11.11.2005 Das Seekajak, ein schier unfassbares Faszinosum (Ausrüstung)
Im SEEKAJAKFORUM.de wurde im November in einem Thread ausgiebig
die folgende Frage diskutiert:
"Wann ist ein Kajak ein
Seekajak?"
Ich skizzierte dort rückgreifend auf ein
paar diskutablen Thesen von Ulf
Böckenholt über die Küstentauglichkeit des „Touryak“ ein paar
Antwortmöglichkeiten (hier: Formeigenschaften vs. Gebrauchseigenschaften) und
was passiert? Obwohl wir meinen könnten, dass jeder Kanute auf Anhieb in der
Lage ist, aus einer beliebigen Anzahl von Kajaks die Seekajaks zu identifizieren,
und zwar auch mit verbundenen Augen, machte es sich das Gros der Poster nicht
so einfach. Vielmehr versuchten sie aus den verschiedensten Blickwinkeln zu
erklären, auf was es bei der Definition eines Seekajaks ankommt.
Ich habe in der folgenden Nacherzählung
eines Traums mal die meisten Diskussionsbeiträge auf insgesamt über 20 Punkte
kondensiert und anschließend szenisch aufbereitet. Ich danke den folgenden Postern des SEEKAJAKFORUMS.de für die
vielfältigen konstruktive Anregungen zu diesem Traum-Thema, und zwar
insbesondere: a., Axel Kalb, Dietmar Seidel,
Eckehard Schirmer, Eule, Frank F., Freya, gerd, Jochen G., Mark Z., Olaf G., Paul aus Bern, S.
Kopetsch, Seeloewe, Thorsten Ewers, Ulf Böckenholt, Ursula, Volker (N) und Werner aus Schaffhausen, aber auch Wolfgang Half und Tomas
Meier. Die Poster, die sich falsch von mir dargestellt oder gar
„verwurstet“ fühlen, mögen wir verzeihen. Ich
denke aber, dass in meinen szenischen Ausführungen die meisten von ihnen besser
wegkommen als ich selber.
Natürlich wird der Eindruck der Leser
dieses Beitrages sein, dass die Äußerungen der einzelnen Poster durch eine
allzu „kakaohaltige“ Flüssigkeit gezogen werden. Aber wer genau hinschaut und
sich auf die auf den Punkt gebrachten Aussagen konzentriert, wird zu recht feststellen, dass es schwerer ist zu
definieren, was ein Seekajak ausmacht, als zu zeigen, welches der vor einem
liegenden Kajaks den Seekajaks zuzuordnen ist.
Mein Traum – eine
Szene in über 20 Akten
Ich träume, dass vor mir am Bootssteg
meines „Alster Canoe Club“ (ACC-Hamburg) ein paar Kajaks liegen, ordentlich
nebeneinander aufgereiht und exakt nach der Größe sortiert, und zwar ein
Wildwasserkajak, ein Flusswanderkajak, ein Faltboot, ein „Hybridkajak“ und so
ein langes Ding mit viel Gerödel auf dem Oberdeck.
Neben mir steht eine Gruppe www-bekannter
Seekajakfahrer. Auf meine Frage: "Welches der vier Kajaks hier ist ein
Seekajak?" ertönt zunächst
einmal lautes, anhaltendes Gelächter, dann ein kaum zu verstehendes Gemurmel
& Geraune: „Mensch Udo, was bezweckst du mit dieser Frage!“ – „Aber bitte
nicht wieder diese Leier mit der Seetüchtigkeit!“ – „Richtig, der sucht doch
bloß 10 Punkte und wir sollen sie ihm liefern!“ – „Nö, dafür lass ich mich
nicht einbinden, nö!“ – „Herr Beier, damit das mal klar ist, dir brauchen wir
hier überhaupt nicht zu antworten!“ – „Mich interessiert eigentlich mehr die
Frage: Wie inuitiere ich ein Seekajak?“ - „Ohne meinen Ausbildungsleiter sage
ich nichts!“ – „Diese Frage hier ist ausgelutscht und hochgradig provokativ!“ –
„Eine Antwort dazu kann nur im Rahmen einer Bandbreite – mit Unschärferelation
– umrissen werden!“ „An was für ein Seekajak denkt er eigentlich dabei, an ein
08/15-Seekajak, ein echtes Seekajak, ein reinrassiges Seekajak oder das „gute“
Seekajak?“ – „… oder an ein nordfriesisches, skandinavisches, schwyzer,
britisches, pazifisches Sea Kayak oder gar an ein süd-west-grönländisches
Qajaq?“
Ein erster Kanute meldet sich deutlich zu
Wort: „Nur eine Frage zur Relevanz. Habt ihr schon mal davon gehört, dass einer
zum Händler geht, ein Seekajak kaufen möchte und mit einem Polo-Boot vom Hof
zieht?!“ – (Gelächter) – „Vielleicht war’s ein Schnäppchen?“ – „Worauf willst
du hinaus? Ich wollte mir mal einen CREEKER kaufen und habe mit’m Kuppelzelt
den Laden verlassen!“
Ein anderer empört sich spontan, spricht
von "Blödsinn“ und fragt mich direkt:
·
„Ist es dir bewusst, dass du mit
dieser Frage den vorhanden Weiterentwicklungsbedarf bei Seekajaks
unterbindest?“
(Das Gelächter verstummt, Stirnerunzeln,
Schweigen, vereinzeltes Kopfnicken und –schütteln.)
