpunkt eingespeichert haben,
bzw. ob es auch weiterhin Sinn macht, den eingeschlagenen Kurs weiter zu
verfolgen. Außerdem hilft solch eine Angabe einem bei der Pausenplanung;
stellen wir nämlich fest, dass wir beim Pausieren wieder zurücktreiben,
wird die Pause sicherlich kürzer ausfallen, als wenn wir mit 5 km/h
Richtung Ziel treiben.
- Last and least zeigt
ein GPS-Gerät – vorausgesetzt es ist während einer Tour immer angeschaltet
-, wie viel Tages-Kilometer wir jeweils exakt gepaddelt sind. Wer
ein Fahrtenbuch führt, wird das zu schätzen wissen.
Übrigens:
- wenn Kanuten das GPS
bei meinen Touren einsetzten, dann überwiegend aus den Gründen 4. bis 6.
- beim Kauf sollten wir
uns für ein Gerät entscheiden, das auch dann noch bedient werden kann,
wenn es in einer wasserdichten Hülle verpackt wurde; denn brechende See
lässt nahezu jedes GPS-Gerät – auch die mit IPX-7 Klassifikation (=
wasserdicht, sofern das Geräte nicht tiefer als 1 m und nicht länger als
30 Minuten untergetaucht wird) -
undicht werden! Leider verweist der Autor in seinem Beitrag auf das
Gerät „Garmin eTrex Legend“, dessen Tasten seitlich am Gerät liegen
und - sobald in einer wasserdichte
Hülle verpackt - nur noch schwer bedient werden können.
- wer z.B. mit
Seekartenkopien unterwegs ist, sollte darauf achten, dass die Koordinaten
der anzupeilenden Wegepunkte exakt und ohne große Abschätzungen bis auf
die 1/10tel Minute zu ermitteln sind. Bei den meisten Seekarten – nicht
jedoch Sportbootkartenblättern – enthalten Kartenausschnitte nur Angaben
über Koordinaten im 5-Minuten-Raster, was die spätere Ermittlung der
exakten Koordinaten eines Wegpunktes unterwegs auf dem Wasser wesentlich
erschwert, wenn nichts so gar unmöglich macht.
Text: U.Beier
Quelle:
SEEKAJAK, Nr. 113, S.48-51 – www.salzwasserunion.de