In OCEAN PADDLER wird in dem
Beitrag:
“To Afraid to Ask …. But I
Thought a Transit was a Van?“
wird erläutert, wie wir bei
seitlichem Strom bzw. Wind von A über eine freie Wasserfläche nach B kommen. Wo
ist das Problem? Wir paddeln einfach auf B zu! Drei Situationen sind dabei zu
berücksichtigen, wobei zwei davon uns Probleme bereiten:
Situation 1: Wenn es nicht strömt bzw. windet, oder wenn wir mit
Strom und Wind bzw. gegen Strom und Wind paddeln, gibt es für uns kein Problem:
Wir peilen B an und halten dann einfach auf B zu. Fertig!
Situation 2: Es strömt bzw. windet von links und lässt uns nach
rechts abtreiben, auch wenn wir stets auf B zu halten. Die Folge: Wir paddeln
eine Kurve (die sog. „Hundekurve“ links), statt auf dem geraden Weg
(sog. „Transit“-Weg) auf B zuzufahren. Diese Abdrift können wir selber
leicht beobachten, wenn die Landschaft hinter bzw. vor B strukturiert ist (z.B.
Häuser, Türme, Windmühlen, Bäume oder Felsen stehen hinter B bzw. Seezeichen,
Felsnadel im Wasser oder Schiff vor Anker stehen vor B). Steht nämlich hinter B
ein Haus (= ⌂
) und
befindet sich – wenn wir von A nach B schauen – direkt hinter dem Haus ein Turm
(=∆ ) merken wir bei einer Abdrift
(= Strom- bzw. Windversatz) nach rechts, dass der Turm hinter dem Haus
scheinbar nach rechts auswandert. Wenn wir aufmerksame Kanuten sein möchten,
die B auf dem direkten Weg erreichen wollen, achten wir bei der Querung ständig
darauf, dass der Turm hinter Haus stehen bleibt, quasi von ihm abgedeckt wird
(sog. „Deckpeilung“). Sowie der Turm nach rechts auswandert, weil die Strömung
bzw. der Wind uns nach rechts versetzt, korrigieren wir unseren Kurs sofort,
paddeln etwas gegen den Strom (quasi wie eine „Seilfähre“) bzw. Wind, damit
beide Peilmarken hintereinander aufgereiht bleiben. Wandert plötzlich der Turm
nach links aus, haben wir entweder (a) unseren Kurs zu stark nach links
korrigiert oder (b) es strömt nicht gleichmäßig stark, d.h. die Strömungsgeschwindigkeit
hat sich vermindert, da wir u.U. gerade eine Untiefe queren, die die Strömung
abbremst. Für unsere Kursnavigation spielt das jedoch keine Rolle; denn in
beiden Fällen müssen wir etwas schwächer nach links vorhalten.
Situation 3: Es strömt bzw. windet von rechts und lässt uns nach
links abtreiben, auch wenn wir stets auf B zuhalten. Wir merken das daran, dass
der Turm hinter dem Haus scheinbar nach links auswandert. Sobald wir das
merken, müssen wir unseren Kurs solange nach rechts korrigieren, bis wieder der
Turm hinterem Haus steht. Nach einigem Hin & Her haben wir schließlich
unseren Kurs gefunden, bei dem Haus und Turm in Deckung stehen.
D.h. bei seitlicher Strömung
bzw. Seitenwind dürfen wir nicht direkt auf unser Ziel zufahren, sondern müssen
vorhalten, und zwar so stark, wie Strom bzw. Wind uns abtreiben wollen. Wir
stark wir vorhalten müssen, hängt von der Stromstärke bzw. der Windstärke.
Beides zu kennen, ist interessant, aber – solange wir unser Ziel B vor Augen -
haben nicht wichtig. Wichtig ist allein das hinter B die beiden Peilmarken
(hier: Haus und Turm) in Deckung stehen bleiben.