Endlich, einer versucht pragmatisch an die
Frage heranzugehen und stellt Folgendes zur Diskussion:
·
„Ein Seekajak ist für mich ein
Kajak, mit dem ich – (beinah) egal was kommt – immer die Möglichkeit zur
sicheren Rückkehr habe!“
„Meint der nun mit „ich“ jeden
Küstenkanuwanderer und auch jede Küstenkanuwanderin … und gilt das ebenfalls
noch bei einem 5er Salzwasserschwierigkeitsgrad?“ wird noch etwas zögerlich
hinterfragt.
Nun, der Damm ist gebrochen. Die nächste
These wird in die Expertenrunde geschmissen:
·
„Allein auf die Form kommt es doch
an!“
Alle stimmen zu und fuchteln erregt mit
ihren Armen durch die Luft, als ob sie die Form einer Frau demonstrieren
wollten, die ohne Probleme die Sitzluke des KODIAKs ausfüllen könnte. –
„Bootsformbehaftete Schwachpunkte lassen sich nicht durch simples Nachrüsten
von Ausrüstung mal ebenso aus der Welt schaffen.“ - „Sic!“ – „Das Seekajak
definiert sich nicht über seine Ausstattung, sondern über seine Schale.“ –
Protest: „Das allermeiste ist doch schlicht Mode!“
·
„Das Einbeziehen von
Ausrüstungsgegenständen aber verkompliziert die Definition nur unnötig!“
(Bravorufe) - „… außerdem macht Ausrüstung
ein Kajak so schwer.“ – „Richtig, leicht läuft leicht!“ – „…. und Rundspant
rennt …“ – „ …. Kielsprung kurvt …“ „… Breite bremst ….“ – (immer
unverständlicher werdende Zwischenrufe)
"Nein, nein, die Konstruktionsarbeit
ist entscheidend", wirft plötzlich einer in die Waagschale.
·
"Es ist allein relevant, welche
Eigenschaften der Konstrukteur dem Kajak zuordnet."
(Gemurmel) - „Das hier vor uns ist z.B. ein
britisches Kajak!“ – (Staunen) - "… und das hier ein Kajak von Prijon!"
– (Schulterzucken) - "Dann kann es kein Seekajak sein." - (allgemeine
Zustimmung) - "Im Prospekt steht aber, dass der Konstrukteur es für die
See gebaut hat." - "Laut deiner Definition ist es dann ein
Seekajak", rief einer dazwischen. (Lachen und Schmunzeln) - Der Einwand:
"Welcher See ist dabei eigentlich gemeint", ging im Lärm unter.
Aus dem Hintergrund ist - zunächst leise,
dann immer lauter werdend – zu hören: "Wem gehören eigentlich die Kajaks
hier? Ich muss die Besitzer kennen; denn:
·
„Kajak und Kanute bilden eine
Einheit!
