02.01.2008 Vorsicht Nicosignal: „Rohrkrepierer“ (Ausrüstung)
Alle Jahre wieder wird es
getan, obwohl es nach herrschender Meinung nicht rechtens ist, auch wenn es
während der offiziellen „Knallzeit“ kurz vor und nach Silvester-Mitternacht
passiert: Der Schuss einer roten Signalkugel aus dem „Nicosignal“.
Auch dieses Jahr berichteten
mir wieder mehrere Küstenkanuwanderer von ihren Erfahrungen, die sie mit dem
Nicosignal dabei gemacht haben:
- „Das Nicosignal war praktisch nicht
einsatzfähig, da der Sicherungsschalter sich nicht oder nur mit großer
Kraftanstrengung von „S“ (= Safe) auf „F“ (= Fire) umschalten ließ!“
- „Nicht jede Patrone wollte zünden!“
- „Manche Patronen zündeten erst beim zweiten oder
dritten Versuch!“
- „Einige Patronen knallten wohl beim Abschuss,
aber leuchteten überhaupt nicht oder nur sehr schwach und kurz auf!“
- „Einige Patronen zündeten erst, nachdem das „Zündplättchen“
gesäubert wurde!“
Erstmalig wurde mir
gemeldet:
- „Nach
dem Drücken des Auslöseschalters explodierte eine der 6
Nicosignal-Patronen so stark, dass das Patronen-Magazin, welches 6
Patronen enthält, aufplatzte und vollständig die Reste der „krepierenden“
Patrone freilegte.
Das ist in der Tat für mich
neu. Bislang kannte ich etwas Ähnliches nur von den großen
Fallschirmsignalraketen der Firma Comet: Die Signalkugel konnte dort nach
Auslösung der Treibladung nicht sofort aus dem Rohr geschossen werden, was dazu
führte, dass das Feuer der Treibladung am unteren Teil der Raketenhalterung
austrat und – sofern die Rakete nicht sofort weggeworfen wurde - die Hand
desjenigen verbrannte, der das Notsignal auslösen wollte.
Drei solcher Fälle sind mir
bekannt:
- Beim ersten Fall verbrannt sich eine mit
Handschuhen geschützte Frau die rechte Hand.
- Beim zweiten Fall konnte ein Mann die nicht
auslösende Rakete rechtzeitig wegwerfen, bangte dann jedoch um sein Leben,
da die Rakete unkontrolliert über den Erdboden schoss.
- Und beim dritten Fall konnte ich selber mit
ansehen, wie die – vorsichtshalber an einem Baum angebundene und per
Seilzug ausgelöste – Rakete erst einmal nach unten Feuer ausstieß, um dann
schließlich – nach ca. 5 Sekunden (?) - die Signalkugel doch noch gen
Himmel schoss.
Die Gründe für solch
„Unregelmäßigkeiten“ sind mir nicht bekannt. Vermutlich sind sie darin zu
suchen, dass wir Küstenkanuwanderer die Fallschirmsignalraketen nicht
ordnungsgemäß trocken lagern können, mit der Folge, dass die Raketen im
Inneren anfangen zu korrodieren, was den Abschuss der Signalkugel nach Zündung
des Treibsatzes erschwert und bei fortgeschrittener Korrosion u.U. unmöglich
macht.
Nun wird Vergleichbares vom
Nicosignal berichtet. Ich vermute, dass auch hier die einsetzende Korrosion
der Munition zu diesem „Rohrkrepierer“ führte. Dafür spricht der Tatbestand,
dass die explodierte Patrone das Verfallsdatum „11/04“ (= Nov. oder 11. Woche
2004) trug, d.h. schon seit 3 Jahren abgelaufen war. Die Korrosion hatte also
Zeit genug, sich langsam auszubreiten.
Was für Konsequenzen sollten
wir aus diesem Vorfall ableiten?
- Das Nicosignal ist kein „Schreckschussrevolver“,
sondern ein Seenotsignalmittel, das während des Küstenkanuwanderns ständig
dem Salzwasser ausgesetzt ist. Bei der Fertigung der Munition können
niemals Mängel 100%ig ausgeschlossen werden. Deshalb sollten wir ein
Nicosignal wirklich nur im Falle der Not auslösen; denn das Risiko eines
„Rohrkrepierers“ ist nie ganz auszuschließen. Es lohnt sich wirklich
nicht, wegen eines ca. 8-Sekunden andauerndes „Aha-Erlebnis anlässlich der
Silvesterknallerei seine Gesundheit zu gefährden.
- Wir sollten – wenn schon, denn schon – die
Munition nur innerhalb der vorgegebenen Haltbarkeitszeit (ist auf die
Unterseite der Patrone gedruckt) verschießen. Abgelaufene Signalpatronen
sollten wir beim Ersatzkauf dem Händler zur Entsorgung übergeben, auch
wenn das kostenpflichtig ist.
- Außerdem sollten wir wenigstens einmal zu Beginn
der Saison die Nicosignal-Patronen auf Beschädigungen anschauen. Z.B.
könnte das Rohr, in welchem der Treibsatz mit der Signalkugel steckt, im
Mündungsbereich etwas eingedrückt sein.
- Schließlich sollten all diejenigen, die beim
6-schüssigen Nicosignal-Magazin intakte rote Signalpatronen durch weiße
Signalpatronen austauschen (z.B. um die Option zu haben, im Falle der
Kollisionsgefahr auch mal Weiß schießen zu können), beim Herauslösen der
roten Signalpatrone äußerst vorsichtig vorgehen, damit diese Patrone, die
vielleicht einmal später wieder ins Magazin gesteckt wird, unter keinen
Umständen beschädigt wird.
Wer keine Konsequenzen
ziehen möchte, dem sollte jedoch auch noch Folgendes bewusst gemacht werden:
Abgelaufene, d.h. überlagerte, oder falsch gelagerte Seenotsignalkugeln können
nach einem Abschuss u.U. auch dann noch brennen, wenn sie den Erdboden erreicht
haben, sei es, dass der Treibsatz nicht mehr die Kraft hat, die Signalkugel auf
die nötige Höhe zu schießen, bzw. dass die Signalkugel schwächer und damit
langsamer und folglich länger brennt. Brandschäden sind dann nicht mehr
auszuschließen … und eine Klage auf Schadensersatz auch nicht!
Text:
U.Beier – www.kanu.de/kueste/