04.12.2001 Rungholt: Der zweite Untergang
(Geschichte)
Im HAMBURGER ABENDBLATT berichtet INA
ROMETSCH über das am 16.01.1362 bei Orkan ins Meer (heute: nordfriesisches
Wattenmeer) versunkene Dorf Rungholt. Ihm widmete einst Detlev von Liliencrons
das Gedicht "Trutz blanke Hans", das wie folgt endete: "... Ein
einziger Schrei - die Stadt ist versunken. Und Hunderttausende sind ertrunken.
Wo gestern noch Lärm und lustiger Tisch, schwamm andern Tags der stumme
Fisch."
Erst 1921 fand der Landwirt und
Hobby-Archäologe Andreas Busch im Watt westlich der Hallig Südfall Pfähle einer
mittelalterlichen Schleuse, Warften und Pflugspuren und erklärte sie zu den
Überresten von Rungholt, obwohl es auch die vom Nachbardorf Fedderingman-Capell
hätte sein können. Später fand man noch andere Dinge, woraus man schloss, dass
Rungholt ein Dorf mit etwa 1000 Einwohnern, Kirche und Hafen war. Die Menschen
bauten Häuser auf Warften, hielten Schafe und lebten von der Landwirtschaft.
"Der Grund für das jähe Ende lauerte unter dem Meer: Rungholt war genau
über einem eiszeitlichen Tal gebaut, das mit Sedimenten, zum Beispiel Sand,
aufgefüllt war. Bei der großen Flut sackte der lose Untergrund einfach ab - und
nahm Rungholt mit."
Aus archäologischer Sicht ist Rungholt
"ein ganz normales mittelalterliches Dorf, dessen Gebiet unter den
Meeresspiegel abgesackt ist".
Quelle: HAMBURGER ABENDBLATT v. 04.12.01
Buchtipp: Hans-Herbert Henningsen: Rungholt.
Der Weg in die Katastrophe, Husum Verlag, Band 1 + 2, je DM 39,80