27.09.2004
Aufwärmen & Dehnen (Gesundheit)
Im
SEEKAJAK stellt Heiko Asseln in dem Beitrag:
„Aufwärmen und
Dehnen für Seekajakfahrer“
u.a.
5 Dehnübungen im Beinbereich und 10 Dehnübungen im Oberkörperbereich vor, die
man am Land bzw. im Boote anwenden kann. Diese werden auf 2 Seiten konzentriert
bildlich & textlich vorgestellt, sodass man die Möglichkeit hat, diese
Übungen auf einen Blatt zu kopieren und zu laminieren, um sie unterwegs immer
dabei zu haben.
Zu
den Aufwärmübungen findet man dagegen nur einen 5-Zeiler mit dem Hinweis auf
ca. 10 Minuten lockeres Laufen mit verschiedenen Schrittfolgen.
Man
kann wohl die Meinung vertreten, dass mit diesen „Gymnastikübungen“ einige
versuchen, die sportliche Note des Seekajakfahrens zu betonen. Fußwanderer
machen ja vor Antritt einer Wanderung auch keine Lockerungsübungen, warum sollen
es dann Küstenkanuwanderer tun? Insbesondere für Küstenkanuwanderer müsste es
doch genügen, nach dem Start zunächst etwas langsamer zu paddeln, um sich auf
diese Weise warm zu fahren!
Was
aber ist, wenn es gleich zur Sache geht (z.B. Brandung, Surfbedingungen,
Gegenwindpaddlen)? Das ist durchaus vergleichbar mit einem Fußballer auf der
Reservebank, der erst dann aufs Spielfeld läuft, wenn er sich vorher aufgewärmt
& gedehnt hat.
Abgesehen
davon unternimmt man vielfach die größten und ungewohntesten körperlichen
Anstrengungen beim Transport des Kajaks und Gepäcks vom Pkw bzw. Zelt zum
Wasser sowie beim Packen des Bootes, sodass man konsequenterweise eigentlich
die Aufwärm- & Dehnübungen vor Beginn dieser ganzen Packerei &
Transportiererei und nicht erst vor dem Start aufs Wasser ansetzen sollte.
Weiterhin
stellt sich die Frage, ob nicht auch unterwegs auf dem Wasser, nachdem man
einige Zeit gepaddelt ist, ein paar Lockerungsübungen anzusetzen sind. Das gilt
insbesondere für jene Kanuten, die empfänglich für Sehnenscheidenentzündungen
sind. Gerade bei rauen Gewässerbedingungen auf Gegenwindkurs neigen manche
dazu, verkrampft zu paddeln. Da können ein paar Lockerungsübungen – die immer
wieder für ein paar Sekunden, quasi zwischen den einzelnen Paddelschlägen mal
vorgenommen werden - u.U. zur Entspannung von Muskel und Sehnen beitragen.
Außerdem
wird aus physiotherapeutischer Sicht immer wieder darauf hingewiesen, dass das
Dehnen insbesondere am Ende einer sportlichen Betätigung vorgenommen werden sollte,
um einer Verkürzung der Muskulatur vorzubeugen. Kanuten, die jahrzehntelang
dies beharrlich ignorieren, kann man zum einen an ihrem „Paddler-Buckel“
(Verkürzung von Schulter-, Brust- und Nackenmuskulatur) und zum anderen an
ihren „Leiden“ (paddlertypisch: Schulter- und Nackenprobleme) erkennen.
Schließlich
halte ich gerade beim Paddeln die Aufwärmübungen, nachdem man das Kajak
verlässt, für diskutabel, und zwar was den Unterkörper betrifft. Da sitzen
viele vom Becken abwärts recht steif und etwas unterkühlt stundenlang in ihren
Kajaks und vernachlässigen, dass ca. 30% der Paddelarbeit eigentlich in der
Beinarbeit besteht. Nachdem Anlanden wird dann die Unterkörpermuskulatur von 0%
auf 100% gefahren: z.B. man springt rasch aus der Sitzluke und zieht in aller
Eile das Kajak aufs Trockene, damit der nächste Brecher das Kajak nicht wieder mit ins Wasser nimmt, anschließend
schleppt man es u.U. allein über tiefen Sand und steile Böschungen. Man braucht
sich dann nicht zu wunden, wenn die Muskelfasern der kalten Waden reißen.
Heiko
Asseln trägt diesen Punkten teilweise Rechnung. So schlägt er vor, sofern die
Gewässerbedingungen es erlauben, nicht die ganze Palette der Dehnübungen an
Land auszuführen (nur 5 Übungen), sondern einige auch aufs Wasser zu verlagern
(weitere 10 Übungen). Seine Motivation dafür scheint jedoch mehr darin zu
liegen, den aufs Wasser drängenden Kanuten die Wartephase an Land zu verkürzen
und sie zu motivieren, wenigstens anschließend auf dem Wasser eine paar
Dehnübungen zu machen. Lockerungsübungen unterwegs quasi zwischen den
Paddelschlägen werden von ihm gar nicht angesprochen. Dafür weist er deutlich
auf die jede Paddelei beendenen Dehn- und „Abwärm“-Übungen hin: „Eine
sehr hohe Selbstdisziplin erfordert das Dehnen nach der abgeschlossenen
Paddelaktivität, es ist gleichzeitig die Phase, die am wichtigsten und
effektivsten ist.“
Quelle: SEEKAJAK, Nr. 93/04, S.30-33 – www.salzwasserunion.de