Ohne zu wissen, wer diese Kajaks hier
paddelt, sage ich nichts mehr!" - "Genau,“ ruft ein anderer. „Das
dort ist doch Udos Kajak", meint einer. - "Na, dann muss das ein
Seekajak sein!?“- „Nun mal langsam!“ unterbreche ich abrupt, „das dort ist ein
Wildwasserkajak, mir aber gehört das Flusswanderboot hier links – eine echtes
MEIER-Boot übrigens. Mit dem bin ich in den 80ern tausende von Kilometern auf
der Ostsee gepaddelt.“ – „Dann ist es zumindest ein Ostseeseekajak,“ ertönt es
irgendwo aus dem Untergrund. . „…. aber immer schön die Küste entlang, nicht
wahr?“ – „Okay, dann eben ein Ostseeküstenseekajak!“
„Was hast du denn gegen Wildwasserkajaks?“
meint plötzlich einer, „die sind doch brandungstüchtiger als jedes dieser
Dingsdas!!“ (Dabei breitet der Zwischenrufer seine Arme weit auseinander und
deutete etwas an, was wohl PRIJON als Schnittmuster für seinen YUKON E hätte
dienen können.)
·
„Ein Seekajak muss in erster Linie
brandungstüchtig sein!
Das ist das Stichwort für meinen Einsatz:
„Die Brandung ist das Nadelöhr. Wer nicht da durch kommt, sollte nicht aufs
Meer gehen.“ – Zwischenbemerkungen: „Meinst du Gehen im wörtlichen Sinn oder im
übertragenen Sinn, also Paddeln?“ – „… Küstenkanuwandern?“ - (Allgemein
aufkommende Freude, zunehmende Konzentrationsprobleme). „Ist ein Küstenkanuwanderkanu
ein Seekajak?“ – „Echt geil, unser Speaker kann über’s Wasser gehen!“ –„Bitte
bleibe beim Thema! …. äh, bleibe lieber in deinem Kajak sitzen, du kannst doch
noch nicht einmal inuitieren!?“
„Denkt an die Kompatibilität!“ erklingt es
plötzlich unüberhörbar aus dem Hintergrund. - „Jawohl, Aufwärts- versus
Abwärtskompatibilität das ist hier die Frage aller Fragen!“ - (absolute Stille)
·
„Ein Seekajak zeichnet sich dadurch
aus, dass es abwärtskompatibel ist …“
(verbreitete Ratlosigkeit) – „… z.B. hat
man früher mit Falt-Eskis manch einen Alpenbach erstbefahren. Mit einem
Wildwasserkajak ist aber noch niemand nach Helgoland gepaddelt! Es ist daher
nur bedingt aufwärtskompatibel“ - (Pause) – „Aber ZÖLZER ist doch mit einem
TOPOLINO schon bis nach Spiekeroog gekommen.“ - (Unruhe) – „Nein, nein, den
TOPO hat er nur als Anhänger benutzt.“ – Impulsiver Einwand: „…. um seine
komplette seetüchtige Ausrüstung stets dabei zu haben?“ – (energischer
Widerspruch) – „Nein, nein, nein. Ein Seekajak ist dadurch charakterisiert,
dass es inkompatibel ist!“ - (?????) – „Ein Seekajak wird allein für den Zweck
gebaut, auf dem Meer (Zwischenrufe: „auch Steinhudermeer? …. Totes Meer?
…Zwischen@#*€&€€§?“) gefahren zu werden.
·
„Je weniger ein Kajak für
untergeordnete Gewässer geeignet ist, desto eher ist es ein Seekajak.“
„Amen!“ (allgemeine Denkpause) – „Moment
mal, gibt es auch etwas, was dem Meer übergeordnet ist?“ – „Natürlich ….! ….
Eis!“ – (erneute Ratlosigkeit) – „Na toll, dann ist ja der YUKON EXPEDITION
einem jedem Seekajak sowohl unter- als auch übergeordnet!“ – „Mach’ mal ’nen
Punkt!“ – „Doch, der YUKON EXPEDITION ist das einzige Kajak mit dem manche mehr
über’s Eis gezogen als durchs Wasser gepaddelt sind.“ (Jubelruf)
Mit „Wie wäre es mit:
·
„Das ideale Seekajak muss vor allem
unaufdringlich sein und eine unmittelbare Erfahrung der Umwelt ermöglichen und
flexibel auf äußere Einflüsse reagieren!“
macht sich ein weiterer Experte bemerkbar.
