30.12.2004 Seekrankheit vermeidbar? (Gesundheit)
In der YACHT
berichtet Prof. Dr. med. Reinhardt
Jarisch in dem Beitrag
„Das Ende des Übels: Seekrankheit“
darüber, dass
bei der Behandlung der Seekrankheit (Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel,
Schweißausbrüche, Blutdruckschwankungen, Kopfschmerzen) ein Durchbruch gelungen
sei. R.Jarisch entdeckte, dass Histamin
die primäre Ursache der Seekrankheit ist.
Gut gemeinte Ratschläge
Können wir
Küstenkanuwanderinnen und –wanderer nun alle jene Tipps zur Bekämpfung der
Seekrankheit vergessen?
Ursachenbündel
Mitverantwortlich
für die Seekrankheit (ca. 36% der befragten Kreuzfahrttouristen fühlten
sich unwohl), aber auch Reisekrankheit (ca. 42,9 % der befragten
Reisebus-Passagiere wurde es während der Fahrt schlecht) sind Augen,
Gleichgewichtsapparat und Gehirn. Wobei man davon ausgehen kann, dass Kinder
unter 2 Jahren und ältere Menschen weniger häufig unter Seekrankheit
leiden und Frauen anfälliger sind als Männer.
è D.h. gegen
Seekrankheit hilft volle Konzentration auf den Seegang und vollständige Orientierung,
wie durch den Seegang zu paddeln ist. Ein Kajak-Einer-Fahrer, der keine
Ablenkung hat (hier: Studium von Seekarte/Kompass/GPS;
Verpflegungsaufnahme; Betreuung von Kameraden) und keinen Rückenwind-Kurs
paddelt, dürfte die größeren Chancen haben, nicht seekrank zu werden. Ein nur
mitpaddelnder, aber nicht mitsteuernder Kajak-Zweier-Fahrer könnte
dagegen eher Probleme mit dem Seegang bekommen, insbesondere dann, wenn er
durch andere Tätigkeiten (hier: navigieren, essen & trinken, bedienen)
abgelenkt wird.
è D.h. gegen
Seekrankheit hilft eine Position mittschiffs, welche Einer-Fahrer, nicht
jedoch Zweier-Fahrer am idealsten
einnehmen. Der Kanute kann wohl nicht mit seinen Beinen wohl aber mit seinem ganzen
Köper das Schwanken des Kajaks ausgleichen, indem er durch seine Paddelbewegung
versucht, sich vom Seegang nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Zudem sollte
ein Kanute auch aus Gründen des Gleichgewichts immer in Fahrtrichtung bzw.
Richtung Seegang schauen, was nur bei Rückenwind-Kursen nicht möglich ist. Ein
Wegschauen (Kopfnicken) (z.B. Richtung Spritzdecke, Seekarte, Kompass)
verhindert nicht nur die Konzentration auf den Seegang und führt zur
Desorientierung, sondern stört auch den Gleichgewichtssinn.
è D.h. fühlt man
sich als Kanute im Seegang unsicher, steigt die Wahrscheinlichkeit, seekrank zu
werden.
Übrigens,
Schweine, Löwen, Tiger, Hyänen und viele andere Aas fressenden Tiere werden
nicht seekrank. Sie können ohne weiteres verdorbenes Fleisch fressen, welches
besonders reich an Histamin ist. Der Grund? Diese Tiere verfügen über das Enzym
Diaminoxidase (DAO), welches das Histamin im Körper abbaut!
