Über die Seekarte erfahren
wir, welche Fahrwassertonnen für uns Küstenkanuwanderer von Interesse sind. Mit
Hilfe eines Kompasses können wir dann ableiten, in welche Richtung wir schauen
müssen, um von den anzupeilenden Tonne die nächste zu finden.
Was machen wir aber, wenn
wir trotz Suche die Tonne vor uns nicht entdecken können?
1. Kompass & Karte: Wir paddeln einfach - unter Einbeziehung einer
möglichen Strom- bzw. Windabdrift - in
die vom Kompass vorgegebene Richtung und suchen so nebenbei ständig den vor uns
liegenden Horizont nach der gesuchten Tonne ab. Gleichzeitig ermitteln wir in
etwa die Strecke bis zur nächsten Tonne und die Zeit, die wir in etwa benötigen,
um diese Tonne zu erreichen. Wenn die Zeit abgelaufen und die Tonne immer noch
nicht gefunden ist, peilen wir die nächste auf unserer Route liegende Tonne
oder ein für uns wichtiges terrestrisches Merkmal an. Kann es doch durchaus
sein, dass die gesuchte Tonne verlegt, verdriftet, verholt oder versunken ist.
2. GPS: Wir schalten unser GPS-Gerät ein, rufen die Koordinaten des
Wegepunktes auf, der für die gesuchte Tonne steht, und lassen uns dann vom GPS
zu dieser Tonne leiten. Sollten wir diesen Wegepunkt vorher noch nicht
eingespeichert haben, können wir das vor Ort unterwegs auf dem Wasser
nachholen, sofern Wind & Welle das erlauben und auf der Seekarte die
Koordinaten bis auf die Minute genau ablesbar sind. Wer da nur mit
Kartenausschnittskopien navigiert, könnte dann Probleme bekommen, insbesondere
wenn die Kopie aus der Seekarte und nicht dem Sportbootkartensatz stammt sowie
die Ränder mit den Gradangaben nicht mit kopiert wurden.
3. Fernglas: Wir holen – sofern vorhanden – unser wasserdichtes
Fernglas heraus und suchen den Horizont nach der gesuchten Tonne ab. Aber: Auf
dem Wasser ist das nicht so leicht, wie an Land; denn u.U. befinden sich vorne und
hinten auf den Gläsern des Fernglases Spritzwasser- bzw. Regentropfen, die die
Durchsicht erschweren, insbesondere wenn man dann noch selber Brillenträger
(eine Sonnebrille tu’s auch) ist und die Brillengläser nass bzw. salzverkrustet
sind. Wenn dazu noch Seegang herrscht, wird das mit der Durchsicht kritisch,
und zwar nicht erst dann, wenn man eigentlich mit beiden Händen das Paddel
halten muss, sondern auch schon allein aufgrund der „gefühlten“ Wackligkeit;
denn das Wackeln des Seegangs wird durch ein Fernglas verstärkt, und zwar bei
einem Fernglas mit 5-facher Vergrößerung um das 5-fache und bei einem Fernglas
mit einer 10-fachen Vergrößerung sogar um das 10-fach. Deshalb verfügen die
üblichen Marine-Ferngläser für Segler nur über eine 7-fache Vergrößerung, weil
darüber es bei Seegang kaum noch möglich ist, etwas mit Hilfe des Fernglases zu
erkennen. Ich selber habe sogar, die Erfahrung gemacht, dass beim
Küstenkanuwandern unterwegs auf dem Wasser ab 3 Bft. Wind selbst ein Fernglas
mit 5-facher Vergrößerung keine große Hilfe beim Entdecken bzw. Identifizieren
von Tonnen und Landmarken ist. Auf Land sieht das natürlich völlig anders aus,
aber da steht man ja auch auf festem Untergrund und schaut mit einer frische
geputzten Brille durch ein Fernglas, dessen vier Gläser vorher im Bedarfsfall
ebenfalls geputzt sind und man hat
dazu keine Angst bei der Suche zu kentern..
Für diejenigen, die trotz
allem beim Küstenkanuwandern ein Fernglas für erstrebenswert halten, sei der
folgende von Th.Bock verfasste
Beitrag:
„Ins Glas geschaut“
empfohlen, der in der YACHT
erschien und die Testdaten von insgesamt 15 marinetauglichen Ferngläsern der
Größe 7x30 bis 8x42 veröffentlicht.
„Testsieger“ wurde das Glas „Ultravid 7x42 HD“ von LEICA, u.a.
wegen:
Das beste „Preis-Leistungs-Verhältnis“
wies das Glas „Commander 7x30“ von STEINER auf, u.a. wegen:
Das billigste Glas
war das „H2O 8x25“ von BUSHNELL. Es schnitt u.a. wie folgt ab:
Wobei Folgendes unter diesen
technischen Eigenschaftsmerkmalen zu verstehen ist:
Kollimation: ein Maß für die korrekte parallele Montage der
beiden Fernglashälften als Indikator für die Schärfe des Bildes;
Auflösung: ein Indikator für die Schärfe des Bildes;
Transmission: ein Indikator für die Lichtdurchlässigkeit der
Gläser; je höher der Wert desto verlässlicher ist die Sicht bei Dämmerung bzw.
Nacht;
Wasserdichtigkeit: bis 3 m getestet.
Übrigens, zum Test zählte
auch eine Hitze-, Kälte- und Vibrationstest.
Text: Udo
Beier
Quelle: YACHT,
Nr. 22/11, S.90-95 – www.yacht.de