– „Dann könnte aber ein hochvolumiges Kajak nie ein Seekajak sein!?“ – „Wie
sollte es auch!? Kajaks mit über 400 Liter sind doch Ausflugsdampfer und keine
…“ – „Hört, hört! Jetzt wird es spannend.“ – „Zwischenfrage: Was meinst du mit
‚flexibel auf äußere Einflüsse reagieren’?“ – Zwischenrufe: „… denkst du da
z.B. an ein ausfahrbares Paddlefloat?“ „…. ich denke da nur an ZÖLZER!“ „… mir
fällt da spontan ein Verdeck gegen Regen ein! Wie siehst du das Ulf?“- (Spot
an!) - „Auf die Idee kann nur ein Cabrio-Fahrer
kommen!“
Neben mir startet jemand den nächsten
Definitionsversuch und konstatiert:
·
„Ein Kajak ist ein Seekajak, wenn es
auf See den Bedürfnissen erfahrener Paddler entspricht, und diese sich darüber
einig sind, dass dem so ist!“
„Erspart dem Seekajak solch endgültige
Definitionen! Wir sind doch kein DIN-Ausschuss!“ - „Überhaupt, wann sind sich
echte Seakayaker schon mal einig und was verstehst du unter einem solchen?“ –
„Na klar, das ist ein alter Seebär – gezeugt vor’m Deich, geboren auf’m Deich,
aufgewachsen hinter’m Deich, mindestens 1x im Jahr nach Helgoland (erläuternde
Zwischenbemerkung: „… aber nicht mit dem Dampfer zurück.“ „…. und im Dunkeln
hin.“ „Alle aufgepasst, dann werden wir ab sofort nicht mehr gefragt!?“ ) und
2x in Grönland! groß, stark, Arme länger als die Beine, salzverkrustete Haut,
aufgesprungene Lippen, 1 cm Schwielen an jedem Finger, 2 cm an der
Daumeninnenseite … nein am Hintern und 110 kg schwer,“ frotzeln einige. –
„Bitte definiert erst einmal das Seekajak, bevor ihr euch an den Seekajakfahrer
herantastet!“ rief ich zur Ordnung auf.
„Oi, ’tschuldigt mal, darf ich auch mal
etwas sagen und euch mal am Beispiel meines Fahrrads mal sagen, warum es immer
mal wieder so schwierig ist zu sagen, was ein Seekajak mal ist?“ fragt einer
etwas unsicher und „hinkt“, ohne auf eine Antwort zu warten, los …. Obwohl er
am Ende seines Ausflugs hinüber zu einer anderen Disziplin mit EOD
signalisiert, dass damit alles gesagt sei und nun auch die Diskussion hier
beendet werden könne, ertönt aus dem Kreis der Disputanten laut & deutlich
vernehmbar: „Hergehört, ich habe wohl bislang nicht zugehört, was ihr alles so
schon vorgeschlagen habt, aber bitte schenkt wenigstens mir für ein paar
Sekunden eure ganze Aufmerksamkeit. Ich schlage folgende Definition vor:
·
„Ein Kajak ist ein Seekajak, wenn
jeder Designaspekt des Kajaks auf den Verwendungszweck zum Paddeln auf See
abzielt!“
„Kann ein Seekajak mit Steuer dann auch
noch ein Seekajak sein?“ fragt jemand dazwischen. „Nur dann, wenn das
Steuerblatt nicht rostet!“ wird prompt erläutert. – „– „Bootsformbehaftete Schwachpunkte
lassen sich nicht durch simples Nachrüsten eines Steuers mal ebenso aus der
Welt schaffen.“ insistiert ein Zwischenrufer. - „Und was ist, wenn das Kartendeck
nicht plan ist und das vordere der drei Kartenhaltegummis nicht dicker ist, als
die hinteren beiden und …“ „Dann kann das nie ein Seekajak sein,“ pruste ich
heraus. „… außerdem muss es gelb sein.“ – (Protestrufe) - „Nur black is
beautiful!“ – „UNO-Blau wird aber am besten gesehen, stand mal im SEA KAYAKER!?