Prophylaxe
Wer also
seinen Histamin-Spiegel senken will, hat nach Prof. Dr. med. R.Jarisch die folgenden Möglichkeiten:
D.h.
man sollte möglichst histaminfreie Lebensmittel essen (z.B. alle frischen
Lebensmittel mit Ausnahme von Spinat und Tomaten) und histaminhaltige
Lebensmittel meiden. Histamin befindet sich insbesondere in:
a) leicht
verderblicher eiweißreicher, tierischer Nahrung, z.B. Fischprodukte
(insbesondere Makrele, Thunfisch, marinierter Hering);
b) verarbeiteter Nahrung, das
betrifft die Nahrung, die im Verlauf der Verarbeitung, Reifung und Lagerung
biochemischen und mikrobiellen Veränderungen unterliegt, z.B. langsam reifende
Käsesorten (Hartkäse, Roquefort) und Wurstsorten (Rohwurst, Salami, roher
Schinken), Schokolade, Sauerkraut, Spinat, Tomaten, Hefeextrakte; Wein und
Bier, die zusätzlich toxische Wirkung von Histamin steigern.
Wer
seinen Histamin-Spiegel senken will, kann das auch über die Einnahme von
Vitamin C erreichen. Da das Vitamin nur relativ langsam vom Körper aufgenommen
wird, sollte man es nicht schlucken, sondern kauen (z.B. täglich 4x
Vitamin-C-Kautabletten (500 mg)), da es dann schneller über die Mundschleimhaut
absorbiert werden kann.
Der
„Anscheinsbeweis“ für die Wirkung von Vitamin C zur Bekämpfung der Seekrankheit
ist erbracht worden. Es fehlt jedoch noch ein Beweis, der den
wissenschaftlichen Anforderungen genügt (placebokontrollierte Doppelblindstudie).
Wer also häufiger unter Seekrankheit leidet, kann sich an einem entsprechenden
Praxistest beteiligen (Anmeldung: mail@yacht.de
)
Mit
Hilfe des Arzneimittels „Cinnarizin“ kann ebenfalls der Histamin-Spiegel im
Körper gesenkt werden. Empfohlen wird, sofern die auf dem Beipackzettel
angezeigten Nebenwirkungen irrelevant für einen sind, schon eine Woche
vorher täglich 1x bis 2x 75 mg-Cinnarizin-Kapseln einzunehmen. Etwaige zu
beobachtende Müdigkeitserscheinungen sollten sich nach einigen Tagen legen.
(Anmerkungen:
In Deutschland ist das Medikament „Cinnarizin“ rezeptpflichtig. Lt.
Beipackzettel führt die Anwendung von „Cinnarizin“ nicht nur zu gesteigerter
Ermüdbarkeit (s.o.), sondern auch zu Tremor und besonders im höheren Alter und
bei höherer Dosierung zum Auftreten von Parkinsonsymptome. Außerdem sind
depressive Verstimmungszustände häufig beobachtet worden. Abgesehen davon wird
das Medikament lediglich zur Behandlung von Symptomen mangelnder Hirn- und
Organdurchblutung empfohlen. Bei meiner Nachfrage nach diesem Medikament riet
mir die Apothekerin, auf ein etwas schwächer wirkendes Medikament
zurückzugreifen.
Bei diesen
„schwächer wirkenden“ Medikamenten handelt es sich um „Antihistaminika, d.h.
sie blockieren zentrale Histaminrezeptoren und dämpfen so das Unwohlgefühl. Als
unerwünschte Nebenwirkung machen auch diese Antihistaminika ausgesprochen müde.
Da man beim Küstenkanuwandern „ topfi“ sein muss, sollte man sich überlegen, ob
man solche Medikamente vorbeugend einnimmt. Empfehlungen für Segler dürfen
nicht einfach 1:1 auf Kanuten übertragen werden. Die Segelcrew kann
vorübergehend einen „müden“ Segler unter Deck schicken. Was aber macht man mit
einem „müden“ Kanuten, der im Einer paddelt?
