Stell dir das mal vor:
Du paddelst mit deinem
Seekajak entlang der Küste. Da du weißt, dass eine Kenterung nie ganz
auszuschließen ist, und da dir bewusst ist, dass keiner sicher sein kann, dass
nach einer plötzlichen Kenterung die Rolle immer gelingt, paddelst du nicht
solo und führst stets griffbreit eine tragbare Handlenzpumpe mit. Beim Queren
einer Untiefe unterschätzt du den Seegang und gerätst in schwere Grundseen. Ein Klapotis kentert
dich plötzlich und reißt dir das Paddel aus den Händen. Bei der Handrolle
verlierst du den Schenkelhalt und drückst schließlich mit dem einen Knie die Spritzdecke auf. … und
schon schwimmst du neben deinem Seekajak. Ein weiterer Brecher trennt dich von
deinem Seekajak und nimmt es mit. Der Wind treibt es schneller davon als du
schwimmen kannst! Deinen Mitpaddlern gelingt es trotz des rauen Seegangs, dir
beizustehen. Einer von ihnen sichert dich, d.h. er bietet dir an, dass du dich
bei ihm am Heck seines Seekajaks festhältst. Ein anderer „fängt“ dein Seekajak
ein, hakt es an seine Schleppleine und bringt es zurück zu Dir. Mit vereinten
Kräften wird erst das „X-Lenzen“ und dann der „V-Wiedereinstieg“ praktiziert.
Leider füllt während des Wiedereinstiegs ein Brecher die gerade erst gelenzte
Sitzluke wieder randvoll mit Wasser. Aber was soll’s. Nach gelungenem
Wiedereinstieg schließt du die Spritzdecke, holst die Handlenzpumpe, die du auf
dem Achterdeck verstaut hast, hervor, steckst sie durch den Spritzdeckenschacht
und fängst an zu pumpen, was das Zeug hält. Das gelenzte Wasser fliegt nur so
durch die Luft. Du denkst schon ans Weiterpaddeln, obwohl du erst vier-,
fünfmal gepumpt hast. Plötzlich reißt die Pumpe auseinander. Verdutzt hältst du
den Pumpengriff samt Pumpenpleuel in der einen Hand und den Rest der Pumpe in
der anderen Hand.
Das
genau passierte mir, jedoch zum Glück nicht draußen auf dem Meer bei 6 Bft.
Wind, sondern im Hallenbad bei Windstille. Ich war gerade dabei, ein paar
Seekajakanfängern unter Warmwasserbedingungen zu demonstrieren, wie wichtig es
ist, stets eine Lenzpumpe dabei zu haben.
Im
Prinzip müsste ich mit diesem Versuchsablauf zufrieden sein; denn ich halte
nicht viel von tragbaren Handlenzpumpen. Vielmehr empfehle ich stets, eine
Lenzpumpe fest in sein Seekajak einzubauen; letztlich weil eine tragbare
Handlenzpumpe nicht so effizient & zuverlässig eingesetzt werden
kann. Warum?
Das 3. Problem können wir
umgehen, wenn wir bei nur auf einer Seite geöffneter Spritzdecke lenzen. Aber
dann besteht die Gefahr, dass Brecher – wann kentern wir denn sonst – die
Spritzdecke während des Lenzen aufdrücken und die Sitzluke erneut mit Wasser
füllen. Abhilfe für das 3. Problem bietet lediglich ein Handeingriff, der in
den Spritzdeckenteller eingeklebt wird und bei Bedarf per Rollverschluss
geöffnet werden kann.