Was machen wir aber nun,
wenn die Strömung (z.B. ab 6 km/h) bzw. der Wind uns so stark abtreiben lassen,
dass wir unser Ziel B nicht auf dem kürzesten Weg erreichen können, d.h. weil
der Turm hinter dem Haus einfach z.B. nach rechts auswandert, egal wie stark
wir vorhalten und wie schnell wir paddeln? Nun, zwei Fälle sind dabei zu
unterscheiden:
(1) Zu starke
Querströmung: Wir halten maximal 45° vor und nehmen in Kauf, dass wir
rechts etwas unterhalb von B (z.B. eine Inselbucht) ankommen. Haben wir die
Insel erreicht, paddeln wir dann gegen den – hoffentlich unter Land etwas
schwächeren – Strom hinauf zu unserem Ziel B. Unter Umständen müssen wir dann
unter Land mögliche Kehrwasser auszunutzen, um nicht ganz so stark gegen den
Strom anpaddeln zu müssen. Sollte die Strömung so stark sein, dass wir an der
angepeilt Insel vorbei driften, müssen wir mehr als 45° vorhalten bzw.
abwarten, bis es nicht mehr so stark strömt.
(2) Zu starker
Seitenwind: Wir könnten genauso fahren, wie was oben bei starker
Querströmung empfohlen wurde. Nur das vertrackte daran ist, dass es unter Land
meist nicht so stark strömt, aber auf Grund von Windeffekten stärker wehen
kann. Insofern müssen wir u.U. stärker als 45° vorhalten oder – falls wir dann
kaum noch Strecke paddeln – uns ein anderes Ziel suchen bzw. auf das Abflauen
des Windes warten.
Abb.: Abdriftkontrolle per
“Seilfähre”
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∆ ▒▒▒▒▒▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒▒
⌂ ▒▒▒▒▒▒▒ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑ ↑
↑ ↑ ≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈ θ ≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈ ▲ |
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∆ ▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒▒
⌂ ▒▒▒▒▒▒▒ → → → →
→ → → → → → → → → →
→ → → → → → → → → →
→ → → → → → ≈≈x≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈ θ ≈≈≈ x ◄ |
▒▒▒ ∆ ▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒▒ ▒▒▒▒▒▒▒
⌂ ▒▒▒▒▒▒▒▒ ← ← ← ←
← ← ← ← ← ← ← ← ← ←
← ← ← ← ← ← ← ← ← ←
← ← ← ← ← ← ≈≈≈≈ θ ≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈≈x≈≈≈ ► x |
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Situation 1: Strom/Wind von hinten = keine Abdrift = kein Vorhalten nötig, da ∆ und ⌂ sich decken! |
Situation 2: Strom/Wind von links = Abdrift nach rechts, = Vorhalten nach links ◄
bis ∆ und ⌂ sich decken! |
Situation 3: Strom/Wind von rechts = Abdrift nach links, = Vorhalten nach rechts ► bis ∆ und ⌂ sich decken! |
Erläuterungen:
⌂ = Haus; ∆ = Turm; θ = Kajak; ▒ =
Land;
→ / ← =
Strömungs-/Windrichtung = Abdrift; ç / è = Vorhalten bis Haus und Turm in
Deckung
Rückwärtige
Abdriftkontrolle bzw. Geschwindigkeitskontrolle: Übrigens, in dem Beitrag wird auch darauf
hingewiesen, dass wir die Abdriftkontrolle auch vornehmen können, wenn die Peilobjekte
hinter uns liegen, d.h. wir uns den Peilobjekten nicht näheren, sondern uns
von ihnen entfernen. Außerdem können wir die Abdriftkontrolle auch als
Geschwindigkeitskontrolle einsetzen. Sehen wir beim Paddeln gegen den Strom
bzw. mit dem Wind seitwärts von uns zwei Peilobjekte, die sich längere
Zeit decken, ist die Gegenströmung bzw. der Gegenwind ist so stark, dass wir
nicht vorankommen. Wandert jedoch das hinter Peilobjekt (hier: der Turm) am
Horizont mit uns mit (siehe die Grafik von Situation 2) machen wir
Fahrt.
Positionskontrolle: Schließlich wird die Abdriftkontrolle auch beim
Spielen in der Brandung empfohlen. Wenn wir uns beim Starten in die Brandung
die Lage zweier Peilobjekte zueinander merken, können wir später prüfen, wie
sich die beiden Peilobjekte zueinander verschoben haben und daraus ableiten,
wie weit wir in welche Richtung beim Surfen abgetrieben sind, wo wir uns etwa
auf der Seekarte befinden und wohin wir wie weit fahren müssen, um zum Startort
wieder zurückzukehren.
Quelle: OCEAN PADDLER, Nr.
12/08, S.52-53 – www.oceanpaddlermagazine.com