13.12.2005
Touryak (Prijon) im Regatta-Test (Ausrüstung)
Schon zweimal wurde im Rahmen der „Aktuelle Infos“ Stellung zum TOURYAK, einem PE-Boot von Prijon,
bezogen (siehe: 19.09.05 und 26.11.05).
In beiden Infos wurde von mir die Richtigkeit der per
Computerprogramm vom us-amerikanischen SEA KAYAKER-Magazine ermittelten
Wasserwiderstandswerte für den TOURYAK (463x61 cm; ca. 380 Liter Volumen)
hinterfragt (s. auch die folgende Übersicht, die die Wasserwiderstandswerte von
insgesamt 30 Seekajaks, sortiert in aufsteigende Reihenfolge, aufführt).
Übersicht: Wasserwiderstand (kg) in Abhängigkeit der
Geschwindigkeit (kn)
|
4 kn (7,4
km/h) |
5 kn (9,3
km/h) |
6 kn (11,1
km/h) |
|
Extreme
(Current D.) (577x55 cm) =
1,59 kg Nordkapp H²0
(Valley) (547x54 cm) = 1,60 kg Artisan Mill. (Kajak Sport) (555x56 cm) = 1,61 kg Capella (PE)
(P&H) (504x57 cm) =
1,63 kg Expedition
(Current D.) (571x57 cm) = 1,63
kg Inuk
(Kirton/Nelo) (550x51 cm) =
1,63 kg Looksha IV
(Necky) (515x57 cm) = 1,63
kg Sirius M
(P&H) (520x53 cm) =
1,63 kg Storm (PE)
(Current D.) (517x61 cm) = 1,63
kg Bahiya
(P&H) (532x52 cm) =
1,64 kg Romany Expl. (N.Dennis)
( 533x55 cm) = 1,65 kg Viking (Kajak Sport) (498x55 cm) = 1,65 kg Barracuda (PE) (Prijon) (508x56 cm) = 1,66 kg Viviane (Kajak Sport) (580x55 cm) = 1,66 kg Yukon Eski (Prijon) (500x57 cm) = 1,66 kg Kodiak (PE) (Prijon) 507x58 cm) = 1,67 kg Legend (N.Foster) (544x54 cm) = 1,68 kg Quest (P&H)
(516x61 cm) =
1,68 kg Sealution
(Wilderness) (502x56 cm) = 1,68
kg Looksha II
(Necky) (610x51 cm) = 1,68
kg Aquanaut (GFK)
(Valley) (537x55 cm) = 1,69 kg Avocet (PE)
(Valley) (492x56 cm) = 1,70
kg FW 2000 (Nelo)
(562x44 cm) = 1,70
kg Touryak (PE) (Prijon) (463x61
cm) = 1,72 kg
Cortez 16.5
(Dagger) (503x56 cm) = 1,73 kg Aquanaut RM
(Valley) (522x57 cm) = 1,75 kg Avatar 16.0
(Perception) (488x57 cm) = 1,75 kg Cap Horn 17
(PE) (Dagger) (525x58cm) = 1,79 kg Seayak (PE)
(Prijon) 485x58 cm) = 1,87 kg |
FW 2000 = 2,89 kg Looksha II
= 2,90 kg Extreme = 2,93 kg Expedition
= 2,95 kg Inuk = 2,95 kg Viviane =
2,99 kg Legend =
3,18 kg Barracuda =
3,23 kg Artisan M. =
3,25 kg Aquanaut =
3,31 kg Touryak
= 3,37 kg Kodia = 3,38 kg Nordkapp H²0 =
3,51 kg Romany Ex.
