Im OCEAN PADDLER wird u.a.
über eine Kenterung an der Westküste Schottlands berichtet. Es ereignete sich
an einem Dezemberwochenende. Zwei Kanuten wollten einem anderen, der schon fast
40 Jahre nicht mehr im Kajak saß, mit auf eine kleine Spritztour hinüber zu
einer 2,5 km entfernten Insel nehmen. Leider war für ihn die Sitzluke des
geliehenen Seekajaks (ein Rockpool Alaw) ein wenig eng und der Neo passte auch
nicht so recht, aber die Wetterprognose sagte max. 2 Bft. voraus. Kein Grund
also zur Sorge!?
Irgendwann setzte ein 4er
Wind ein, der sich durch einen Tunneleffekt noch verstärkte. Der Seegang nahm
zu. Mit dem Wind ging es in Richtung Strand. Ca. 190 m vor dem Strand fingen
die Wellen an zu brechen. Das war zu viel für den Mitpaddler. Er kenterte und
stieg aus. Etwas orientierungslos und mit Atembeklemmungen, die wohl durch das
kalte Wasser ausgelöst wurden, tauchte er an der Wasseroberfläche auf. Ihm war
sofort kalt und seine Bewegungen waren nicht sehr koordiniert. Der V-Wiedereinstieg
fiel ihm sehr, sehr schwer. Irgendwie bekam er sein Hinterteil nicht in die
Sitzluke. Der nächste größere Brecher spülte ihn daher wieder vom Boot. Nun war
er völlig erschöpft und konnte sich nur noch am Kajak seines Mitpaddlers
festhalten, der versucht - mit dem „Kenterbruder“ im Schlepp -, mit aller Kraft
Richtung Strand zu paddeln. Exakte 7 Minuten nach der Kenterung landeten sie am
Strand an. Da der Strand keinen Windschutz bot, wurde ein Notzelt aufgebaut und
der „Kenterbruder“ mit trockener Bekleidung und warmer Brühe versorgt. Nach
einer halben Stunde war die Unterkühlung bekämpft. Der „Kenterbruder“ wurde zu
Fuß zur nächsten Fähre geschickt, während die beiden anderen Kanuten mit dem
dritten Kajak im Schlepp problemlos zurück zum Festland paddelten.
Na, warum haben eigentlich
immer nur die anderen Pech?
Quelle: OCEAN PADDLER, Nr.
12/08, S.42-44 – www.oceanpaddlermagazine.com