In OCEAN PADDLER geht Nigel Dennis in dem Beitrag:
„The Most Important Stroke in
Sea Kayaking: The Forward Stroke“
u.a. auch auf die Länge eines
Paddels, die Dicke des Schaftes und die Blattgröße ein.
Folgende Maße schlägt er in
Abhängigkeit von der Körpergröße vor, wobei zu berücksichtigen ist, dass er
sich dabei auf Paddel der Firma Lendal bezieht. Trotzdem meine ich, dass es
sich bei Nigel Dennis Empfehlungen um diskutable Größenangaben handelt.
Körpergröße è Paddellänge / Paddelschaftdurchmesser /
Paddelblattgröße:
Körpergröße: 185 cm è 217-222 cm zu 29,3 – 32 mm Ø mit großen Paddelblatt;
Körpergröße: 180 cm è 214-219 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem bis großem
Paddelblatt;
Körpergröße: 175 cm è 210-216 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem bis großem
Paddelblatt;
Körpergröße: 170 cm è 208-215 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem
Paddelblatt;
Körpergröße: 165 cm è 207-214 cm zu 27 – 30 mm Ø mit kleinem bis mittlerem
Paddelblatt;
Körpergröße: 160 cm è 203-212 cm zu 27 mm Ø mit kleinem bis mittlerem
Paddelblatt;
Körpergröße: 155 cm è 190-210 cm zu 27 mm
mit kleinem Paddelblatt.
Diese Empfehlungen gelten
für Küstenkanuwanderinnen und –wanderer und dienen einer ersten Orientierung.
Sie gelten nicht für erfahrene Kanuten, die mit ihrem Paddel gut zurechtkommen.
Übrigens, wir können uns an
fast alles gewöhnen und neigen gern dazu, das weiter zu empfehlen, an was wir
uns gewöhnt haben. Das gilt nicht nur für Seekajaks, sondern natürlich auch für
viele andere Ausrüstungsgegenstände und somit auch für Paddel. Ich selber habe
es einmal erlebt, dass ich nach einer 2-wöchigen Paddelei mit einem „unendlich“
langen Paddel (ca. 230 cm bei 170 cm Körpergröße) mich so an diese lange Latte
gewöhnt hatte, dass mir anfänglich zuhause das Paddeln mit meinem ca. 218 cm
langen Paddel ziemlich schwer fiel. Insofern reicht es nicht, mit einem Paddel
nur mal eine Stunde zu paddeln. Die Probefahrt sollte schon etwas länger,
mindestens 2 Tage dauern, bei unterschiedlichen Gewässerbedingungen
stattfinden, und zwar in Begleitung von Kameraden, mit denen wir sonst
auch zusammen paddeln.
Gerade der letzte Punkt
sollte nicht vernachlässigt werden. Kaufen wir uns doch ein Paddel, um nicht
langsamer zu paddeln, sondern zumindest mit den Kameraden mithalten zu können.
Einst als ich mal konditionell besonders schlecht drauf war, paddelte ich mit
ein paar Dänen und Deutschen rund die dänische Insel Samsö. In den Händen hielt
ich ein 220 cm Paddel mit großen Paddelblatt. Als ich eine Zwischenetappe mit
über einer halben Stunde Rückstand beendete, reichte mir ein mitfühlender
Kanute sein Reservepaddel - ein kurzes Paddel mit kleinem Paddelblatt -, damit
mir die Schlussetappe nicht so schwer fiel. Das Paddel lag leicht in der Hand,
die beiden Paddelblätter führte ich fast widerstandslos durchs Wasser.
Fantastisch …. das Paddeln fiel mir gar nicht mehr schwer! Das Dumme war nur,
dass ich jetzt noch langsamer unterwegs war. Ich kam mir vor, als ob ich mit
einem Fahrrad mit 8-Gangschaltung unterwegs war, bei dem ich auf gerader
Strecke vom 6. auf den 1. Gang herunter geschaltet hatte, die Kameraden aber im
6. Gang weiter radelten. Okay, beim Fahrrad kann ich ruck-zuck wieder
hochschalten. Beim Paddeln ist das nicht so leicht. Mit meinem Reservepaddel
steht mir nur ein „zweiter Gang“ zur Verfügung.
Eine Lösung liefert mir hier
nur ein Paddel mit einem in der Länge verstellbaren Paddelschaft. Z.B.
lassen sich Lendal-Paddel um 5 cm in der Länge verstellen, Prijon-Paddel um 10
cm. Wer sich folglich zu seinem Hauptpaddel ein bis auf die Länge identisches
Reservepaddel kauft, hätte auf diese Weise die Möglichkeit, einen Paddel
auszuwählen, welches von der Länge her um 10 – 20 cm variieren kann. Eigentlich
müssten wir bei einer solchen Längenvariation die Länge finden, die für uns
ideal ist.
Leider gibt es noch keine verstellbaren
Paddelblätter … aber wer zwingt uns eigentlich, wenn uns die Kraft dazu mal
fehlt, unser Paddelblatt beim Vorwärtsschlag stets voll einzutauchen?
Text: .U.Beier
Quelle: OCEAN PADDLER, Nr.
12/08, S.46-52 – www.oceanpaddlermagazine.com