10.10.2004 Dehnen: In or Out? (Gesundheit)
Ist nun das Dehnen in oder out? Es gibt
eine Menge Literatur darüber, wie man dehnen oder stretchen soll und man sieht
unterwegs immer wieder Leute, die beim Sport Dehnübungen machen. Nutzt und
hilft das? Lebt das Dehnen nur vom „Placebo-Effekt“ oder schädigt es sogar? Bis
sich die „Wahrheit“ herumgesprochen hat, dauert es immer einige Zeit, und bis
dann auch der Letzte nicht mehr sich dehnt & streckt, dauert es noch eine
Weile länger.
Wolfgang Bisle hat im SEEKAJAKFORUM.de
(8.10.04) auf Links verwiesen, die das Dehnen gar nicht so positiv sehen. Ich
möchte die Ergebnisse vorweg nehmen:
Wer nun neugierig geworden ist, kann
das alles in den folgenden Links nachlesen:
„Dehnübungen
schaden oft mehr als sie nutzen“
è www.aerztlichepraxis.de/aktuell/artikel/1079688875/allgemeinmedizin/ernaehrung
„Wer
vor dem Sport seine Muskeln dehnt, steigert angeblich seine Leistungsfähigkeit
und reduziert zudem das Verletzungsrisiko, heißt es seit Jahrzehnten.
Wissenschaftliche
Untersuchungen widersprächen den landläufigen Meinungen jedoch weitgehend,
konstatiert Prof. Dr. Jürgen Freiwald, Wuppertal, in einer Meldung der
Gesellschaft für Orthopädische-Traumatologische Sportmedizin (GOTS). „Dehnübungen
steigern die Leistung nicht in Sportarten, die schnelle Bewegungen und starke
Muskelkraft erfordern.“ Werden Muskeln direkt vor dem Training statisch
gedehnt, nimmt die Leistungsfähigkeit gar bis zu 23 % ab.
Deshalb
sollte man Muskeln, die Sprung- oder Maximalkraft erbringen sollen, nicht
direkt vor dem Wettkampf und auch keinesfalls statisch dehnen. Besser ist,
sie kurz und mit dynamischen Bewegungen aufzuwärmen. Muskelpartien, die in
erster Linie für die Beweglichkeit verwantworlich sind sollten hingegen
durchaus gedehnt werden.
Den
Zweck, Verletzungen vorzubeugen, scheinen die Übungen ebenfalls nicht zu erfüllen.
Eine Menge von Studienresultaten belegen die Sinnlosigkeit solcher
Bestrebungen; in manchen Studien – die allerdings nicht alle wissenschaftlichen
Standards entsprechen – wurden gar erhöhte Verletzungsraten ermittelt.
„Muskeln
in Gefahr. Vor Freizeit-Sport nicht dehnen!“
è www.medicaltribune.de/GMS/bericht/muskelgefahr
„Dehnübungen
vor oder nach dem Sport sollen angeblich die Leistung steigern, Verletzungen
verhindern und die Regeneration fördern. Trifft das auch für den Freizeitsport
zu?
Muskelgruppen
bis zur Schmerzgrenze strecken und dann (statisch) halten oder dynamisch durch
schwunghafte Bewegung immer wieder bis zur Schmerzgrenze dehnen: Bisher wurde
dies vor oder nach dem Sport allgemein empfohlen. Doch eine Metaanalyse
internationaler Studien kam jetzt zu verblüffenden Ergebnissen: Bei den meisten
Freizeitsportarten reduzieren vorbereitende Dehnübungen das Verletzungsrisiko
nicht, erhöhen es zum Teil sogar, erklärte Prof. Dr. Jürgen Freiwald …. Die
Leistungsfähigkeit kann nach statischem Dehnen sogar für 30 – 60 Minuten um 3 –
5 % sinken, da es sich die Bindegewebsstrukturen der Muskeln plastisch
verformen. ..
Dass
Dehnübungen nach dem Sport nicht unbedingt Positives bewirken, wies der
Sportwissenschaftlicher in einer eigenen Studie nach. … „Am schnellsten
regenerierten die Muskeln der Studienteilnehmer, die nach der Maximalbelastung
locker gelaufen waren!“ … Statisches Dehnen schnitt am schlechtesten ab: „Wir
konnten im Ultraschall zeigen, dass dadurch die Gefäße verengt und die
Durchblutung gedrosselt wurde. Bei einem übersäuerten Muskel verzögert sich
dadurch die Erholung.“ Dynamisches Dehnen und auf der Massagebankliegen
beeinflussten die Muskelgeneration weder positiv noch negativ. „Wer sein
Verletzungsrisiko beim Sport minimieren will, sollte sich sportartspezifisch
auf- bzw. abwärmen, sowie während und nach dem Sport genug trinken.“ … In
der Aufwärmphase kann koordinatives Training sinnvoll sein, bei dem man die für
die sportliche Betätigung wichtigen Drehungen und Wendungen integriert. … Einen
guten Grund fürs Dehnen gibt es dennoch: Wer sich dabei psychisch entspannt,
sollte es ruhig ausgiebig tun – aber nicht direkt nach dem Sport, sondern erst
nach dem Duschen.“
„Verhindert
statisches Dehnen das Auftreten von Muskelkater nach exzentrischem Training“
(K.Wiemann/M.Kamphöfner) (aus: Dt. Zeitschrift für Sportmedizin, 1995)
è http://www2.uni-wuppertal.de/FB3/sport/bewegungslehre/wiemann/mukade.pdf
„Dehnungsübungen
werden häufig als Maßnahmen zur Vorbereitung des Muskels auf
Kraftbeanspruchungen empfohlen, um Muskelbeschwerden vorzubeugen. Zur Prüfung
dieses Wirkungszusammenhanges (wurden über 7 Tage 24 weibliche
Personen untersucht), ob statisches
Dehnen das Entstehen von Muskelkater beeinflußt. … Als Ergebnis zeigte sich,
dass im Mittel der Muskelkater im gedehnten Bein höher eingestuft wurde als im
Kontrollbein. … Es kann gefolgert werden, dass (kurzfristige) Dehnübungen,
unmittelbar vor Kraftbeanspruchungen durchgeführt, die Gefahr von
Muskelbeschwerden eher steigern als vermindern. …“