·
„Es kommt allein auf die Länge an!“
trumpft ein anderer auf; „denn Länge
läuft!“ – „Zwischen 500 und 550 cm sollte sie liegen!“ - „Sehr richtig“, meint
ein bekannter Hamburger Kajakbauer, der zufällig des Weges kommt, stehen bleibt
und sich von der Diskussion ein paar Tipps für seine praktische Arbeit erhofft,
„vergesst bitte nicht, dass die herrschsüchtige Meinung die Ansicht vertritt,
dass ein Seekajak allein über die Länge definiert wird, und zwar die Länge der
Leinen, die auf dem Oberdeck installiert sind.“ (Staunen, ob dieses faustformelhaften
Definitionsversuchs). - „Wow, …. bitte wiederhole es noch mal, das muss ich mir
aufschreiben!“ – „Besteht da eigentlich eine signifikante Korrelation zur
Bootslänge?“ wirft noch einer schnell in die Runde. – „Vergiss es, allein auf
die effektive Wasserlinienlänge kommt es an!“ – „Nein, auf den prismatischen
Koeffizienten!“ – „Ich sage nur Rumpfgeschwindigkeit.“ – „Meinst du: 4,5 mal
Wurzel aus Länge hoch Zwei?“ – „Nein, hoch Eins.“ – (vereinzelte Hochrufe) – Ob
dieser monokausalen Definitionsauslegung fragt einer enttäuscht in die Runde:
„Leute, nicht jede Länge ist akzeptabel! Ich sage nur benetzte Wasserfläche!
Denkt an den SPITZBERGEN! … und was ist mit der Breite: so um die 55 cm, mit
dem Kielsprung: nicht zu dolle, dem Steuer, … Volumen: denkt die
Windanfälligkeit …?“
„Nein, nein,“ ruft ein erst spät in den
Kreis der Diskutierenden Vorgestoßener:
·
„Ein Seekajak ist ein bis auf eine
Sitzluke vollständig geschlossenes Wasserfahrzeug, welches von einer in dieser
Luke aufrecht sitzenden Person mittels eines Eskimopaddels angetrieben und
gesteuert wird.“
“… und wo bleibt
die Abschottung?“ – „Indeed, two sharp ends, three bulkheads and one hole in
the middle! Genial aber simpel
zugleich,“ redet einer dazwischen, „du meinst also, dass ein Kajak nicht über
das Euro-Paddel, sondern erst über das Eski-Paddel zum Seekajak wird?“ – „… und
mit zwei Sitzluken wird ein Seekajak wieder zum gemeinen Kajak?“ – „Lieber
Freund, du bist inzwischen von der Entwicklung überrollt. Es gibt nämlich auch
Seekajaks, die ein vollständig geschlossener Hohlkörper sind, auf denen man sitzt!“
– (Zwischenbemerkung: „… wenn frau drauf sitzt, ist das dann kein Seekajak
mehr?“) – „Bitte, seid nicht so pingelig, SIT-ON-TOPs stellen die Ausnahme da,
die die Regel bestätigen.“ – „Trotzdem, mit der Sitzluke liegt er goldrichtig,
aber im Sinne von:
·
„Vergesst nicht das Cockpitvolumen.
Je mehr Wasser in die Sitzluke passt, desto weniger Seekajak ist draußen
herum.“
„… von wegen des Pendelwasssereffektes!“ ruft ein Kanute, der mit seinem
Kanadier gerade auf der Alster vorbei paddelt, den laut gestikulierenden
Kombattanten herüber. - „Bitte nicht jetzt verzetteln!“ bemerkt einer. Fast
alle können dem nur zustimmen, wohl wissend, dass wenn es konkret wird, wird es
kompliziert, und wenn es kompliziert wird, kann kaum noch einer mitreden.
„Kameraden, seid doch mal ehrlich,“ ertönt es plötzlich aus einer unbekannten
Stimme, „simple is beautiful! Eigentlich reicht doch als Kriterium für ein
Seekajak aus:
·
„SCHWIMMT … GEHT
NICHT UNTER … LÖST SICH NICHT AUF … MAN KANN SICH REINSETZEN!?!?“
..…..
„Yeaaahhh!“, nur mit diesem Aufschrei kann
sich ein bislang noch nicht zu Wort gemeldeter Argumentator Gehör verschaffen.
„Wir wollen es uns doch nicht so kompliziert machen, oder?“ fragt er in die
Runde. „Für die Definition, was ein Seekajak ist, genügt es, sich auf einen
einzigen Designaspekt zu konzentrieren.“ - (Interesse bekundendes Schweigen) –
„Welches?“ – „Na komm’, raus mit der Sprache!“ – „Aber bitte nicht die fest
eingebaute Schwengellenzpumpe mit doppelgängigem Rückschluckschlauchventil!?“ –
„Nun, ich will es euch sagen: Der B U G!“ – (klammheimlich Zustimmung) – „Die Bugform ist tatsächlich das – im
wahrsten Sinne des Wortes – hervorspringende, augenscheinliche Merkmal des Seekajaks.
