Freya Hoffmeister stellt auf ihrer Homepage eine
neue Variante einer im Heck integrierten Steueranlage vor:
http://qajaqunderground.com/2008/08/14/epics-new-rudder-prototype/
Bei
dem Steuer handelt es sich noch um einen Prototyp, der Anfang 2009 in den
EPIC-KAYAKS der X-Serie (hier: 16X und 18X) eingebaut werden soll.
Integrierte
Steueranlagen sind bei deutschen Seekajaks, und zwar jenen von LETTMANN und
PIETSCH & HANSEN, weit verbreitet. Sie bieten den großen Vorteil, dass:
(1)
das Steuerblatt bei Flachwasserbedingungen ins Unterwasserschiff eingezogen
werden kann und auf diese Weise eine Beschädigung des Steuerblatts bzw. der
Steuerblatthalterung verhindert wird;
(2)
das Steuerblatt nicht – wie bei „Flip-off-Steueranlagen“ (Heckumklappsteuer) -
aufs Achterdeck geklappt bzw. gezogen werden muss, was unweigerlich zu einer
Erhöhung der Luvgierigkeit eines Seekajaks führt;
(3)
das Steuerblatt inkl. seiner Halterung wegen der effizienten Position am
Unterwasserschiff wesentlich kleiner und schon dadurch wesentlich stabiler sind
als die Steuerblätter und –halterungen der vielen Varianten von
„Flip-off-Steueranlagen“.
Pietsch &
Hansen-Seekajaks:
Die
Seekajaks von PIETSCH, später: PIETSCH & HANSEN, waren die ersten, bei
denen das Steuerblatt völlig ins Achterschiff eingezogen werden konnte:
Vorteilhaft bei dieser von Jürgen Pietsch entwickelten Anlage ist,
dass:
(a)
das Steuerblatt ca. 60 cm vor dem Heckende ins Wasser ragt, sodass bei Seegang
das Steuerblatt seltener aus dem Wasser gehoben werden kann;
(b)
der Schlitz, in den das Steuerblatt gezogen wird, etwas breiter ist, was die
Gefahr, dass Steine bzw. Schlick zum Verklemmen des Steuerblattes führen kann,
nicht so groß ist;
(c)
das Steuerblatt auch nur halb hineingezogen werden kann (sog.
„Flossenstellung“), was bei ruhigem Seegang das Paddeln mit geringerem
Wasserwiderstand ermöglicht.
Nachteilig ist Folgendes zu
beurteilen:
(a)
An einem Draht wird das Steuerblatt hochgezogen. Die Arretierung des Drahtes
seitlich vor dem Süllrand verhindert jedoch nicht das versehentlich Lösen des
Drahtes, was z.B. kritisch ist, wenn anschließend beim Starten das Seekajak
rückwärts ins Wasser geschoben wird. Dann kann sich nämlich die ansonsten sehr
stabile Steuerblattbefestigung verbiegen.
(b)
Ebenfalls kann – sofern das Steuerblatt nicht auf Flossenstellung bzw. voll
eingezogen ist - bei plötzlicher Bodenberührung entweder das Steuerblatt bzw.
das achterliche Unterwasserschiff beschädigt werden. Deshalb empfiehlt es sich,
insbesondere bei Fahrten in der Brandung vorsichtshalber das Steuerblatt auf
Flossenstellung hochzuziehen.
Lettmann-Seekajaks:
Die
„teueren“ „Expedition“-Ausführungen der Seekajaks von LETTMANN sind ebenfalls
mit einer integrierten Steueranlage ausgerüstet.
Mit
Ausnahme des Bootsmodell „Polar“ (hier ist das Steuerblatt ca. 60 cm unter dem
Achterschiff so integriert, sodass es zugleich auch als verstellbares Skeg
verwendet werden kann!!) ist das Steuerblatt ins Heckende eingebaut, was
folgende Nachteile hat:
(a)
Bei Seegang kann das Steuerblatt etwas länger aus dem Wasser herausragen als
das Pietsch-Modell. Die Wirksamkeit des Steuerblatts ist dadurch etwas
eingeschränkt.