Nun kommt dieses
„Haltbarkeitsproblem“ als 4. Problem dazu. Bislang wies ich stets daraufhin,
sich nicht solch eine tragbare Handlenzpumpe zu besorgen, die vielfach in
Segelfachgeschäften angeboten werden und die über einen Pumpenpleuel aus
Plastik verfügen; denn viel zu häufig habe ich erlebt, dass gerade diese
Lenzpumpen – manchmal schon beim ersten Einsatz – nicht zuverlässig
funktionieren. Nun möchte ich auch vor dieser tragbaren Handlenzpumpe warnen,
die ich bei Globetrotter kaufte:
Gesamtlänge 52 cm, gelb, 30,- Euro (Bestell-Nr.
LE.80.801)
Jahrelang gute Erfahrungen
habe ich dagegen mit einer Pumpe gesammelt, die u.a. Prijon anbietet:
Gesamtlänge
47 cm, schwarz, 43,- Euro (Bestell-Nr. 90123)
Wer die Pumpe von
Globetrotter schon hat, sollte auf alle Fälle mal prüfen, ob die einzige
Schraube, die den oberen Pumpenkopf hält, richtig festgezogen ist.
Gegebenenfalls sollte noch eine 2. Schraube den Pumpenkopf sichern. Außerdem
ist es überlegenswert, zusätzlich den Pumpenkopf festzukleben. Übrigens, auch
bei der Prijon-Pumpe sichert nur eine Schraube den oberen Pumpenkopf, aber auch
mit abgedrehter Schraube, lässt sich der Pumpenkopf nicht lösen.
Was für fest eingebaute
Lenzpumpen sind m.E. empfehlenswert?
(siehe hierzu: www.tourenkajak.de/lenzpumpen.htm
)
Der
Pumpenschlauch sollte nicht senkrecht von der Pumpe bis in den Fußraum ragen
(Mancher Kanute ist während einer Kenterung daran hängen geblieben und hat in
der Panik die halbe Pumpe herausgerissen!), sondern seitlich entlang geführt
und hinter dem Sitz festgeklebt werden. Es handelt sich hier um die
leistungsfähigste mechanisch betriebene Lenzpumpe. Leider werden immer mehr
Seekajaks mit einer zusätzlichen Luke auf dem Kartendeck angeboten.
Diese
Pumpe ist ein MUSS für Solo-Küstenkanuwanderer; denn nach einer Kenterung bei
Seegang benötigt nach dem Wiedereinstieg der „Kenterbruder“ beide Hände für das
Paddel, wenn er nicht wieder erneut kentern möchte. Leider ist die Fußlenzpumpe
nicht sehr effizient. Außerdem ist es sehr mühsam, ca. 15 Minuten mit den Füßen
zu pumpen.
Weiterhin gibt es sog. „Schenkelpumpen“,
die einem jedoch beim Ein- und Ausstiegen stark behindern können.
Schließlich hatte ich über
Jahre eine E-Lenzpumpe in meinem Seekajak eingebaut gehabt. Solche
Pumpen bedürfen der lfd. Wartung. Wer nichts von Elektrik versteht, soll davon
Abstand nehmen, solch eine Pumpe einzubauen. Abgesehen davon gibt es bei den
E-Pumpen fertigungsbedingt starke Leistungsschwankungen. Aber ich streite nicht
ab, wenn die E-Pumpe funktioniert, dann macht es richtig Spaß zu lenzen. Und
wenn sie mal nicht funktionieren will, obwohl sich die Pumpe dreht, dann bittet
einfach einen Mitpaddler, mit dem Mund am Pumpenauslass Wasser anzusaugen. Ach
ja, manchmal können E-Lenzpumpen auch einen Kurzschluss haben. Dann
laufen sie plötzlich los, ohne dass sie angestellt wurden. Gegebenenfalls
reicht dann ein Schlag auf den Pumpenschalter bzw. die E-Pumpe, um die Pumpe
wieder abzustellen. Schließlich passiert es mir auch mal, dass ich unterwegs
versehentlich den Pumpenschalter betätigte, ohne dass ich das Pumpengeräusch
hörte. Anschließend war die Batterie leer und das 6 Tage
vorTourenende.
Text: U.Beier