- (jubilierender Zwischenruf: „Wohlwahr, ein bugformbehafteter Schwachpunkt
kann nicht durch simples Nachrüsten von Ausrüstung mal ebenso aus der Welt
geschaffen werden!“) - Ich möchte daher folgende wunderschöne Definition des
Seekajaks hier in die Menge werfen:
·
„Ein Seekajak ist ein hinsichtlich der
Bugform auf die vorherrschenden Gewässerbedingungen der See optimiertes Großwild-
… äh … Großgewässer-Kajak.“
„Siehst du eigentlich zwischen
Großgewässerkajak und Open-Water-Kayak gewisse Parallilitäten? “(paralysierende
Denkpause … dann plötzlich vereinzelte Zwischenrufe wie: „Wow“, „Das ist es!“,
„Je steiler, desto geiler!“, „Vorne hui und hinten …?, „… pfui!“ – „… ich finde
nichts sexier als ein wohlproportioniertes Seekajak mit schlankem Bug, ein
Phallussymbol par excellence, offen zu Wasser und zu Land zur Schau getragen!“
– „Das sollte mal im Nicorelli-Kalender festgehalten werden.“ - „Dann mal
Tschüss, du hast deine Unschuld verloren, du kannst gehen!“ – „Jetzt begreif’
ich auch, warum die 4-teilige Seekajaks präferiert … dann hat sie ihr Symbol
immer zur Hand.“ – „Fünf Euro in die Machokasse!“ …. (ausklingendes Gelästere,
das wohl einfach sein muss, wenn eine Frau bei solch einem Thema meint,
mitreden zu können?!?) – „In der Tat, dann kann endlich jedes Kind ein Seekajak
mit verbunden Augen erkennen ..“ – „… und meine Oma auch, und zwar mit dem
Krückstock!“ – „Da werden sich aber die Tommies freuen!“ – „Ich sehe schon
NANUK den Bären tanzen.“ „Hoffentlich hört hier PRIJON zu. Er zieht dem TOURYAK
einfach seine Nase etwas länger & höher und schon ist es ein Seakayak!?“ „…
ein SEAYAK!“ – „…. zumindest ein Open-Water-Kayak, aber nie ein
Off-Shore-Kayak?!“– „Leute, seid doch nicht zu buglastig. Wo ordne ich dann
meinen OLAND ein?“ stöhne ich. – „Vorne pfui, aber hinten hui.“ wirft einer
dazwischen und denkt wohl dabei an die integrierte Steueranlage der PIETSCH
& HANSEN-Boote.
„Gestattet Ihr, dass ich mal zusammenfasse?“
meldet sich ein Clubgast zu Wort, der als waschechter Binnenländer für ein paar
Tage in Hamburg weilt, um etwas Seeluft zu schnuppern. Sagt es und reicht mir
eine Notiz, die auf einem Zettel gekritzelt ist, der aussah, als ob er mal
Bestandteil eines DKV-Fahrtenbuchs war:
·
„Ein Seekajak ist ein von der Bauform
der Inuit- oder Aleutenqajaqs weiterentwickeltes Kajak, welches von mindestens
einer Person mit Doppelpaddel angetrieben wird und dessen Design,
Materialzusammensetzung und Zusatzausrüstung so beschaffen ist, dass es den aus
dem jeweiligen Verwendungszweck erwachsenden seemännischen Anforderungen an
Seetüchtigkeit ausreichend genügt.“
(Vereinzelte Bravorufe). „Adieu, wir haben
unsere Schuldigkeit getan, auch wir können jetzt gehen!“ - Aus der letzten
Reihe ertönt ein: „Das sage ich schon immer.“ – „Vielleicht hast du das
gedacht, …….“ (Zwischenruf: „Geträumt hat er’s!“) „…. ich hab’s aber nie
gehört.“ – „Udo, dass mit der Seetüchtigkeit, das hast du aber klammheimlich
hineininterpretiert!?“ – „Ja, und was versteht er unter „weiterentwickeln?“ –
„Verbessern oder Verschlimmbessern?“ – „Kann eigentlich ein Kajakbauer ein
