Erstmals
ist mir das Seekajak des britischen Herstellers P&H
DELPHIN
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Material:
PE Corelite (dreilagig)
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Länge:
472 cm
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Breite:
57 cm
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Volumen:
290 Liter (Pre-Production) (?)
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Cockpit:
81x42 cm (Abmessung innen)
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doppelte
Abschottung mit 2 elastischen Gepäcklukendeckeln
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keine
eingebaute Lenzpumpe, dafür Tagesluke auf dem Vorderdeck
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Deckshöhe:
33,5 cm (vorne)
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Gewicht:
26,5 kg
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Link:
www.phseakayaks.com
vor
Monaten schon in der Werbung aufgefallen, und zwar wegen seiner recht
untypischen Form, die wohl fast ausschließlich begünstigen soll, dass das Boot
gut mit der Welle surft, ohne dass es dabei dazu neigt, in die Welle zu bohren
(stechen).
Erreicht
wird dies mit Hilfe:
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eines
relativ voluminösem Bugs,
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eines
Bugs, der nur über wenig Überhang verfügt,
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eines
gefirsteten Vorderdecks,
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einer
Sitzluke, die etwas nach hinten versetzt ist,
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eines
Kielsprungs, der insbesondere im Bugbereich etwas ausgeprägter ist,
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eines
recht flachen, wenig voluminösem Achterdecks.
D.h.
aufgrund des relativ hohen Bug-Volumens, der etwas nach hinten versetzten
Sitzluke und des Kielsprunges im Bugbereich taucht der Bug beim Surfen nicht so
leicht in die vordere Welle. Unterstützt wird das zusätzlich dadurch, dass das
weniger voluminöse Heck von der hinteren Welle nicht so leicht angehoben wird
und dadurch keine extra Kraft auslöst, die bei den konventionelleren
Bootsformen dazu beiträgt, dass der Bug nach unten gedrückt wird und dadurch
ins Bohren gerät. Sollte aber dennoch mal ein Bohren nicht zu verhindern sein,
dann ermöglicht das gefirstete Oberdeck, dass der Bug leichter wieder
auftauchen kann!
So weit
so interessant. Ein solches Seekajak mag wohl ideal zum „Tidalracen“, d.h. zu
Spielen in den britischen Gezeitenströmungen geeignet sein, aber empfiehlt sich
solch ein Seekajak auch zum Küstenkanuwandern über das Wochenende entlang der
deutschen Küste?
Rein theoretisch – ich habe bislang
nur bei GADERMANN im DELPHIN gesessen – spricht Folgendes dafür:
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Mit
einem Volumen von 290 Liter zählt der DELPHIN zu den niedrig volumigen
Seekajaks (sog. S-Klasse, die bis 300 Liter reicht). In Anbetracht der großen
Sitzluke (81x42 cm) und der weit nach vorne platzierten Bug-Schottwand müsste der
DELPHIN auch für schwerer (bis 90 kg?) und größere Kanuten (bis 185 cm?)
geeignet sein, sofern sie mit ca. 120 Liter (?) geschlossenen Stauraum plus
zusätzlichem Stauraum vor den Füßen auskommen.
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Ebenfalls
dürfte auch die Länge des DELPHIN von 472 cm als
unproblematisch anzusehen sein. Damit zählt dieses Seekajak wohl zu den
kürzeren und u.U. wegen der bremsenden Wirkung des Kielsprungs auch zu den
langsameren (zumindest was den Geradeauslauf betrifft, nicht jedoch das
schnelle Kurven fahren!), wenn da nicht die relative lange Wasserlinienlänge
wäre, die auf den geringen Bugüberhang und den fehlenden Hecküberhang
zurückzuführen ist. Die Realität wird zeigen, ob diese längere
Wasserlinienlänge die bremsende Wirkung des Kielsprunges kompensieren kann!?
Rein theoretisch spricht aber
Folgendes dagegen:
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Bugvolumen,
Sitzposition, der „bugbetonte“ Kielsprung und das „abgeschnittene“ Heck
erschweren u.U. das Starten in die Brandung; denn der Bug
schwimmt im flachen, von Brechern überspülten Sandbereich sehr schnell auf,
während das Heck noch im Sand festhängt. Wenn dann nicht aufgepasst wird, ist
nicht auszuschließen, dass der DELPHIN quertreibt …. und ein neuer Startvorgang
mit allem Drum & Dran (= Aussteigen, Seekajak neu ausrichten, einsteigen,
starten) wäre einzuleiten!?
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Hat
man es jedoch geschafft, den DELPHIN vom Strand frei zu bekommen, steht als
nächstes das Durchfahren der höheren Brandung an. Es ist dann nicht
auszuschließen, dass wegen der oben genannten drei ersten Kriterien der DELPHIN
zum Kerzen neigt und u.U. vom Brecher wieder zurück an
den Strand getrieben wird!?
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Hat
man die Brandung überwunden, dürften einen Paddeln gegen die Welle problemlos
sein und mit der Welle eigentlich auch; denn für letzteres ist ja der DELPHIN
eigentlich konstruiert. Aber aufgrund des flachen und wenig voluminösen
Achterschiffs vermute ich jedoch, dass der DELPHIN sich bei kleineren Wellen
gar nicht so leicht surfen lässt; denn die von achtern einlaufende Welle hebt
nämlich das wenige voluminöse, vom Kielsprung wenig profitierende Achterdeck
kaum an, sondern läuft einfach durch, bevor man zu spurten anfängt!?
