Im
SEA KAYAKER berichtet Doug Lloyd in
dem Beitrag.
„The
Solo
kayaker lost while rounding Brooks Peninsula“
über
einen 60jährigen Kajakfahrer, der mehrere Tage solo entlang der Pazifikküste
von Vancouver Island paddelte und bei einer Kapumrundung wohl von einem 6-7
Bft. Wind (in Böen 8 Bft.) mit 1-2 m Seegang überrascht wurde und seitdem
vermisst wird.
Fakt
ist, dass der Kanute vermisst wird und dass keiner den Seenotfall bezeugen
kann. Dennoch gab es die Tage vorher und auch an jenem Sturmtag andere Kanuten,
die den Solo-Paddler gesehen hatten. In seinem Bericht greift Doug Lloyd auf die Aussagen dieser
Zeugen zurück, um daraus die Gründe für den wahrscheinlich tödlich ausgegangen
Seenotfall abzuleiten.
Meines
Erachtens gibt es im Wesentlichen 6 Gründe für dieses Unglück:
Die
plötzliche Wetteränderung überraschte ihn. Da er wohl für eine Notübernachtung
nicht ausgerüstet war, versucht er trotz verschlechternder Wetterlage weiter zu
paddeln, vorbei an zwei Kaps und einer Steilküste, auf die der Wind wehte, um
sein Standquartier zu erreichen.
Irgendwann
scheiterte er im immer schwerer werdenden Seegang und kenterte. Die mangelnde
Kentertüchtigkeit hinderte ihn am Hochrollen bzw. am Wiedereinstieg per
mitgeführten Paddlefloat. Da er solo paddelte, gab es keine Mitpaddler, die ihm
behilflich sein konnten. So trieb er – getragen von einer Schwimmweste, aber
unzureichend bekleidet gegen Unterkühlung - allmählich mit der Strömung hinaus
auf das offene Meer, ohne auf seinen Seenotfall aufmerksam machen zu können,
und blieb dort verschollen.
Der
Hauptfehler des Solo-Paddlers war wohl die Entscheidung, vom aufgeschlagenen
Standquartier eine Tagestour zu unternehmen, ohne auf ein Notbiwak vorbereitet
zu sein.
Damit setzte sich der Solo-Paddler unnötig in Zugzwang, nämlich unbedingt
wieder zurück zu seinem Standquartier zu kehren. Dabei wurde er von zunehmend
schwieriger werdenden Gewässerbedingungen überrascht und scheitert schließlich
an ihnen.
Auch
wenn sich dieser Solo-Paddler nicht an dem Motto von Doug Lloyd:
„Hope for the best, prepare for the worst!“
(Hoffe,
dass alles gut gehen wird, aber rechne stets mit dem Schlimmsten!)
gehalten
hat, möchte ich hier generell nicht zum Ausdruck bringen, dass dieser
Solo-Paddler niemals hätte allein auf der Pazifikseite von Vancouver Island
hätte paddeln dürfen. Immerhin hatte er schon vorher in dieser Gegend
gepaddelt. Denn:
Dieser
Verzicht auf die eigentlichen zentralen
Fertigkeiten und Vorgehensweisen eines Küstenkanuwanderers setzt jedoch unbedingt Folgendes voraus:
Wer
sich als Kanute an diese beiden Bedingungen hält, der dürfte in der Lage sein,
die geplanten Touren erfolgreich zu Ende bringen. Wer sich nicht daran hält,
geht ein Risiko ein, d.h. setzt darauf, bei seiner Tour Glück zu haben. Der
amerikanische Solo-Paddler setzte ebenfalls – mehr oder weniger bewusst - auf
sein Glück und das kostete ihm – obwohl es bis dahin immer gut ging - dieses
Mal sein Leben.
Text:
U.Beier
Quelle:
SEA KAYAKER, Nr. Oct. 2008, S.19-34 – www.seakayakermag.com