17.06.2006 Dayhatch (Tagesgepäckluke) (Ausrüstung)
Bislang
zeichneten sich Seekajaks durch die doppelte
Abschottung aus, welche in erster Linie dazu dient, die Kentertüchtigkeit eines Kajaks zu erhöhen;
denn nur mit Hilfe der doppelten Abschottung ist es nämlich möglich, auf recht
sichere und effiziente Weise nach einer Kenterung mit Ausstieg fernab von der
Küste den Wiedereinstieg ins Kajak, das Lenzen des Sitzlukenbereichs und das
Fortsetzung der Paddeltour zu ermöglichen.
In
der Zwischenzeit gibt es Seekajaks mit dreifacher
Abschottung, wobei die dritte Abschottung in erster Linie mehr der
Verbesserung der Seegangs- &
Reisetüchtigkeit dienen soll. D.h. der Heckbereich eines Seekajaks wird nochmals
abgeschottet, sodass sich dort nun zwei Gepäckbereiche befinden:
Welche Vorteile bringt nun diese zusätzliche Abschottung? Sie schafft
doch keinen zusätzlichen Gepäckraum, sondern unterteilt lediglich den
Heckbereich in nunmehr zwei Gepäckbereiche?
Dass sich diese „Dayhatches“ die Briten ausgedacht
haben, ist nicht verwunderlich. Erstens sind im Vergleich zum „Rest der Welt“
die Briten in Sachen Küstenkanuwandern immer schon sehr innovativ gewesen. Und
Zweitens liegt bei den Briten die Küste nicht sehr weit entfernt, d.h. bei
ihnen lohnen sich Tagestouren viel eher, als bei uns Deutschen, die mit
Ausnahme ihrer Küstenbewohner eigentlich immer nur Gepäckfahrten unternehmen,
wenn sie mal ans Meer zum Paddeln fahren wollen.
Natürlich könnte ein solch kleinerer Gepäckraum auch
durch einen extra Spitzenbeutel geschaffen werden, der in den hinteren
Heckbereich gestopft wird. Der Spitzenbeutel verkleinert den Gepäckraum im Heck
und sorgt auf recht einfache Weise dafür, dass das Tagesgepäck nicht allzu weit
nach hinten verrutschen kann.
·
das Lenzen des gefluteten Gepäckraumes nicht immer möglich ist;
·
das Seegangsverhalten bei nur 2 Abschottungen fast nicht mehr beherrscht
werden kann, wenn allein
der Bug- oder der Heckgepäckbereich geflutet ist;
·
u.U. – sofern das Gepäck in den Gepäckbereichen nicht in wasserdichten
Säcken verpackt ist –
wichtige Gepäckstücke (z.B. Schlafsack, Bekleidung) so
stark mit Salzwasser durchfeuchtet werden, sodass es
gegebenenfalls Tage dauert, bis alles wieder trocken ist.
Und
welche Nachteile hat ein
solcher dritter Gepäckraum hinter der Sitzluke?
·
den Tages-Lukendeckel zu erreichen,
·
zu öffnen,
·
mit dem rechten Arm hineinzulangen,
·
mit der rechten Hand den gewünschten Gegenstand zu ertasten,
·
herauszuholen
·
und den Tages-Lukendeckel wieder zu verschließen.
Praktisch ergeben sich jedoch diesbezüglich Probleme,
insbesondere wenn wir nicht so gelenkig sind bzw. wenn der Seegang etwas kabbelig
ist. Wer also wirklich darauf Wert legt, unterwegs auf dem Wasser bestimmte
Gepäckstücke zu erreichen (z.B. Proviant, Getränk, Schleppleine,
Seenotsignalmittel, Sonnencreme), der sollte sich hinter der Sitzluke ein Gepäcknetz
befestigen, welches rundum von einer 8-mm-Elastikleine gesichert wird, damit
brechender Seegang die Gepäckstücke nicht fortspülen kann.
·
Erstens wird der „Dayhatch“-Bereich von Anfang an selten maximal
randvoll
gefüllt.
·
Zweitens nimmt der Füllgrad von Tag zu Tag ab, ohne dass er mit anderen
Gepäckstücken aufgefüllt
werden müsste.
·
Drittens fällt es einem von Tag zu Tag immer schwerer, das Seekajak
richtig
zu trimmen, weil der „Dayhatch“-Bereich immer
leichter wird, der Gepäck-Bereich dahinter aber nicht an Gewicht verliert.