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Und
wie sieht es mit den Fahreigenschaften bei seitlichem Wind aus? Nun,
Bugvolumen, Sitzposition, Kielsprung und flaches Heck müssten dazu führen, dass
der DELPHIN zur Leegierigkeit tendiert. Beim Surfen mit Wind & Welle ist
das gewünscht, aber nicht bei Seitenwind. Ich bezweifele es, dass es mit dem
einziehbaren Skeg gelingt, diese Leegierigkeit in den Griff zu bekommen; denn
mit dem Skeg kann man eine Luvgierigkeit kompensieren. Die Leegierigkeit
dagegen bekommt man jedoch nur dann weg, wenn man auf dem Achtdeck z.B. einen
wasserdichten Sack packt!? Ansonsten hilft gegen diese Leegierigkeit nur die
entsprechend Paddeltechnik (= Rundschläge, Bug-/Heckruder; Ankanten). Übrigens,
u.U. wird die Effizienz des Ankanten durch die beiden
„Knicks“ im Heckbereich des DELPHIN erhöht. Zumindest dürfte dies das „Spielen“
im Seegang erleichtern, ob man jedoch mit dem DELPHIN bei Seitenwind mühelos
„Strecke“ paddeln kann, müsste ein Praxistext zeigen.
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Diese
mögliche Tendenz zur Leegierigkeit kann einem jedoch auch beim Gegenwindpaddeln
Probleme bereiten. Zum einen erschwert die Leegierigkeit einem das Drehen des DELPHIN von einem Seitenwindkurs gegen den Wind. Und zum anderen
erschwert die Leegierigkeit einem anschließend, den Gegenwindkurswind zu
halten. Das gilt insbesondere dann, wenn der Gegenwind so stark ist, dass er
einen daran hindert, Tempo zu machen; denn dann kann es durchaus passieren,
dass der DELPHIN quertreibt und nur noch mit großen Kraftanstrengungen wieder
auf Kurs zu bringen ist!?
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Last
not least ist noch auf das Problem mit dem Lenzen nach einer Kenterung mit
Ausstieg hinzuweisen. Der DELPHIN verfügt nämlich über keine fest eingebaute
Lenzpumpe. Weder ist es möglich. auf dem Vorderdeck eine Lenzpumpe zu
installieren, da sich dort eine Tagesgepäckluke befindet, noch ist es sinnvoll,
auf der Bug-Schottwand eine Fußlenzpumpe zu montieren, da diese Schottwand so
weit vorne festgeklebt ist, dass sie kaum einer mit den Füßen erreichen dürfte.
Reicht denn nicht eine tragbare Handlenzpumpe? Nun, die ist besser als gar
nichts, erschwert aber wesentlich das Lenzen nach einer Kenterung mit Ausstieg
im Seegang.
Da ich
in meinem Urteil über die Fahreigenschaften des DELPHIN
nicht ganz sicher bin, hatte ich gehofft, dass der erste Testbericht über den
DELPHIN im britischen Magazin OCEAN PADDLER, Nr. 23/10, S.56-58, zur Aufklärung
beiträgt. Nun, um es kurz zu machen, der Bericht ist eine einzige Lobeshymne
auf den DELPHIN. Kritische Anmerkungen findet man nicht. Selbst bei der Angabe
der technischen Daten taucht ein offensichtlicher Widerspruch auf, der nicht
kommentiert wird. So spricht der im Beitrag nicht genannte Autor davon, dass
der DELPHIN 460 cm lang, 53 cm breit ist und über ein Volumen von 236 Liter
verfügt. Er ignoriert dabei jedoch, dass der Hersteller völlig andere Daten
nennt: nämlich 472x57cm und 290 Liter Volumen. Ich bin daher sehr skeptisch,
was der Autor über den DELPHIN schreibt. Lediglich die folgende Einschätzung
teile ich mit ihm:
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The DELPHIN „is a day boat and
playboat to ocean paddler.“
D.h.
der DELPHIN scheint also nichts für Nord- und Ostseepaddler zu sein, die mit
dem Seekajak mehrere Tage die Küste entlang wandern wollen.
Wer sich
einen ersten Eindruck vom DELPHIN verschaffen möchte, der möge den
folgenden Link:
http://www.oceanpaddlermagazine.com/767420012007-0000084762118/OP23=fpritahx876hn2/OP23-emag.pdf
anklicken
und das eindrucksvolle Foto eines im Tidalrace surfenden DELPHIN auf S.2 und
den Testbericht auf S.56-58 abrufen.
Wer sich
jedoch einen persönlichen Eindruck verschaffen will, der möge mal den
DELPHIN bei realistischen Gewässerbedingungen zur Probe fahren und darauf
achten, ob ich mit meiner Einschätzung der Fahreigenschaften dieses britischen
PE-Seekajaks wirklich so falsch liege!?
Übrigens,
P&H hat viel vor mit dem DELPHIN. Ihn soll es bald auch noch in einer PE-Ausgabe
für kleinere und für größere Paddler geben und außerdem in einer Variante aus
Glasfaserverbundstoffen.
Text: Udo Beier