Im
KAJAK-MAGAZIN stellt Jörg Knorr in
dem Beitrag:
„Paddeln im Winter: Was zieh’ ich
an?“
vor, was
alles zur Kälteschutzbekleidung gehört. Er geht dabei u.a. auf Folgendes ein:
·
Trockenanzug
inkl. der richtigen Unterbekleidung;
·
Neopren
inkl. der möglichen Zusatzbekleidung;
·
Paddeljacke
und –hose;
·
sowie:
Fuß-, Hand- und Kopfbekleidung.
Augenscheinlich
zu Recht weist er darauf hin, dass letztlich die Art der Kälteschutzbekleidung
davon abhängt, was wer (Anfänger oder Fortgeschrittener) vorhat:
·
Auf
was für ein Gewässer (flach oder tief; wellig ohne oder mit Brechern)
·
geht
es bei welchem Wetter (sonnig oder windig; kalt oder eisig)
·
wie
weit weg vom sicheren Ufer (zum Greifen nah oder weit weg)
·
wie
lange (Spritz- oder Gepäcktour)
·
und
zu welchem Zweck (z.B. Wellenreiten oder Kanuschlendern)?
Nun, für
eine Sommertour mag das zutreffen, aber auch für eine Wintertour bei Luft- und
Wassertemperaturen von unter +5° C? Der Autor schreibt dazu:
„Jedoch gibt es im Winter auch
phantastische Tage mit Sonne satt und windstillen Wetterfenstern. Ist man unter
solchen Bedingungen in Ufernähe eines Wiesenflüsschens unterwegs, muss man
nicht unbedingt in „Spezialkleidung“ gehüllt sein. Ganz normale wetterfeste
Klamotten tun es in solchen Situationen auch. …. In wirklich kaltes Wasser
fallen oder kentern sollte man allerdings (damit) nicht. Die Gefahr des
schnellen Auskühlens ist so, selbst nach erfolgreicher Rolle oder
Wiedereinstieg, einfach höher.“
Letztlich
sollte man daraus folgern, dass bei jeder Tour, bei der das Ufer nicht zum
Greifen nah und das Wasser tiefer als hüfthoch ist, möglichst maximaler Kälteschutz
angesagt ist; denn gerade im Winter dient der Kälteschutz nicht so sehr als
Schutz vor kalter Luft, sondern in erster Linie als Schutz vor kaltem Wasser!
Jörg Knorr zeigt eigentlich die wichtigsten
Ausrüstungsteile in Sachen Kälteschutz in aller Kürze, aber anschaulich
bebildert (22 Fotos) auf. Folgendes ist jedoch anzumerken:
Unmissverständlich
wird zum Ausdruck gebracht, dass „der Trockenanzug
für Paddler mit erhöhtem Risikopotential in Sachen Kenterung erste Wahl ist“.
Aber es fehlt ein deutlicher Hinweis, dass man sich bei Trockenanzügen – nicht
nur - im Winter nur noch für solche entscheiden sollte, die über Füßlinge
verfügen (nur die gewähren einen absoluten Schutz gegen nasse Füße). Außerdem
sollten sie nicht mit Latexabdichtungen (hier: im Hals-, Handgelenk- und
Knöchelbereich), sondern mit Neoabdichtungen ausgerüstet sein. Die
Latexabdichtungen sind einfach zu empfindlich und reißen bei Kälte noch
leichter ein als bei Wärme. Natürlich halten die Neoprenabdichtungen nicht ganz
so dicht, aber Latexabdichtungen (Manschetten) schaffen es auch nicht, Hand-
und Fußgelenke bei Bewegung 100% wasserdicht zu umschließen. Deshalb bieten
einige Hersteller auch Trockenanzüge an, die sowohl bei den Handgelenken über
Latex- als auch Neomanschetten verfügen.
Beim
Kopfschutz werden nicht die Neopren-Kopfhaube, sondern nur eine
„Neoprenkappe“ und eine „Fleece-Sturmhaube“ erwähnt. Gerade aber die Neohaube
trägt wesentlich mit zur Vermeidung des Kälteschocks während einer Kenterung
und der Hinauszögerung der anschließenden Unterkühlung bei (heißt es doch, dass
ca. 30% der Wärme über den Kopf abgestrahlt wird).
Paddelpfötchen werden übrigens als „super
Alternative“ angepriesen, was jedoch nur dann zutrifft, wenn man Paddelpfötchen
verwendet, die über eine rund Öffnung verfügen, die von allein offen bleibt,
sodass man in sie ohne Hilfe der zweiten Hand schnell hineinschlüpfen kann.
Solch Paddelpfötchen werden derzeit leider nur ganz vereinzelt angeboten.
Übrigens, was macht man aber mit den Paddelpfötchen, wenn man kentert und
aussteigen muss? Nun, dann fehlt der entsprechende Kälteschutz für die Hände,
außer man hat zusätzlich Neoprenhandschuhe griffbereit gelagert!
Schließlich
fehlt eine Anmerkung in Sachen Rettungswesten. Etwa weil sie kaum
Kälteschutz bieten? Deshalb tragen manche Kanuten sogar im Sommer eine
Schwimm-, statt eine Rettungsweste! Aber was ist bei Kälte zum Thema
Rettungsweste hervorzuheben? Nun, die beim Paddeln verwendeten Rettungswesten
funktionieren halbautomatisch, d.h. nur bei Handauslösung bläst die
Pressluftpatrone den Schwimmkörper automatisch auf. Was aber passiert, wenn man
im eiskalten Wasser kentert und wegen eines Kälteschocks nicht in der Lage ist,
die Handauslösung vorzunehmen? Deshalb empfiehlt sich bei Wintertouren auf
Gewässern ohne spritzenden Seegang, die Rettungsweste von Handauslösung auf
automatische Auslösung umzustellen. Bei den meisten Rettungswesten ist das
möglich. Es wird dann in den Auslösemechanismus ein Sperrriegel entfernt und
dafür eine Tablette eingesetzt, die bei Nässe sich sofort auflöst und dadurch
den Pressluftvorgang auslöst.
Zum
Schluss möchte ich noch auf ein paar Daten verweisen, die mit aller
Deutlichkeit die Überlegenheit des Trockenanzugs aufzeigen. Die Daten stammen
von Golden/Tipton: Essentials of Sea Survival (2002, S.131) und zeigen bei +5°
C Wassertemperatur die Zeit bis zur Bewusstlosigkeit bei unterschiedlicher
Bekleidung auf:
·
Trockenanzug
= mind. 5 Std.
·
Neoanzug
(5 mm) =
·
Kleidung
(normale) =
·
nackt
=
Text: Udo Beier
Quelle: KAJAK-MAGAZIN, Nr. 1/11, S.46-51 – www.kajak-magazin.com