Seekajak bauen, der noch nie in einem westgrönländisches Qajaq gesessen hat?“ –
„Hier im Club gibt’s doch einen Zuckersackbauer, der soll über 23 verschiedene
Inuit-, Aleut-, Labrador-, Hudson-Bay- bzw. Kamtschatka-Qajaqs gebaut haben … „
(Zwischenruf: „Ist das nicht Jens Kreyser?“) „….wenn ich die mal richtig durchmische,
dann kann jedes Kajak als eine Weiterentwicklung der Qajaqs angesehen werden!“
– „In der Tat, da gibt es das
KORJAKEN-Qajaq, es ist so um die zweieinundachtzig lang und fünfundsiebzig
breit ….“ (Randbemerkung: „Geil, das ist doch die Mutter aller TOPOLINOs?“) „…
musste aber mit knapp einem Zentner Steinballast gepaddelt werden. … (Spott an:
„… oder einem 50-Liter-Fässchen!?“ - „Spirits last, Safety first!“ – „Ja, das
entspricht doch der kompletten Sicherheitsausrüstung, die die SaU vorschreibt!“
– „Die kommt doch nur auf sechsundzwanzig Kilo, der DkvaU bringt’s immerhin auf
zweiunddreißig zuzüglich ölf Kilo für Jochen’s Seenotsignalmittelpaket
iks-iks-el!“ – „Prima, dann habe ich immerhin noch Platz für 7 Liter!“ – „Denk’
an das Flaschengewicht du Flasche!“ – „Selber Flasche!“ – „Ein Euro in die
Stänkerkasse!“) „… Bewegt wurde es übrigens mit zwei Handpaddeln von etwa
zweiundvierzig Zentimeter Länge und zwölf Zentimeter Breite.“ – „Das andere
Extrem wäre übrigens das LABRADOR-Qajaq: Siebenzweiundneunzig mal
neunundfuffzig bei einem prismatischen Koeffizienten von nullkomma…….“
„Männer, seid doch nicht so
materialfixiert, denkt doch auch mal an den Wellness-Faktor:
·
„Ein Seekajak definiert sich allein darüber,
dass ich mich in ihm einfach nur wohl fühle!“
ruft eine Kanutin hinüber, die ebenfalls
etwas abseits steht, da bei solchen Definitionszirkeln üblicherweise
Frauenlogik nicht so gefragt ist. - Randbemerkung: „Meinst du das im Sinne von
„gefühltem“ Seekajak?“ - Nach einer Weile tiefer Sprachlosigkeit murmelt jemand
so etwas wie „… fehlt bloß noch die These:
·
„Ein Kajak ist nur dann ein Seekajak, wenn
es wie ein guter Kamerad zu uns ist!?“
„Genau, ein Seekajak soll uns unterwegs nie
abschmeißen, und wenn es das doch einmal tut, muss es stets bei uns bleiben.“
„Jetzt kommt endlich zur Sache,“ ermahne
ich alle Kontrahenten, „vergesst nicht die Fragestellung: Welches dieser Kajaks
hier vor uns ist ein Seekajak?“ – (Murren) – „Begreife es doch bitte, das
können wir nicht so einfach beantworten, denn:
·
„Es kommt auf das Revier an, wo diese Kajaks
hauptsächlich eingesetzt werden!“
wird mir geantwortet. – „Das hier“, dabei
zeigt ein“9xKluger“auf das lange Ding mit dem vielen Gerödel auf dem Oberdeck,
„davon habe ich an einem einzigen Tag mehr auf dem Wesermarathon (Zwischenrufe:
„… auch auf der Allerhochwasserrallye“ „… und der Elberallye …“) gesehen, als
jemals in diesem Jahrtausend auf der Nordsee.“ – „Dann ist es kein Seekajak,“
ballerte es - wie aus dem NICOSIGNAL geschossen - zurück. – „Und mit so’m Ding
da ist KÄPT’N ROEMER im letzten Jahrhundert über den Atlantik gepaddelt.
KLEPPER hat es extra für diesen Zweck konstruiert,“ wirft einer einfach nur so
in die Runde.“
·
„Aber war denn sein Boot überhaupt
seetüchtig?