Übrigens,
immer wieder werden von einzelnen Personen begeistert über einzelne Medikamente
zur Bekämpfung der Seekrankheit berichtet. I.d.R. handelt es sich dabei um
Antihistaminika, die ausnahmslos u.a. die oben schon erwähnten unerwünschten
Nebenwirkungen haben, müde zu machen. Wem also als Kanute ein bestimmtes
Medikament (z.B. Vomacur, Vomex A, Emesan, Dramamine, Betadom, Deolestan, Neuro
opt, Sedativum, Sediat, Sedopretten) empfohlen wird, der sollte sich vorher den
Beipackzettel ansehen. Er wird dann feststellen, dass sich hinter diesen und
anderen Medikamentenmarken i.d.R. das Antihistaminikum „Diphenhydramin“
verbirgt, und zwar als alleiniger Wirkstoff bzw. als Kombinationswirkstoff
„Dimenhydrinat“. Letzteres stellt eine Mixtur der Wirkstoffe „Diphenhydramin“
und „8-Chlortheophyllin“ dar. „8-Chlortheophyllin“ setzt man als „Muntermacher“
bei. In der Praxis konnte dieser Effekt jedoch nicht bestätigt werden, sodass
man, wenn man das Risiko weiterer unerwünschter Wirkungen vermindern möchte,
eigentlich auf dieses Kombi-Präparat verzichten sollte. Wie ernst man diese
spezifische Nebenwirkung nehmen sollte, muss jeder selber für sich beurteilen.
Lt. „Handbuch Medikamente“ (Hrsg. Stiftung Warentest) ist hierzu Folgendes zu
lesen: „Beide Wirkstoffe machen häufig (bei über 1 % der Behandelten) müde, vor
allem zu Beginn der Behandlung.“)
Die
positive Wirkung von Ingwer-Produkten (z.B. Zintona), Akkupressurbändern bzw.
Psychotraining lag demgegenüber nicht über dem „Placebo“-Effekt (ca. 30%).
Viele
Seekranke sehen bewusst oder unbewusst Schlaf als Therapie gegen Seekrankheit
an. Die „Histamin“-Theorie bestätigt dies; denn „im Schlaf sinkt der Histamin-Spiegel auf null.“
Wenn
bei einer Zweier-Kajak-Crew ein Kanute seekrank wird, ist es folglich nicht
verkehrt, den seekranken Kanuten zu ermuntern, dass Paddeln einzustellen, die
Augen zu schließen und zu versuchen, sich auszuruhen oder zu meditieren.
Stress
hat die entgegengesetzte Wirkung wie Schlaf. Da starker Wind & rauer
Seegang insbesondere bei weniger erfahrenen Küstenkanuwanderinnen und
–wanderern Ängste wecken und folglich Stress auslösen können, sollte man
kritische Passagen meiden, aus denen man sich nicht jederzeit – d.h. sobald
sich die ersten Symptome der Seekrankheit zeigen – zurückziehen kann.
Lässt
sich aber ein stressiger Kurs nicht mehr umfahren, sollten die erfahrenen
Kanuten sich um die weniger erfahrenen kümmern, d.h. versuchen, sie zu
beruhigen. Meist genügt es dabei, sich sichtbar in ihrer Nähe aufzuhalten bzw.
sie persönlich anzusprechen und ihnen den Eindruck zu vermitteln, dass die
Passage gar nicht so ausweglos ist, wie sie erscheinen mag.
Übrigens,
Brandungsübungen leisten einen prophylaktischen Beitrag zum
Stress-Abbau. Wer nämlich zu Beginn seiner Meerespaddelei in der Nähe eines
sicheren Strandes gelernt hat, mit der Brandung umzugehen, wir sich später,
wenn er unterwegs bei einer Tour entlang der Küste Brandungsbedingungen erlebt,
sicherer fühlen und folglich weniger Angst & Stress haben.
Unterwegs
im Kajak sollte man immer nach vorne schauen, „stets den ganzen Körper statt allein den Kopf zu drehen“ und nicht
das Paddeln einstellen; denn wer paddelt, der versucht sich auf den Seegang zu konzentrieren,
sich am Seegang zu orientieren und das Gleichgewicht im Seegang zu halten.
Empfehlenswert
ist es, im Einer-Kajak unterwegs zu sein, da man sich dann wirklich „mittschiffs“ aufhält. Das gilt jedoch
nur für erfahrene Kanutinnen und Kanuten. Ansonsten kann es sehr wohl sein,
dass der Nachteil des nicht mittig Sitzens durch den Vorteil, weniger Angst
& Stress zu haben, mehr als kompensiert wird.
