Im KAJAK-MAGAZIN stellt Björn Nehrhoff von Holderberg in dem
Beitrag:
„Wiedereinstieg auf offenem Gewässer – Solo“
drei Rettungsmethoden in
Wort & Bild vor:
Der Beitrag ist lesenswert.
Dank der vielen Fotos und der knappen, aber präzisen Beschreibung des Ablaufs
dieser Rettungsmethoden, weiß man eigentlich nachher, worauf es ankommt und was
diese Methoden leisten können. Auch wird es dem Leser deutlich gemacht, dass
die Beherrschung dieser Rettungsmethoden ihn nicht dazu veranlassen sollte, auf
eine vorausschauende Tourenplanung (Wind, Wellen, Strömung; Revier), eine
kenterverhütende Paddeltechnik (flach und hohe Paddelstütze) und auf die
Vervollkommnung der Eskimorolle zu verzichten. Schließlich wird deutlich darauf
hingewiesen, dass sowohl der „Cowboy“- als auch der
„Paddelfloat“-Wiedereinstieg i.d.R. nur bei Bedingungen klappt, bei denen man
eigentlich nicht kentert, nämlich wenn wenig Seegang herrscht.
Ich vermisse jedoch
Anmerkungen darüber, wie man das mit dem Paddelfloat ausgerüstete Paddel auf
dem Heck des Seekajaks fest hält bzw. befestigt.
Außerdem: In Anbetracht
dessen, dass auch bei Seekajaks der Trend einsetzt, immer längere Sitzluken mit
immer höheren Rückengurten/-lehnen anzubieten, fehlen jedoch die folgenden
Hinweise, die man beim Wiedereinstieg Ernst nehmen sollte:
Auch versäumt es der Autor,
deutlich auf die Probleme hinzuweisen, die ein „Kenterbruder“ nach
Anwendung des „Paddelfloat“-Wiedereinstiegs haben könnte. Denn es ist ja
nicht damit getan, nach einer Kenterung mit Ausstieg endlich wieder in der
Sitzluke seines Kajaks zu sitzen. Gilt es doch nun, mit Folgendem zu „kämpfen“:
(a)
eine Fußlenzpumpe ist einfach nicht leistungsfähig genug (das sollte
jeder wissen, auch wenn sie bei Solo-Touren fast die einzige Alternative ist);
(b)
die Schenkellenzpumpe erschwert erheblich den Wiedereinstieg, da sie das
Einfädeln der Beine in die Sitzluke behindern kann; und
(c)
die tragbare Handlenzpumpe, nun, die ist eigentlich nur besser als gar
nichts; denn
(1.)
kann man sie schon während einer Kenterung verlieren, spätestens aber beim
erneuten Kentern während des Lenzen (sie sollte daher immer mit einer
Elastikleine am Seekajak befestigt sein);
(2.)
außerdem erhöht sich beim Hervorholen der Handpumpe oder beim Pumpen mit beiden
Händen oder beim anschließenden Verstauen die Kentergefahr;
(3.)
schließlich ist ein effizientes Pumpen eigentlich nur möglich, wenn man über
eine – darauf weist jedoch der Autor mit 2 Fotos und kurzem Begleittext hin –
Spritzdecke verfügt, die mit einer extra Luke auf dem Spritzdeckenteller
ausgerüstet ist.
Übrigens, mit diesen drei
Problemen wird nicht der Küstenkanuwanderer konfrontiert, dem es
gelungen ist, seine Rolle zu perfektionieren (sog. „Bombproof-Roller“).
Der „Reentry & Roller“ hat jedoch auf alle Fälle mit der
mangelhaften Anfangsstabilität seines gefluteten Seekajaks und dem Lenzen der
Sitzluke zu kämpfen. Zwei Quasi-Lösungen gibt es dafür, die in dem Beitrag
jedoch nicht angesprochen werden:
Der „Reentry & Paddlefloat-Roller“, d.h. jener, der die Rolle noch
nicht 100%ig beherrscht und deshalb das Paddelfloat einsetzt, um nach dem
Unterwassereinstieg wieder sicherer hochzurollen, wird mit allen drei Problemen
(Kippligkeit, Lenzen, Verstauen des Paddelfloats) zu kämpfen haben. Dennoch ist
er gegenüber dem traditionellen „Paddelfloater“
im Vorteil; denn er braucht „nur“ mit dem Paddelfloat am Paddelblatt
hochzurollen, die ansonsten üblichen Kletter- & Balanceaktionen entfallen
jedoch.
Ja, in Anbetracht der
Probleme, mit denen der „Cowboy“, „Paddelfloater“ bzw. „Reentry &
(Paddlefloat)-Roller“ nach einer Kenterung bei kritischem Seegang zu rechnen
hat, kann ich eigentlich nur eines empfehlen, nämlich nicht solo hinaus aufs
Meer zu paddeln, bzw. nur dann auf den Schutz einer Gruppe zu verzichten, wenn
es einem nach einer Kenterung möglich ist, mit seinem Seekajak innerhalb
kürzester Zeit das sichere Ufer zu erreichen.
Text: U.Beier
Quelle:
KAJAK-MAGAZIN, Nr. 6/11, S.58-60 – www.kajak-magazin.com
Link:
www.seakayakermag.com/2011/June11/Schumann.htm
www.seakayakermag.com/Resources/links.htm