… und der Roemer auch?“ protestiere ich. –
„Ahoi! Was ist denn schon seetüchtig?“ erklingt es aus der Tiefe. –
„Sautüchtig?“ hallt es zurück. – „Jede Badewanne ist seetüchtig, so hab’ ich es
bei der SaU gelesen!“ wirft einer „Seeanfänger“ in die Runde. – „… auch jede
Tupperschüssel!“ - „Nein, nein, nein!“ fahre ich dazwischen. Mein Stichwort ist
gefallen. Die Chance für mich, dem Disput meinen Stempel aufzudrücken. Alle
Misstöne missachtend fahre ich fort: „Es kommt allein auf die
Seegangstauglichkeit an (Zwischenruf: „Was ist denn der Unterschied zwischen
Tauglichkeit und Tüchtigkeit, Udo?“) und die Navigationstüchtigkeit, die
Kentertüchtigkeit, die Verkehrstüchtigkeit (heftiges Frage- & Antwortspiel:
„Ist dabei eigentlich jeglicher Verkehr gemeint?“ – „… auch
Geschl€666$verkehr?“ – „Das setzt aber eine größer Sitzluke, quasi eine Art
Liegeluke voraus!“ – „ und einen
doppelten Paddelfloatausleger!“) – (Allgemeine Zustimmung) – „….. die
Reisetüchtigkeit!“ – (erneuter Zwischenruf: „… und Trinktüchtigkeit!?“) - (ab
sofort steigt der Geräuschpegel so stark an, dass nur noch einzelne Wortfetzen
zu verstehen sind) – „… Seenottüchtigkeit …!“ – „… inklusive Notdurfttüchtigkeit
…?“ (Zwischenbemerkung: „Gut dass ich einen leicht abnehmbaren Tageslukendeckel
habe!“) „… Kurstüchtigkeit …?“ „…
Tidalworthiness …!“ „… Gatttüchtigkeit …?“ „… Fahrwassertüchtigkeit …?“ „…
Surftüchtigkeit …!“ „… Transporttüchtigkeit …!“ – (Allmählich ebbt der
Schallpegel etwas ab, sodass wieder ganz Sätze verstanden werden können.) - „Vergesst
mir nicht die Bahntransporttüchtigkeit!“ (deutlich wahrnehmbarer Zwischenruf
eines passionierten Faltbootfahrers) – „Kommt es nicht auch auf die
Gruppentüchtigkeit an!? (ruft ein zertifizierter Fahrtenleiter dazwischen)-
„?????“ – (und fährt fort:) „…. mit Seekajaks ohne Steuer … (Zwischenruf:
„integriertes Steuerblatt!!!“) … nur mit Steuer kann man den Gruppenzusammenhalt
sicherstellen!“ – „… und frau schafft’s allein mit Skeg …?“ - „Richtig, die
Einhaltung der Nordfriesischen Formation ist ohne Steuer praktisch ab einem 4er
SSG unmöglich! … habe ich zumindest auf der DKV-Homepage mal gelesen!?“ - „Ich
plädiere für Sitztüchtigkeit …?“ (lenkt eine jüngere Dame schüchtern ab) – „Was
ist mit Blumenkübeltauglichkeit? Denkt doch an die Zeit danach!“ (wirft der
zufällig vorbeikommende Clubgärtner dazwischen) - „Warum nicht auch
Umgucktüchtigkeit …?“ (insistiert ein Ornithologe); - „… und was ist mit der
Eskimotiertüchtigkeit?“ - „… ich bestehe auf Inuitiertüchtigkeit ….?“ (prustet
eine weit gereiste Zuckersackfahrerin hervor) – (Der Geräuschpegel steigt
wieder an!) - „… Abschlepptüchtigkeit …?“ – „… Breakerworthiness …insbesondere
Dumperworthiness!“ –„Ami, go home!“ - „Meinst du Brechertüchtigkeit …?“ -
„Nein, Brechtüchtigkeit …?!“ - „Yeaaaahh … Kotztüchtigkeit …?“ ……!?!?!!!!??
Da rüttelt mich meine Frau wach und
erkundigt sich besorgt, ob sie mir einen Eimer bringen solle. Ich nickt
erleichtert ihr zu und murmelt etwas, was so klingt wie: „… aber bitte mit
Spritzdecke …“
Szenische Bearbeitung: U.Beier – www.kanu.de/kueste