Außerdem
sollte ein für Seekrankheit anfälliger Kanute – egal ob nun als Einer- oder
Zweierfahrer - unterwegs im Seegang möglichst die folgenden Aktivitäten vermeiden:
è achterlichen Kurs wählen.
è sich im Seegang einfach treiben lassen
(z.B. Essens-, Warte-, Angelpause).
è im Seegang die Spritzdecke
öffnen und nach irgendwelchen Sachen in der Sitzluke zu suchen.
è im Seegang die Seekarte
auf die Spritzdecke packen und sie intensivst über längere Zeit studieren
è bei
Seekajaktouren den Kompass auf der Spritzdecke befestigen und ihn
ständig im Auge behalten, um etwaige Kursabweichungen möglichst schnell zu
entdecken. - Unter diesem Aspekt empfiehlt es sich u.U., bei dem Kauf eines
Seekajaks sich dafür zu entscheiden, dass der Kompass möglichst weit vorne,
z.B. vor dem Buglukendeckel, eingebaut wird, weil auf diese Weise zum Ablesen
des Kompass nur minimale Kopfbewegungen nötig sind. Leider bieten derzeit fast
ausschließlich nur britische Seekajakhersteller solch eine Einbaumöglichkeit
an. Bei allen anderen Seekajaks muss man sich wohl damit begnügen, den Kompass
z.B. auf dem Buglukendeckel zu befestigen.
è sich in eine Situation begeben, die einem
Angst & Bange macht.
è bis zu Erschöpfung
zu paddeln, d.h. solang zu paddeln, bis man nicht mehr in der Lage ist sich
voll auf den Seegang zu konzentrieren.
Gewöhnungseffekt?
Kann man sich
an den Seegang gewöhnen, sodass die Symptome der Seekrankheit von allein wieder
verschwinden, nachdem man sich eine Zeit lang dem Seegang ausgesetzt hat? Oder:
Kann man sogar mit Hilfe einer Art prophylaktischen „Gleichgewichtstrainings“
verhindern, dass man überhaupt seekrank wird? In dem Beitrag von R.Jarisch findet man darüber keine
Aussagen. Wohl aber berichten immer wieder Passagiere von Seglern, Frachtern
oder Kreuzfahrtschiffen, dass sie spätestens nach 2-3 Tagen unterwegs im
Seegang nicht mehr so sehr oder überhaupt nicht mehr unter Seekrankheit leiden
mussten.
Dieser Gewöhnungseffekt
ist nicht nur belegt, sondern findet auch seine medizinische Begründung.
Seekrankheit zählt zu den „Bewegungskrankheiten“ (Kinetosen), die ausgelöst
werden können, weil man sich z.B. mit den folgenden „Verkehrsmitteln“
(fort)bewegt: Pkw, Bus, Schiff, Sportflugzeug, Achterbahn, Karussell, Schaukel,
Kamel oder auch Schaukelstuhl bzw. meint, in einem solchen „Verkehrsmitteln“ zu
sitzen (z.B. Anschauen eines 3-D-Filmes). Die Seekrankheit ist darauf
zurückzuführen, dass jede Bewegung zu einer Reizung der Sinnesorgane (hier:
Augen, Gleichgewichtsorgan, Gelenkrezeptoren und Muskelspindeln) führt. Das
Gehirn nimmt diese Reizungen als Information wahr, leitet daraus ein „aktuelles
Bewegungsmuster“ ab und vergleicht dieses mit dem „gespeicherten
Erwartungsmuster“, welches durch die Bewegungserfahrungen, die man in der
Vergangenheit gemacht hat, geprägt wurde. Stimmt das gemeldete
„Bewegungsmuster“ nicht mit dem gespeicherten „Erwartungsmuster“ überein, löst
dieser Widerspruch zunächst ein Schwindelgefühl und schließlich die
Seekrankheit aus. Wird man nun längere Zeit dem Seegang ausgesetzt, passt sich
das „Erwartungsmuster“ immer mehr dem aktuellen „Bewegungsmuster“ an. Die
Folge: die Symptome der Seekrankheit klingen ab und verschwinden schließlich
völlig, sobald das gespeicherte „Erwartungsmuster“ gleich dem gesendeten
„Bewegungsmuster“ entspricht.
