Im OCEAN PADDLER berichtet Nigel Dennis in dem Beitrag:
„Lessons
Learnt. Sea Kayaking Tragedy,
über den folgenden
Seenotfall, der sich am
Ein Kajakclub plante für
seine Mitglieder eine Sonntagsfahrt entlang „Holy Island“. Wegen des allzu heftigen
ablandigen Windes (5-6 Bft. in Böen bis 7 Bft.) wurde die Clubfahrt abgesagt. 5
Clubmitglieder taten sich jedoch zusammen und gingen trotzdem aufs Wasser. Ihr
Erfahrungsstand war recht gemischt, einige von ihnen waren noch recht
unerfahrene Seakayaker.
Nachdem sie eine halbe
Stunde Rettungstechniken übten, paddelten sie los … mit mehr oder weniger
geeigneten Kajaks. Zumindest die später verunglückte Kanutin paddelte wohl ein
Seekajak mit Skeg, welches aber nicht funktioniert haben sollte. Die Sicherheitsausrüstung
wurde bis auf 2 Schleppleinen im Auto zurückgelassen.
Geplant war, die Insel
südlich zu runden, um dann die Ostseite wieder hochzupaddeln. Ob ihnen das
gelungen wäre, sei dahingestellt; denn sie hätten nach der Rundung gegen Wind
& Strom paddeln müssen.
Zunächst paddelten sie im
Windschutz der Küste. Zwischendurch machten zwei „stärkere“ Kanuten eine kurze
Spritztour um eine kleinere Felseninsel herum, während die anderen drei im
Windschatten warten sollten. Als die beiden zurückkehrten, mussten sie jedoch
feststellen, dass die drei Mitpaddler von Tide & Wind aus dem Windschutz
getrieben wurden, wobei einer kenterte und dabei sein Paddel verlor. Bei der
folgenden Rettungsaktion trieben alle völlig aus dem Windschutz hinaus. Dem
„Kenterbruder“ gelang wohl der Wiedereinstieg, aber ohne Paddel musste er bei
dem vorherrschenden Seegang von einem anderen gestützt und dieses „Päckchen“
von dem stärksten Kanuten zurück an Land geschleppt werden. Auf Grund des
heftigen Windes und der zunehmend stärker werdenden Tidenströmung gelang es
vier von ihnen, erst 90 Minuten später an einem ca. 5 km vom Startort
entfernten Strand südwestlich von Anglesey anzulanden (ca.
Die fünfte Kanutin konnte
mit ihrem Seekajak und dem nicht funktionierenden Skeg weder das Tempo noch den
Kurs ihrer Mitpaddler halten. Sie fiel immer mehr zurück und ward nach einer
halben Stunde nicht mehr gesehen.
Warum keiner sie begleitete,
darüber gab es keine Erklärung. Infrage dafür gekommen wäre entweder der vierte
Kanute, der als einziger noch frei paddelte (wahrscheinlich kämpfte er aber
selber mit seinem Kajak und dem Seegang) oder jener Kanute, der den
„Kenterbruder“ im „Päckchen“ stützte. Dann hätte halt der vierte Kanute das
Stützen des „Kenterbruders“ übernehmen können. Auch wurde nicht erklärt, warum
nicht gleich zu Anfang, als jeder sah, dass die fünfte Kanutin nicht mithalten
konnte, diese Kanutin ins „Päckchen“ „abkommandiert“ wurde, und welche Rolle
der zweite „starke“ Kanute übernahm.
Anscheinend war der erste
„starke“ Kanute ganz mit dem Schleppen von zwei seiner Miitpaddler beschäftigt
und von der Angst gezeichnet, ja nicht weiter hinaus in die offene See
getrieben zu werden, und der vierte Kanute damit, bei der Schleppgemeinschaft
zu bleiben.
Als alle vier Kanuten
schließlich die - die ganze Zeit dicht vor sich liegende - Küste erreichten,
war wohl keinem von ihnen bewusst, dass der seit einer Stunde nicht mehr
gesehenen Kanutin etwas passiert sein könnte. Sie nahmen wohl 25 Minuten (ca.
Das Kajak der fünften
Kanutin wurde später ca. 30 km entfernt an die Küste getrieben. Die Kanutin
selber ist seitdem verschollen.
In der anschließenden
Beurteilung dieses Seenotfalls führt Nigel
Dennis die verschiedensten Punkte an, die die unterschiedlichen
Küstenerfahrungen der Kanuten, die unvollkommenen Führungsqualitäten der
„stärkeren“ Kanuten, die nicht immer seetüchtige Ausrüstung und die fehlende
Notfallausrüstung betreffen. Knackpunkte waren wohl:
Es ist mir unverständlich,
dass:
(1.) die Coastguard bei den vorherrschenden
Gewässerschwierigkeiten nicht hinterfragt hatte, was die Kanuten eigentlich
vorgehabt hatten und warum sie denn so sicher seien, dass die fünfte Kanutin
irgendwoanders angelandet sei. Ein paar solcher Fragen hätten genügt, um zu
erkennen, dass es sich hier um Kanuten handelte, die nur über wenig
Küstenerfahrungen verfügten und kaum etwas über das Leistungsvermögen der einzelnen
Mitpaddler wussten.
(2.) die Coastguard
nach dem um
Trotz alldem sollte nicht
unerwähnt bleiben, dass der Kanute, der das Päckchen mindestens 90 Minuten lang
Richtung Strand schleppte, obwohl es kräftig wehte, wellte und strömte, harte
Paddelarbeit geleistet hat und damit zeigte, dass er etwas vom Paddeln
verstand. Aber bei Küstentouren reicht Kraft und Paddeltechnik allein nicht
aus, zumindest nicht, um eine Gruppe sicher zurück an Land zu bringen.
Nigel Dennis
geht in seiner Kritik dabei so weit, dass er meint, dass solche Fahrten typisch
für Fahrten von Clubkameraden seien: Alle Mitpaddler sind hoch motiviert, aber
selten ist einer so kompetent, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten.
In seiner Kritik geht er so weit, dass er sogar für kleinere Gruppen fordert,
dass sie mindestens von zwei „Leader“ (Fahrtenleitern) geführt wird. Für diesen
Seenotfall vor „Holy Island“ mag er Recht haben; denn der erste Fahrtenleiter
hätte sich um den Schleppverband kümmern können und der zweite um die immer
mehr zurückfallende Kanutin. Aber was hätten diese beiden Fahrtenleiter
gemacht, wenn alle vier Mitpaddler in Schwierigkeiten geraten wären und jeder
diese Schwierigkeiten nur hätte überwinden können, wenn ihnen jeweils zwei
starke Kanuten zur Seite gestanden hätten. Insofern sorgen auch bei kleineren
Gruppen zwei Fahrtenleiter nicht für entscheidend mehr Sicherheit, wenn die
einzelnen Mitpaddler der Gewässerschwierigkeit nicht mehr gewachsen sind. Der
Vorteil von zwei Fahrtenleitern besteht allein darin, dass sie u.U. eher über
den Sachverstand verfügen zu erkennen, dass die Mitpaddler von den
Gewässerbedingungen überfordert werden könnten, und über die Autorität, den
Mitpaddlern klar zu machen, dass sie bei dem Wetter und der Tide nichts auf dem
Wasser zu suchen haben, wenn sie nicht ihr Leben riskieren wollen.
Text: U.Beier
Quelle: OCEAN PADDLER, Nr.
25/11, S.32-35
Link zum Nachlesen: http://oceanpaddlermagazine.com/3D-Issues/OP25-3D/