Der Seegang wird durch seine Wellen geprägt. Die Ursachen für die
Entstehung von Wellen können sein:
Die Windsee wir durch Wind
ausgelöst, weil sich die Luft an der Wasseroberfläche reibt. Dünung ist „alter“ Seegang, der durch
Wellen geprägt wird, die nicht mehr vom Wind angetrieben werden. Treffen z.B.
Windsee und Dünung aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, wird von Kreuzsee gesprochen. Der Seegang selber
wird charakterisiert durch die:
Wenn sich Fachleute mit Wellenhöhen auseinandersetzen, unterteilen
sie die beobachteten Wellen zunächst einmal in 3 Wellen-Päckchen,
nämlich:
Die Frage, wie hoch die „durchschnittliche
Wellenhöhe“ ist, wird dabei nicht gestellt. Wir müssten sie eigentlich in
der Mitte des 2. Wellenpäckchens suchen, aber das interessiert den Fachmann
nicht. Deshalb findet auch dieser Begriff keine Anwendung.
Über Wellenhöhen und
ihren Beeinflussungsfaktoren
Stattdessen wird von der "kennzeichnenden Wellenhöhe"
(sog. "signifikante" Wellenhöhe) gesprochen. Hierunter wird
die durchschnittliche Wellenhöhe im höchsten Drittels aller Wellen im Seegang
verstanden. Gemeint ist damit die "Durchschnittswellenhöhe" im 1.
Wellenpäckchen.
Uns sollte es dabei bewusst sein - und das ist ja typisch für
jeden Durchschnittswert -, dass es immer noch Wellen gibt, die höher sind:
Die
Höhe der Wellen hängt im Wesentlichen ab von:
Im
tiefen Wasser (= die Wassertiefe ist größer als die halbe Wellenlänge) hängt
die Wellenhöhe zunächst einmal ab von Windstärke,
Windwirkdauer und Fetch. Z.B.:
Im
flachen Wasser wird das Wachstum der Welle abgebremst. Wenn sie von der
Windstärke her eigentlich größer werden müssten, aber wegen der geringen
Wassertiefe es nicht können, steilt sich die Welle auf und bricht. Dieses
Brechen der Wellen können wir insbesondere dann beobachten, wenn Wellen über
Untiefen (sog. Grundsee) bzw. auf einen Strand laufen (sog. Brandung). Wellen
können aber auch dann aufsteilen und brechen, wenn der Wind gegen die
Stromrichtung weht. Unabhängig davon können Wellen ab einer bestimmten
Windstärke brechen. In den international anerkannten Wind- und Seegangsskala
liest sich dass dann so:
3
Bft. Wind = Ganz vereinzelt können kleine
weiße Schaumköpfe auftreten
(schwach bewegter Seegang);
4
Bft. Wind = Weiße Schaumköpfe treten
schon ziemlich verbreitet auf
(leicht bewegter
Seegang);
5
Bft. Wind = Überall treten weiße
Schaumkämme auf
(mäßig bewegter
Seegang);
6
Bft. Wind = Wellenkämme brechen sich und
hinterlassen größere weiße Schaumflächen
(grober Seegang).
Über brechende Wellen
Was
nützen uns diese Kenntnisse beim Küstenkanuwandern? Nun, zunächst einmal
brauchen wir der Wellenhöhe keine zentrale Bedeutung beizumessen, außer wir neigen dazu, seekrank zu werden. Wachsam müssen wir Kanuten
eigentlich nur dann werden, wenn mit einem Brechen der Wellen zu rechnen ist
Erst in Verbindung damit wird die Wellenhöhe zu einer Größe, die maßgeblich die
Gewässerschwierigkeiten prägt.
Wie
wir obigen Ausführungen entnehmen können, fangen die Wellen in den folgenden
Situationen an zu brechen:
Wir sollten dann möglichst den Kurs so wählen, dass
wir innerhalb kürzester Zeit irgendwo anlanden und die Tour aussetzen bzw.
abbrechen können.
Wenn der Wind völlig abflaut, bedeutet das jedoch
nicht, dass dann sofort „Ententeichbedingungen“ herrschen. Vielmehr dauert es
je nach Gewässer und Fetch noch ein paar Tage, bis die „alte“ Windsee (=
Dünung) sich gelegt hat.
Beim Paddeln sollten wir daher stets den Horizont
nach Grundseen absuchen, den Bereich, wo die Grundseen auftreten, orten und
prüfen, wann besonders große Grundseen auftreten. Gegebenenfalls ist die
Bereich der Grundseen eingrenzbar und somit umfahrbar.
Wenn wir mit Kanuten unterwegs sind, die über keine
Brandungserfahrungen verfügen, sind Kenterung nicht auszuschließen, d.h.
wir sollten solche Bereiche meiden bzw. nach möglichen „Korridore“ Ausschau
halten, die auf Grund größerer Wassertief (= das kann der Seekarte entnommen
werden) u.U. frei von Brandung sind. Dabei sollten wir es uns bewusst machen,
dass ein Strandabschnitt ohne Brandung bei einem Windwechsel hin zum
auflandigen Wind plötzlich der Brandung ausgesetzt sein kann. Auch müssen wir
wissen, dass sogar bei Windstille Brandungsbedingungen herrschen können,
nämlich dann, wenn Dünung einläuft. Übrigens, bei Mitpaddlern mit
Brandungserfahrungen sollte ein erfahrener Kanute als erster anlanden
(„first in“) und seinen Mitpaddlern dann einem nach dem anderen beim Anlanden
helfen. Und umgekehrt: Beim Starten sollte ein erfahrener Kanute als letzter
starten („last out“), damit er zuvor den anderen beim Starten durch die
Brandung „Anschubhilfe“ leisten kann.
Befinden wir uns mit unserem Kajak mitten in diesem
„Explosionsbereich“, wissen wir nicht, ob wir nach links oder nach rechts
geschmissen werden. Wenn wir dann verpassen, rechtzeitig auf der richtigen
Seite zu stützen, ist eine Kenterung fast nicht mehr zu vermeiden.
Text: U.Beier
Quelle: Seewetter, hrsg. v.
Autorenteam des Seewetteramtes (2.Aufl. 2002), S.54ff. und S.232ff.