08.11.2008 Bemerkungen über die Höhe und das Brechen von Wellen (Ausbildung)

 

Der Seegang wird durch seine Wellen geprägt. Die Ursachen für die Entstehung von Wellen können sein:

 

 

Die Windsee wir durch Wind ausgelöst, weil sich die Luft an der Wasseroberfläche reibt. Dünung ist „alter“ Seegang, der durch Wellen geprägt wird, die nicht mehr vom Wind angetrieben werden. Treffen z.B. Windsee und Dünung aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, wird von Kreuzsee gesprochen. Der Seegang selber wird charakterisiert durch die:

 

 

Wenn sich Fachleute mit Wellenhöhen auseinandersetzen, unterteilen sie die beobachteten Wellen zunächst einmal in 3 Wellen-Päckchen, nämlich:

 

Die Frage, wie hoch die „durchschnittliche Wellenhöhe“ ist, wird dabei nicht gestellt. Wir müssten sie eigentlich in der Mitte des 2. Wellenpäckchens suchen, aber das interessiert den Fachmann nicht. Deshalb findet auch dieser Begriff keine Anwendung.

 

Über Wellenhöhen und ihren Beeinflussungsfaktoren

 

Stattdessen wird von der "kennzeichnenden Wellenhöhe" (sog. "signifikante" Wellenhöhe) gesprochen. Hierunter wird die durchschnittliche Wellenhöhe im höchsten Drittels aller Wellen im Seegang verstanden. Gemeint ist damit die "Durchschnittswellenhöhe" im 1. Wellenpäckchen.

 

Uns sollte es dabei bewusst sein - und das ist ja typisch für jeden Durchschnittswert -, dass es immer noch Wellen gibt, die höher sind:

Die Höhe der Wellen hängt im Wesentlichen ab von:

 

 

Im tiefen Wasser (= die Wassertiefe ist größer als die halbe Wellenlänge) hängt die Wellenhöhe zunächst einmal ab von Windstärke, Windwirkdauer und Fetch. Z.B.:

 

 

Im flachen Wasser wird das Wachstum der Welle abgebremst. Wenn sie von der Windstärke her eigentlich größer werden müssten, aber wegen der geringen Wassertiefe es nicht können, steilt sich die Welle auf und bricht. Dieses Brechen der Wellen können wir insbesondere dann beobachten, wenn Wellen über Untiefen (sog. Grundsee) bzw. auf einen Strand laufen (sog. Brandung). Wellen können aber auch dann aufsteilen und brechen, wenn der Wind gegen die Stromrichtung weht. Unabhängig davon können Wellen ab einer bestimmten Windstärke brechen. In den international anerkannten Wind- und Seegangsskala liest sich dass dann so:

 

3 Bft. Wind = Ganz vereinzelt können kleine weiße Schaumköpfe auftreten

(schwach bewegter Seegang);

4 Bft. Wind = Weiße Schaumköpfe treten schon ziemlich verbreitet auf

                        (leicht bewegter Seegang);

5 Bft. Wind = Überall treten weiße Schaumkämme auf

                        (mäßig bewegter Seegang);

6 Bft. Wind = Wellenkämme brechen sich und hinterlassen größere weiße Schaumflächen

                        (grober Seegang).

 

Über brechende Wellen

 

Was nützen uns diese Kenntnisse beim Küstenkanuwandern? Nun, zunächst einmal brauchen wir der Wellenhöhe keine zentrale Bedeutung beizumessen, außer wir neigen dazu, seekrank zu werden. Wachsam müssen wir Kanuten eigentlich nur dann werden, wenn mit einem Brechen der Wellen zu rechnen ist Erst in Verbindung damit wird die Wellenhöhe zu einer Größe, die maßgeblich die Gewässerschwierigkeiten prägt.

 

Wie wir obigen Ausführungen entnehmen können, fangen die Wellen in den folgenden Situationen an zu brechen:

 

Wir sollten dann möglichst den Kurs so wählen, dass wir innerhalb kürzester Zeit irgendwo anlanden und die Tour aussetzen bzw. abbrechen können.

Wenn der Wind völlig abflaut, bedeutet das jedoch nicht, dass dann sofort „Ententeichbedingungen“ herrschen. Vielmehr dauert es je nach Gewässer und Fetch noch ein paar Tage, bis die „alte“ Windsee (= Dünung) sich gelegt hat.

Beim Paddeln sollten wir daher stets den Horizont nach Grundseen absuchen, den Bereich, wo die Grundseen auftreten, orten und prüfen, wann besonders große Grundseen auftreten. Gegebenenfalls ist die Bereich der Grundseen eingrenzbar und somit umfahrbar.

Wenn wir mit Kanuten unterwegs sind, die über keine Brandungserfahrungen verfügen, sind Kenterung nicht auszuschließen, d.h. wir sollten solche Bereiche meiden bzw. nach möglichen „Korridore“ Ausschau halten, die auf Grund größerer Wassertief (= das kann der Seekarte entnommen werden) u.U. frei von Brandung sind. Dabei sollten wir es uns bewusst machen, dass ein Strandabschnitt ohne Brandung bei einem Windwechsel hin zum auflandigen Wind plötzlich der Brandung ausgesetzt sein kann. Auch müssen wir wissen, dass sogar bei Windstille Brandungsbedingungen herrschen können, nämlich dann, wenn Dünung einläuft. Übrigens, bei Mitpaddlern mit Brandungserfahrungen sollte ein erfahrener Kanute als erster anlanden („first in“) und seinen Mitpaddlern dann einem nach dem anderen beim Anlanden helfen. Und umgekehrt: Beim Starten sollte ein erfahrener Kanute als letzter starten („last out“), damit er zuvor den anderen beim Starten durch die Brandung „Anschubhilfe“ leisten kann.

Befinden wir uns mit unserem Kajak mitten in diesem „Explosionsbereich“, wissen wir nicht, ob wir nach links oder nach rechts geschmissen werden. Wenn wir dann verpassen, rechtzeitig auf der richtigen Seite zu stützen, ist eine Kenterung fast nicht mehr zu vermeiden.

 

Text: U.Beier

Quelle: Seewetter, hrsg. v. Autorenteam des Seewetteramtes (2.Aufl. 2002), S.54ff. und S.232ff.