= 3,55 kg Aquanaut RM
= 3,59 kg Cortez 16.5
= 3,60 kg Cap Horn 17
= 3,64 kg Viking = 3,64 kg Bahiya = 3,67 kg Quest = 3,67 kg Sirius M = 3,67 kg Storm = 3,67 kg Avocet = 3,92 kg Looksha IV
= 3,95 kg Seayak = 3,95 kg Avatar = 3,97 kg Sealution
= 4,04 kg Chatham 16 = 4,37 kg |
FW 2000 = 4,79 kg Looksha II
= 5,03 kg Inuk = 5,22 kg Viviane = 5,22 kg Expedition
= 5,26 kg Extreme = 5,32 kg Aquanaut = 5,67 kg Legend = 5,67 kg Barracuda
= 5,98 kg Touryak = 6,01 kgYukon Eski = 6,07 kg Artisan M.= 6,10 kg Kodiak = 6,23 kg Nordkapp H²0 = 6,42 kg Aquanaut RM =
6.44 kg Cortez 16.5 = 6,47 kg Viking = 6,52 kg Quest = 6,53 kg Romany Ex. = 6,57 kg Sirius M = 6,58 kg Bahiya = 6,59 kg Looksha IV
= 6,94 kg Seayak = 6,99 kg Capella PE= 7,03 kg Avatar 16 = 7,27 kg Sealution = 7,35 kg Chatham 16 = 7,82 kg |
Quelle: Sea Kayaker-Magazine (ab 1993) (Basis:
113 kg Zuladung für Person u. Gepäck)
s. auch: www.kanu.de/nuke/downloads/Resistance.pdf
Der Übersicht können wir entnehmen, dass der TOURYAK ab 5 Knoten (kn) Geschwindigkeit einen relativ niedrigen
Wasserwiderstand erzeugt. Bei 6 kn nimmt der TOURYAK den 10. Platz ein. Die
meisten gängigen Seekajaks, wie z.B. Artisan Millenium, Nordkapp H²0, Aquanaut
RM, Viking, Quest, Romany Explorer, Sirius M, Bahiya, Avocet (PE), Capellla
(PE) weisen schlechtere Werte auf. Bei einer von SEA KAYAKER gemessenen Länge
von 463 cm und einer Breite von 61 cm (lt. Prijon-Katalog: 470x63 cm) ist das
mehr als erstaunlich.
Ich regte daher anlässlich der 13. Nikolausregatta des
ACC-Hamburg zu einer Testfahrt auf der Alster an. Thorsten Gelhar
(ACC-Hamburg) stellte seinen TOURYAK
zur Verfügung und Ulf Böckenholt
(KV Münster), der ansonsten bei den Regatten in den Jahren zuvor Plätze
zwischen 3 bis 7 einnahm, stellte sich als „Testfahrer“ zur Verfügung.
Eigentlich gab keiner dem TOURYAK Chance, im Feld der Regattafahrer mitmischen
zu können, weder der Besitzer des Bootes sowie Ulf selber, noch die
umherstehenden Kanuten sowie ich. Immerhin waren u.a. ca. 34 Wanderfahrer im
Einer-Wanderkajaks zwischen 450 und 600 cm Länge am Start auf der Alster
angetreten. Ca. 9 km waren um die Wette zu paddeln.
Die beste Zeit im Einer überhaupt paddelte 2005 übrigens Florian
Wohlers, ein Europameister im K1-Abfahrtsrennboot (ca. 39:01 Minuten).
Er war damit nur 27 Sekunden langsamer als der schnellste Zweier (gepaddelt von
zwei ehemaligen deutschen Meistern).
In der Kategorie der Einer-Wanderkajaks gab es die folgenden
Zeiten:
Insgesamt schaffte also Ulf Böckenholt mit dem TOURYAK unter den 34 Einer-Wanderkajaks
den 10. Platz. Er benötigte (mit
Wingpaddel) für die ca. 9 km lange Strecke 53:50 Minuten, wobei 45 Sek.
abzuziehen sind, da er – bescheiden & rücksichtsvoll wie er ist – beim
Start die anderen Kanuten in ihren „Racern“ nicht behindern wollte und Vortritt
ließ. Außerdem konnte er von hinten aus startend zunächst wegen Stauproblemen
bzw. querliegender Kajaks nicht so recht vorankommen. Trotz alledem gelang es
ihm, sich immer weiter nach vorne durchzukämpfen, zeitweise mit bis zu 5 Kajaks
auf seiner Heckwelle.
Die 53 Minuten (egal ob nun 53:50 Min. oder die „bereinigten“
53:05 Min.) entsprechen einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 10 km/h. Im
Jahr 2001, als Ulf mit einem „regattatauglicheren“ Wanderkajak den 3. Platz
belegte, benötigte er 50:45 Min. 2002 kam er – nach eigenen Worten nicht ganz
so fit – auf 53:30 Min. (7. Platz).
Ob das Ergebnis für den TOURYAK
spricht, muss jeder selber entscheiden. Auf alle Fälle spricht es natürlich für
Ulf Böckenholt. Diese
Regatta-Fahrt zeigt einmal wieder deutlich, dass, wenn wir schnell vorankommen
wollen, in erster Linie wir selber schnell paddeln können mÜssen. Erst an
zweiter Stelle steht – vorausgesetzt es wird in einem „normalen“ Wanderkajak
und nicht in einem „Topolino“ gepaddelt - das Kajak. Oder: Wer bei so einer
Regatta vorne mitmischen will, kann durchaus in seiner Kajak-Kategorie unter
den ersten 5 landen, auch wenn sein Kajak – wie der TOURYAK – recht kurz & dick ist (lt. Prijon gelten die
folgenden Maße: 470 x 63 cm; ca. 440 Liter Volumen / lt. Sea Kayaker: 463x61
cm; ca. 380 Liter).