Zumindest
lautet so das medizinische Erklärungsmodell. Mit ihm kann man jedoch
leider nicht begründen, warum diejenigen, die sich an den Seegang gewöhnt
haben, nicht sofort an einer „Landgangkrankheit“ leiden, sobald sie von Bord
gehen. Spiegelt doch ihr von der zuvor erlebten Seefahrt geprägtes „Erwartungsmuster“
Seegangverhältnisse wider, während das nun aktuell erlebte „Bewegungsmuster“
Landgangverhältnisse signalisiert. Dabei sollte jedoch erwähnt werden, dass
z.B. Kanuten, die einen ganzen Tag im Seegang paddelten, beim anschließenden
Landgang sehr wohl ein leichtes „Schwindelgefühl“ haben, als ob sie sich noch
im Seegang befinden. Anscheinend ist das über Jahrzehnte geprägte
„Erwartungsmuster“ so dominant, dass ein solches beim Landgang erlebte
„Schwindelgefühl“ keine Übelkeit auslösen kann.
In Anbetracht
der geringen Anzahl von Kanutinnen und Kanuten, die beim Paddeln entlang der
Küste seekrank geworden sind, fehlen auch Erfahrungen darüber, ob Kanuten sich
an den Seegang gewöhnen können, d.h. ob ihr „Erwartungsmuster“ sich unterwegs
auf einer mehrtägigen Tour dem aktuell erlebten „Bewegungsmuster“ anpassen
kann. Ist doch zu vermuten, dass der Anpassungseffekt durch allzu häufigen
Landgang (wegen Pausen bzw. Übernachtung) gestört wird.
Schließlich
bleibt zu fragen, ob es ein prophylaktisch wirkendes „Gleichgewichtstraining“
(sog. „Vestibularistraining“) gibt. D.h. kann ich wirklich, wenn ich
mich z.B. 14 Tage lang jeden Tag z.B. für 1 Stunde:
gegen
Seekrankheit resistent werden und wie lange hält diese Resistenz vor? Dr. Mark
Huber verweist im SEEKAJAKFORUM.de auf ein paar wissenschaftliche
Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass es wirklich ein solches Training
gegen Seekrankheit gibt. Er nennt auch einen kommerziellen Anbieter, der einen
Trainingskurs gegen Seekrankheit im Angebot hat. Das Training muss mindestens
21 Tage vor Antritt der Reise beginnen:
è www.bosscharter.com/seekrankheit.html
Übrigens,
dieses medizinische Erklärungsmodell vom Bewegungs-/Erwartungsmuster liefert
eine Begründung für die Verhaltensempfehlung, dass man beim Paddeln den Kopf
stets gerade halten und immer in Richtung Horizont schauen sollte. Dadurch
erreicht man nämlich, dass einem wenigstens die Reize, die vom Auge her kommen,
vertrauter sind und deshalb die Differenz zwischen „Bewegungs-„ und
„Erwartungsmuster“ etwas kleiner ausfällt. Vielleicht reicht dies aus, um zu
verhindern, dass aus einem leichten Schwindgefühl Übelkeit wird.
15 Beispiele
Wie groß ist
die Wahrscheinlichkeit, beim Küstenkanuwandern seekrank zu werden? Nun, allzu
groß ist sie nicht; dennoch habe ich es schon einige Male bei meinen Kameraden
erlebt bzw. davon gehört, dass andere Kameraden mit dem Problem der
Seekrankheit zu kämpfen hatten, und zwar immer nur dann, wenn Seegang herrschte. Aber es gibt noch
weitere mögliche Ursachen, die jeweils nach der Kurz-Skizze der Situation
aufgeführt werden:
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Ablenkung
è falsche Kopfbewegungen
wegen Beobachtung der Schifffahrt
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Ablenkung
è falsche Kopfbewegungen
wegen Beobachtung der Kameraden
è Wetterlage?