Fazit
Dieser
durch eine dritte Abschottung eingerichtete dritte Gepäckraum ist eigentlich nur
vorteilhaft für jene, die Tagestouren unternehmen, bzw. die über ein sehr
voluminöses Seekajak verfügen (hier: Volumenklasse L (351-400 Liter), noch
besser Volumenklasse XL (über 400 Liter)); denn dann macht sich der Nachteil
Nr. 4 (ungünstiges Verstauen im übrigen Heck-Bereich) nicht so recht bemerkbar.
Ansonsten
steckt das Design eines Seekajaks im Allgemeinen und das Packen eines Seekajaks
im Besonderen voll subjektiver Komponente, die manchmal auch nur von der Mode
(„Dayhatch“ ist in) bzw. der Gewohnheit geprägt werden, was bei vielen Kanuten
mehr zählt als noch so relevant erscheinende objektive Komponenten.
Natürlich,
auf die zweifache Abschottung möchten viele nicht mehr verzichten, weil sie zum
einen für einigermaßen wasserdichte Gepäckräume sorgt und weil sie zum anderen
das Packen über die beiden Gepäckluken ungemein erleichtert. Das ist auch der
Grund dafür, dass immer mehr Flusswanderkajaks mit einfacher oder doppelter
Abschottung ausgerüstet werden, obwohl sie ansonsten die übrigen Anforderungen
der Seetüchtigkeit nicht erfüllen.
Aber
der Übergang zur dreifachen Abschottung ist – abgesehen von dem Vorteil, bei
Tagestouren das Gepäck optimaler zu verpacken und damit den Trimm des Seekajaks
zu erleichtern – eigentlich nur subjektiv begründbar. Der eine findet diese
„Dayhatch“ professionell und möchte nicht mehr darauf verzichten. Ein anderer
schwört auf seine beiden Gepäcklukendeckel, wobei sich auch hier die Lager in
jene teilen, die den Hecklukendeckel möglichst dicht an der Sitzluke
haben möchten, um dann mit einem Griff den wichtigsten Gegenstand sofort
herausholen zu können (z.B. das Zelt), und jene, die den Hecklukendeckel lieber
in der Mitte des Hecks platziert haben möchten, da sie dann bei
geöffnetem Deckel alternativ die Möglichkeit haben, das Gepäck vor der Heckluke
bzw. hinter der Heckluke zu ergreifen.
Trends
Wer
A sagt, wird auch B sagen, oder: Wer hinter der Sitzluke eine Tagesluke
installiert, kommt irgendwann auch auf die Idee, ebenfalls vor der Sitzluke
eines Tagesluke (Deckstaufach, Deck-Box) einzubauen; denn dann besteht wirklich
die Möglichkeit, unterwegs auf dem Wasser Zugriff zu all den Dingen zu haben
(z.B. trocken gelagerte Seenotsignalmittel, Fotoapparat, Sonnencreme,
Brieftasche), die in dieser Luke gelagert werden.
Kein
Wunder daher, dass ein solches „Bow-Dayhatch“-Konzept immer mehr Verbreitung
findet, zumindest bei den Kajaks, die eher für das Süß- als für das Salzwasser
konzipiert sind.
Warum
aber soll der „Tageslukendeckel“ vor der Sitzluke eher für das Kanuwandern
auf Binnengewässern geeignet sein? Nun,
Folgendes sollten Küstenkanuwanderer bedenken:
Aus
diesen beiden Gründen finden wir bislang bei den britischen Seekajaks noch
keinen „Bow-Dayhatch“, obwohl die Briten die Notwendigkeit einer solchen
Gepäcklagerungsmöglichkeiten nicht abstreiten. Sonst hätte sie nicht die
„Kneetubes“ (Kniebox) erfunden, zu der wir jedoch nur Zugriff haben, wenn wir
zuvor die Spritzdecke öffnen.
Ansonsten
ist bei manchen Tageslukendeckel zu bemängeln, dass für sie kein extra fester
Behälter unter dem Kartendeck in der Sitzluke eingebaut wird, sondern nur ein
Neopren-Sack, der u.U. je nach Beinlänge bzw. -haltung einem beim Ein-/Ausstieg
bzw. beim Paddeln stören könnte. Letzteres kann auch bei einem fest eingebaut
Tageslukenbehälter zutreffen. Hier hat jedoch der Hersteller die Möglichkeit,
diesen Behälter so zu formen, dass er zusätzlichen Kniehalt bieten kann, was
insbesondere beim Paddeln den – bei vielen Seekajaks zu bemängelnden -
Schenkelhalt substituieren kann.
Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/
Hinweis: Ich danke Dirk Lademann
für seine kritischen Anregungen zum „Stern-Dayhatch“-Konzept.