Natürlich ist der TOURYAK
kein „Racer im Schafspelz“, aber irgendwie hat es wohl Prijon geschafft –
warum, weiß er wohl selber nicht – dass das Unterwasserschiff nicht schlecht
ist. Zumindest den in der obigen Übersicht aufgeführten Daten des
us-amerikanischen SEA KAYAKER-Magazine
können wir entnehmen, dass der TOURYAK
mit 6,01 kg bei 11,1 km/h (Bedingung: Beladung: 113 kg) gar nicht so schlechte
Wasserwiderstandswerte hat. Damit lässt er eine Menge „reinrassiger“ Seekajaks
hinter sich (z.B. Sirius, Bahiya, Quest, Aquanaut (RM), Nordkapp H²O, Romany
Explorer, Artisan Millenium). Zumindest Ulf gelang es auch in der Realität,
eine ganze Anzahl von Seekajaks, die am Start waren, abzuhängen.
Welche Relevanz haben nun diese Ergebnisse für die interessierten
Küstenkanuwanderinnen und –wanderer? Nun, die meisten von uns paddeln wohl
unterwegs keine „Reisegeschwindigkeit“ von 9 km/h und mehr. I.d.R. begnügen wir
uns mit 7 km/h. Für alle Kanutinnen und Kanuten, die dem zustimmen, denen
genügt es eigentlich, sich für ein „normales“ Seekajak mit den üblichen Maßen
zu entscheiden (z.B. zwischen 500 und 550 cm lang und max. 58 cm breit). Damit
liegen sie nicht schlecht; denn die Differenzen der Wasserwiderstandswerte bei
4 Knoten (= 7,4 km/h) sind so minimal (max. 0,28 kg), dass es sich nicht lohnt,
darauf zu achten. Entsprechendes gilt übrigens auch noch – zumindest was diese
Widerstandswerte betrifft - bei 5 kn (9,3 km/h) (max. Differenz = 0,48 kg),
nicht jedoch mehr bei 6 kn (11,1 km/h) (max. Differenz = 3,03 kg). Dann werden
die Unterschied beim Wasserwiderstand wirklich relevant, sodass wir bei einem
Kauf – sofern wir ein Kajak mit einem hohen Geschwindigkeitspotenzial kaufen
wollen – sehr wohl auf die konkreten Wasserwiderstandswerte achten sollten. Und
wer nur eine „normale“ Reisegeschwindigkeit paddeln möchte und dennoch nicht
ignorieren will, welche Widerstandswerte einzelne Seekajaks haben, hat durchaus
die Chance, in begründeten Fällen auch auf ein Seekajak zurückzugreifen können,
das wohl von den Maßen her etwas aus dem Rahmen fällt, aber dennoch kein
„Bremser“ ist, wie z.B. der hier besonders hervorgehobene TOURYAK.
TOURYAK: nur ein
Allround-Wanderboot oder schon ein Seekajak?
Ist nun Prijon’s TOURYAK ein
empfehlenswertes Seekajak? Nun, dazu gehört mehr als:
Zu einem empfehlenswerten Seekajak gehört es vielmehr, dass es
rundherum seetüchtig ist, und zwar ab Werk und nicht erst nach
„tagelangen“ Nachbesserungs-, Bastel- und Umbauarbeiten durch die
Küstenkanuwanderinnen und –wanderer selber. Und daran hapert es beim TOURYAK – übrigens wie bei allen
anderen doppelt abgeschotteten Kajaks von Prijon auch. Z.B. sind im
Wesentlichen die folgenden 10 Punkte zu „bemäkeln“:
Ich hoffe, dass ich mit diesen 10 Punkten zzgl. der 6 Punkte, die
der TOURYAK ab Werk erfüllt, Kriterien aufgezeigt habe, die interessierte
Kanutinnen bzw. Kanuten bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen können. Auf
alle Fälle sollten sie erkannt haben, dass es nicht genügt, wenn ein Seekajak
allein das folgende Kriterium erfüllt: „Two sharp ends, three bulkheads and one
hole in the middle!“
Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/
----------------------------------