14.03.2005
Navigationsmethoden (Geschichte)
Im
SEEKAJAK geht Dr. Albrecht Sauer (Deutsches Schifffahrtsmuseum) in dem Beitrag:
„Navigation
der Wikinger“
auf
die historische Entwicklung der Navigation ein. Folgendes mag von besonderem
Interesse sein:
- „In der Frühgeschichte des
Seeverkehrs folgte man grundsätzlich der Küste und das auch nur bei Tag.
Bei längeren Fahrten zog man die Fahrzeuge nachts auf den Strand. Hierbei
folgte man festen, immer wieder befahrenen Routen, die zumindest einer an
Bord bzw. in der Flotte kennen musste. … Charakteristische Landmarken
dienten zur Orientierung.“
- „Künstliche Landmarken wurden …
schon sehr früh errichtet, die ein Wiedererkennen einer Passage oder eines
Landfalles erleichterten. Aus skandinavischen Gewässern sind noch heute
die weißen Steinhaufen bekannt. Sie sind bereits zur Wikingerzeit
nachweisbar.“
- „Derartige Informationen (wurden)
als mündliche Segelanweisung weitergegeben. … Im Spätmittelalter fanden
sie als mündliche Segelanweisungen mancherorts Eingang in die ersten
schriftlichen Segelanweisungen (Seehandbücher).“
- Navigiert wurde damals mit Hilfe
von „Deckpeilung“ (z.B. zwei Kirchtürme, die hintereinander stehen müssen)
und „Tiefenangaben“ (gemessen per Handlot erstmals nachgewiesen 479 v.
Chr. in Ägypten).
- Der Kompass wurde in Europa
erstmals 1187 erwähnt: „… Die Seeleute verwendeten eine durch einen
Strohhalm gesteckte Nadel, die zuvor mit einem Magnetstein bestrichen
werde – und damit magnetisch ist -, und würfen sie in eine Wasserschüssel,
sodass sie sich frei drehen und nach dem Nordstern weisen kann.“
- 1391 wird – was als Indiz für die
Verwendung eines Kompass anzusehen ist - erwähnt, dass „in der Astronomie
der Horizont in 24 Stunden eingeteilt werde, die Seeleute hingegen mit 32
Strichen rechneten.“
- Ein weiteres navigatorisches
Hilfsmittel kann die „Erhöhung der Augenhöhe“ eingestuft wereden, um auf
diese Weise „die Horizontdistanz zu vergrößern, (d.h. es wurde) auf den
Mast gestiegen, um von dort Ausschau nach Landmarken zu halten.“
- Ebenfalls wurden zu
navigatorischen Zwecken Informationen über Tiere ausgewertet:
„Verschiedene Seevögel (z.B. Papageientaucher) fliegen morgens weit
hinaus, um abends zurückzukehren.“
- „Auch alle Kennzeichen der See
selbst, Wasserfarbe, -temperatur, -geruch und –geschmack, besonders aber
die Dünung können zu einer Richtungsbestimmung herangezogen werden.
Fischer der Shetlands etwa hatten … für die grundsätzlich aus SW
heranlaufende Atlantikdünung eine eigene Bezeichnung: ‚moder dai’
(Mutterwelle)… „
- „… der Wind selbst gibt Hinweise
auf die gesegelte Richtung: Kenntnis der Winddrehungsgesetze beim Durchzug
von Zyklonen und die Beachtung der vorherrschenden Richtung des
Höhenwindes oder von charakteristischen Wolkenformationen über Inseln und
Küsten darf man wohl bei allen Schiffern (im 12. Jh.) voraussetzen.“
- „Die Kenntnis der täglichen
Sonnen- und Mondbahn, der wichtigsten Sternkonstellationen am Nachthimmel
darf man wohl jedem mittelalterlichen Hochseeschiffer unterstellen.“
- „Das (navigatorische)
Verfahrens-Repertoire mittelalterlicher Schiffer ist stets durchweg
untheoretisch, nicht-abstrakt, ein Handeln durch die Dinge hindurch.
Gerätschaften – auch dem Kompass – wurde eher misstraut, als dass man sie
begeistert als neue Hilfsmittel begrüßt hätte. Das zeigt auch die spätere
Geschichte der Nautik immer wieder und passt ebenso zur normalen
Biographie der damaligen Seeleute, die ja im Regelfall keine Menschen mit
einer höheren oder gar wissenschaftlichen Ausbildung waren, sondern
Menschen, die ihr nautisches Handwerk durch Erfahrung – Befahrenheit, wie
der Seemann sagt – lernten.“
Zum
Schluss weist A.Sauer darauf hin, dass „auch
heute die aufmerksame Beobachtung der See, des Himmels und der umgebenden Küste
unverzichtbar ist. Aber darüber hinaus sollten zweifellos alle uns heute
verfügbaren navigatorischen Hilfsmittel genutzt werden, denn die See – so schön
sie ist – kann durchaus humor- und gnadenlos sein. lch denke dabei als
Historiker nicht nur an den grönländischen Inuit, der 1577 in seinem Kajak
trockenen Fußes, aber tot an der holländischen Küste angespülte wurde, sondern
auch an die zwei müden Kajakfahrer, die ich vor wenigen Jahren in Helgoland
sprach. Sie waren von Cuxhaven gekommen und hatten lediglich eine Seekarte und
einen Kompass dabei. Am Tag zuvor war auf dieser Route schlagartig dichter
Nebel aufgekommen und die Hafenmole erst aus knapp 50 m Entfernung zu sehen
gewesen. …“
Quelle: SEEKAJAK, Nr. 95/05, S.61-65 – www.salzwasserunion.de