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Ablenkung
è zunehmender Stress wegen
Unsicherheit im Seegang
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Ablenkung und Erschöpfung
è zunehmender Stress
wegen ungewissen Ausgangs der Tour
è falsche Kopfbewegungen
wegen Aufnahme von Verpflegung
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Erschöpfung
è zunehmender Stress wegen
ungewissen Ausgangs der Tour
Ursachenbündel:
è zunehmender Stress ungewissen
Ausgangs der Tour
è fehlende Konzentration
wegen Erschöpfung
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration
wegen Ablenkung
è falsche Kopfbewegungen
wegen Aufnahme von Verpflegung
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen mangelhafter
Orientierung im Seegang
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen Erschöpfung und
achterlicher See
è Wetterlage?
è Kreislauf?
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen achterlicher See
und Ablenkung
è falsche Kopfbewegungen wegen Lenzen
è
zunehmender
Stress ungewissen Ausgangs der Tour?
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen Erschöpfung und
Ablenkung
è Kreislauf?
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen Ablenkung
è falsche Kopfbewegungen wegen
Navigationstätigkeit
è
zunehmender
Stress wegen brechendem Seegang?
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen Erschöpfung
è falsche Verpflegung
è Kreislauf?
Ursachenbündel:
è falsche Kopfbewegungen wegen
Navigationstätigkeit
è zunehmender Stress wegen ungewohntem Seegang bzw.
Schifffahrt
Ursachenbündel:
è fehlende Konzentration wegen achterlicher See
& Kreuzseen
è zunehmender Stress wegen fehlender
Anlandemöglichkeit
Was tun, wenn nichts mehr zu
machen ist?
Was ist zu
tun, wenn ein Kanute seekrank geworden ist? I.d.R. ist solch ein Kanute nicht
mehr seegangs- und kentertüchtig. Wenn eine Kenterung nicht auszuschließen ist,
sollte umgehend ein sichere Anlandestelle angelaufen werden.
Damit ist aber
das Problem nicht gelöst; denn ein Kanute, der geschleppt wird, kann sich noch
weniger auf den Seegang konzentriert und im Seegang orientieren. Außerdem wird
er nicht mehr stets in Fahrtrichtung schauen und somit noch häufiger die falschen
Kopfbewegungen machen. Das alles kann beim seekranken Kanuten seine
Seekrankheit verstärken und beim stützenden Helfer dazu führen, dass dieser nun
ebenfalls seekrank wird. Trägt dann auch noch der gepaddelte Kurs zur Instabilität der Schleppeinheit bei
(z.B. achterlicher Seegang könnte zum Surfen führen; seitlicher Seegang, der
bricht, könnte die Schleppeinheit seitlich versetzen), kommt zusätzlich noch
Stress auf, was sich sicherlich nicht positiv auf den Krankheitsverlauf
auswirkt.
Text: U.Beier
Quelle:
YACHT, Nr. 1/05, S.32-39 – www.yacht.de
Literatur:
R.Jarisch
u.a.: Histamin-Intoleranz – Histamin und Seekrankheit. Thieme Verlag 2004.
M.Stadler:
Psychologie an Bord, 5.Aufl. 1999, S.70-91.
Mark
(Huber): Vestibularistraining: Kann man Resistenz gegen Seekrankheit
trainieren? in: Seekjakaforum.de vom 27.01.05 ff. und 8.02.05
Link:
è
www.bosscharter.com/seekrankheit.html
(Trainingsmethode gegen Seekrankheit)
Hinweis:
Dem SEEKAJAKFORUM.de sei Dank für einige Hinweise &
Beispiele.
(Letzte Überarbeitung: 08/02/05)