(b)
Da das Heckende sehr schmal ist, fällt auch der Schlitz, in den das Steuerblatt
eingezogen wird, sehr eng aus, sodass ab und an das Steuerblatt nach dem Start
nur nach etwas Wackelei bzw. nur mit Kameradenhilfe heruntergelassen werden
kann, da kleine Steinchen, Sand bzw. Schlick das Blatt verklemmen lassen.
(c)
Bei Grundberührungsgefahr ist auch dieses Steuerblatt einzuziehen, um eine
Beschädigung zu verhindern.
Übrigens,
diese integrierten Steueranlagen sind nicht mit den unter dem Heck angebrachten
Flossensteueranlagen zu verwechseln, die nicht brandungstüchtig sind, da
sie z.B. beim Starten bzw. Anlanden durch die Brandung bei Grundberührung sehr
leicht beschädigt werden können.
Kajak-Sport-Seekajaks
(Finnland):
Der
Seekajakhersteller KAJAK-SPORT hat angefangen, seine Kajaks mit einer Art
Flossensteueranlage auszustatten, wobei die Flosse ins hintere Teil des Hecks
eingearbeitet ist, und zwar so dass die unter Hälfte des Heckendes von der
Flosse ausgefüllt wird.
è www.kajaksport.com/eng/activ_perasin.html
Die
Flosse besteht aus formbeständigem, aber biegsamen
Weichplastik, wobei die Flosse selber über die tiefste Stelle des Bootsrumpfes
ins Wasser hinein ragt.
Vorteilhaft an dieser Steueranlage
ist, dass das Material der Flosse praktisch „unkaputtbar“ ist. Deshalb braucht
die Flosse auch nicht bei Grundberührungsgefahr eingezogen zu werden.
Als
nachteilig ist anzusehen, dass:
(1)
das Steuerblatt den „Robbenstart“, d.h. das Starten mit Grundberührung,
erschwert, da das Steuerblatt sich regelrecht z.B. im Sand, Watt oder Kies
festhaken kann;
(2)
jener Teil des Steuerblatts, welches unter Wasser liegt, von der Fläche her
etwas klein geraten ist, sodass gerade bei achterlichen Kursen (Surfen) das
Steuerblatt nicht immer die Steuerwirkung zeigt, die erforderlich ist, um das
Kajak am Ausbrechen zu hindern. Natürlich könnte das Steuerblatt vergrößert
werden, was aber den „Robbenstart“ noch schwerer machen würde.
Epic-Kayaks (USA):
EPIC-KAYAKS
hat wohl die Idee der Finnen aufgegriffen, verwendet aber bei seinem mit dem
Heck eine Einheit bildenden Steuerblatt kein Weichplastik. Vielmehr sieht es so
aus, als ob EPIC-KAYAKS aus dem Heckende ein Stück
herausgeschnitten und zum Steuerblatt ausgeformt hat.
Anscheinend
ist die Steuerwirkung dieses Steuerblatts nicht effizient genug, sodass derzeit
EPIC-KAYAKS an einer Verbesserung arbeitet, die Freya Hoffmeister auf ihrer
Homepage vorstellt:
è http://qajaqunderground.com/2008/08/14/epics-new-rudder-prototype/
Bei
dem Prototyp wird versucht, in das Steuerblatt noch eine Art verstellbares Skeg
zu integrieren, sodass das Steuerblatt tiefer ins Wasser ragt und seine
Steuerwirkung besser entfalten kann.
Ein
Vorteil dieser Steueranlage ist, dass mit dem Steuer auch noch im Flachwasserbereich
mit Grundberührungsgefahr gepaddelt werden kann (lediglich das Skeg ist vorher
einzuziehen).
Von
Nachteil wird wahrscheinlich die Gefahr sein, dass beim Starten durch
die Brandung das Steuerblatt beschädigt werden kann, und zwar insbesondere
dann, wenn bei hoher Brandung die Brecher einen rückwärts zurück an den Strand
schleudern (surfen) und dabei das Kajak kerzen lassen. Ich kann mir nicht
vorstellen, dass das Steuerblatt, auch wenn es – wie geplant – vorher fest
arretiert wird, solch einer Grundberührung standhält.
Insofern
frage ich mich, ob Freya Hoffmeister, die im nächsten Jahr Australien umrunden
möchte, gut beraten ist, das mit einem überarbeiteten „18x“-Modell zu
versuchen!?
Text: U.Beier