Es
hat sich wieder mal bestätigt, dass die Hin- & Rückfahrt mit dem Auto der
gefährlichste Teil einer Kanutour ist. Bei ca. 120 km/h unterwegs auf der
dänischen Autobahn löste sich bei drei Küstenkanuwanderern plötzlich der
vordere Teil des Dachgepäckträgers von der Regenrinne, riss den Träger aus der
hinteren Halterung und ermöglichte so drei Seekajaks samt Bootsträger den
„Abflug“ vom Dach eines Volvo-Kombi. Nach einer kurzen Schwebephase durch die
Luft landete das „Flugobjekt“ etwas schräge und rutschte dann auf allen vier
"Füßen" des Träger über die zur
"Landebahn" umfunktionierte Autobahn.
Zum
Glück war kein dichter Verkehr. Die dahinter fahrenden Autos konnten
rechtzeitig bremsen. Ein Däne stieg sofort aus und zog das
"Dreier-Paket" (die Kajaks waren auf dem Träger geblieben) von der
Straße. Die Autobahn war ca. 2 Minuten gesperrt. Dann fuhren die Autos wieder
los, teilweise über die abgebrochenen Trägerfüße, die dabei durch die Luft
geschleudert wurden.
Übrigens,
die beiden außen liegenden Seekajaks bekamen nur leichte Kratzer bzw. eine
kleine Abschürfung. Das in der Mitte liegende Seekajak riss ca. 30 cm vom Bug
im Oberdeck und einer Seite auf voller Breite auf.
Anschließend
legten die Drei eine Decke aufs Autodach und befestigten mit -zig Seilen zunächst
zwei Kajaks und dann oben drauf das Dritte. "Wir hätten damit 150 fahren
können, so fest waren die verschnürt", meinte einer der Betroffenen mehr
klein- als vorlaut.
Ja,
dieses Mal hatte das Pech „Glück“ gehabt, aber auch die Drei und alle ihnen
nachfolgenden Verkehrsteilnehmer hatten Glück gehabt, wenn auch im Unglück. Ob
der Erleichterung darüber, dass keine Katastrophe passiert ist, möge man mir
den etwas lockeren Erzählstil verzeihen.
Im
April erschien in KANU SPORT auf den Seiten 30-32 unter dem Titel:
„KANU-SPORT-Praxistipp:
Bootstransport auf dem Autodach“
ein
Beitrag von Lasse Montag, auf was
alles zu achten ist, wenn wir unsere Kanus auf dem Autodach sicher
transportieren wollen. Mir persönlich fallen dazu die folgenden 10 Punkte ein:
Wähle den richtigen Bootsträger aus. Die vom
Hersteller angebotenen Träger verfügen manchmal über mechanische Teile, die
verhindern können, dass ein Träger allzu leicht vom Dach rutschen kann.
1. Achte auf die
Befestigungsmöglichkeit am Auto. Nicht jede Regenrinne, nicht jeder Fenster-
bzw. Türrahmen, aber auch nicht jede Dachreling ist so stabil, dass bei
extremer Beanspruchung für 100%igen Halt gesorgt ist.
2. Ignoriere nicht die
Herstellerempfehlung für die maximale Dachlast, die neuerdings im Kfz-Schein unter
Nr. 16 festgeschrieben sein soll!? Häufig wird sie wohl von uns Kanuten nicht
eingehalten, aber wir sollten wissen, dass bei vielen Pkws vom Hersteller nur
eine Dachlast von 50 kg empfohlen wird und dass es nur wenige Pkws gibt, die
100 kg Dachlast aushalten. Außerdem gibt es nur vereinzelt Dachgepäckträger,
die von Hersteller für mehr als 75 kg Dachlast (inkl. Träger) zugelassen sind.
3. Der Dachgepäckträger und am
Träger angeschraubte Kanuhalterung ist richtig und fest zu montieren.
4. Die Kanus sind richtig und
fest an den Kanuhalterungen zu befestigen. Dabei ist darauf zu achten, dass die
verwendeten Gurte bzw. Seile unbeschädigt sind.
5. Anschließend ist noch
- bevor die Fahrt angetreten wird - ein
„Rütteltest“ vorzunehmen, um danach Befestigungen nochmals nachzuziehen.
6. Spätestens nach 50 km Fahrt
sollte der Halt der Dachträgerbefestigung und der Kanuhalterung sowie die
Befestigung der Kanus nochmals kontrolliert werden, also alle Schrauben und
Gurte bzw. Seile sind nachzuziehen.
7. Außerdem sollten zur Sicherung
die Kanus vorne und hinten am Auto per Seil gesichert werden, wobei zu
empfehlen ist, dass das Heckseil nicht am Heck, sondern so am Kanu befestigt
wird, dass das Seil senkrecht über der Heckstoßstange liegt; denn bei einem
„Abgang“ nach vorn steigen die Kanus hinten hoch, was durch eine senkrechte
Befestigung verhindert werden kann.
8. Bevor nach einer Tour mit
dem Pkw die Rückfahrt angetreten wird, sind die Punkt 3. – 8. erneut zu
beachten. Das gilt insbesondere auch für den Punkt 4.; denn es ist nicht
auszuschließen, dass Dritte am geparkten Auto - aus welchen Gründen auch immer
- das Dachgepäckträgersystem manipuliert haben.
9. Last not least endet alles
mit dem Fahrstil: Wir sollten nicht zu schnell und natürlich vorausschauend
fahren, um Vollbremsungen zu vermeiden.
Es
ist nicht verwunderlich, dass nach dem Bericht über diesem „Flugunfall“
plötzlich der eine oder andere Paddelkumpel über etwas Ähnliches berichten
kann:
Eine
Mitpaddlerin erzählte mir, dass sich unterwegs bei ihrem alten VW-Bus der
vordere Dachträger von der Regenrinne löste und ihr Kajak begann
„aufzusteigen“. Dank geringer Fahrgeschwindigkeit und sofortiger Vollbremsung
„kehrte“ das Kajak wieder aufs Dach zurück.
Bei
einem anderen Kameraden brach bei Kopfsteinpflaster plötzlich die vordere
rechte Halterung des Trägers. Das befestigte Kajak schwenkte nach rechts aus
und knickte im Heckbereich ab.
Ein
Dritter brach sich mal auf dem Parkplatz seinen Kanadier durch, als er beim
Rückwärtsfahren auf die schon gelöste, aber am Heck noch befestigte hintere
Halteleine fuhr.
Mir
selber passierte es einmal, dass bei einer Autobahnfahrt mit 2 Seekajaks auf
dem Dach mein Pkw plötzlich sehr laut knallte, schepperte und ratterte. Vor
lauter Schreck konnte ich nichts mehr wahrnehmen. Ich trat voll auf die Bremse.
Erst als das Auto stand, merkte ich, dass die Kajaks noch auf dem Dach waren.
Es war halt „nur“ der Reifen meines linken Vorderrades geplatzt.
Es
wäre doch sicherlich interessant und lehrreich für Dritte und somit zum Nutzen
aller, wenn im Kanu-Forum andere über
ähnliche (Beinah‑)Katastrophen berichteten.
Text: U.Beier
Quelle: http://forum.kanu.de > Küste