In KANU MAGAZIN stellt Dr. med. Horst Hohn in dem Beitrag:
„Retten + Reloaded – Neue Reanimationsrichtlinien“
insgesamt 12 Schritte der
Reanimation von im Wasser verunglückten Personen vor:
Der Verunglückte ist an Land zu bringen und sein
Zustand ist festzustellen.
Er
wird gelagert (trocken, gerade und auf dem Rücken).
Danach
ist notfalls die „Rettungskette“ zu initiieren (z.B. Notruf per Handy bzw.
Boten).
Eigenschutz hat Vorrang!
Die
Bergung des Materials steht an letzter Stelle.
Der
Verunglückte ist anzusprechen: „Hallo!
Kannst du mich hören?“
Durch
vorsichtiges Rütteln an der Schulter wird notfalls sein Bewusstsein überprüft.
Der
Verunglückte ist möglichst wenig zu bewegen, insbesondere bei Unterkühlung
können bei zu viel Bewegung zusätzliche Kreislaufprobleme entstehen (sog.
„Bergetod“).
Die
weitere Auskühlung des Verunglückten ist zu verhindern (hier: Windschutz,
Rettungsdecke).
Nach
Verletzungen forschen (wenn möglich durch Befragung).
Ist
eine Person abkömmlich, hat diese die „Rettungskette“ in Gang zu setzen.
Sind
nur 2 Helfer vor Ort, gibt es Probleme mit dem Notruf; denn u.U. werden am
Unglücksort beide benötigt.
Sind
vor Ort mehrere Helfer, bietet es sich an, dass einer die Leitung der
Rettungsaktion übernimmt.
„Je
nach Kompetenz und Absprache kann die Leitung natürlich im Laufe der Rettung
wechseln, aber sie sollte klar sein und respektiert werden.“
Vorsichtiges
Neigen des Kopfes nach hinten und gleichzeitiges Anheben und Vorziehen des
Kinns.
Sichtbare
Fremdkörper werden entfernt (z.B. Gebiss).
Eine
ausführliche Begutachtung des Mundraumes ist unnötig.
Wasser
aus den Atemwegen darf nicht entfernt werden (z.B. durch Umdrehen und
„Ausleeren“).
Max.
10 Sekunden Atemkontrolle durch Fühlen, Sehen und Hören (z.B. Atemgeräusche,
Heben/Senken des Brustkorbs, Luftstrom).
Die
früher übliche Pulskontrolle entfällt, da zu zeitaufwändig und fehlerhaft.
Spätestens
jetzt ist der Notruf abzusetzen.
Ein
nicht-atmender Verunglückter darf jedoch nicht allein gelassen werden.
Bei
fehlendem Handyempfang ist auf eine Erhebung zu laufen (z.B. Berg, Düne).
Befinden
wir uns an Land, sollte die Tel.-Nr. 112 gewählt werden.
Hinweis:
Befinden wir uns in Deutschland auf dem Meer, wählen wir die Tel.-Nr. 124124
(Seenotleitung MRCC Bremen). Notfalls können wir im Ausland auf dem Meer auch
über Tel.-Nr. 0049(0)421-536870 die deutsche Seenotleitstelle erreichen, die
dann den Notruf weiterleiten wird.
In
die stabile Seitenlage drehen, damit die Atemwege freigehalten werden und
Erbrochenes, Blut etc ablaufen kann.
Beginn
der „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ („Cardio-Pulmonale Reanimation“ (CPR).
Die
Herzdruckmassage wird dabei höher gewichtet als die Atemspende.
In
keinem Fall darf versucht werden, die Weste im Ganzen abzustreifen, da die
Verletzungsgefahr zu groß ist. D.h. die Schwimmweste ist mit Hilfe eines
Messers an den Flanken und Schultern aufzutrennen.
Damit
die Atemwege frei sind: Kopf nach hinten neigen, Kinn nach hinten vorne
anheben.
2x
für 1 Sekunde Atemspende geben, und zwar so, dass der Brustkorb des
Verunglückten sich sichtbar hebt. Dann 1 Sekunde warten, bevor mit der 2.
Atemspende begonnen wird.
Empfohlen
wird eine Mund-zu-Mund-Beatmung.
Eine
Atemmaske erleichtert die Beatmung, was jedoch vorher zu üben ist.
Sollte
eine Beatmung nicht möglich sein, ist die Herzdruckmassage alleine auszuführen
(denn das Blut verfügt über einen großen Sauerstoffvorrat).
Der
Ballen einer Hand wird in die Mitte des Brustkorbs platziert, der Ballen der
anderen Hand wird auf die Druckhand gelegt und los geht’s.
Die
Arme liegen senkrecht über dem Druckpunkt und sind gestreckt.
Die
Bewegung kommt aus Hüfte (und Oberkörper).
Die
Finger der Druckhand sind abzuspreizen, damit sie nicht abrutscht.
Das
Verhältnis von „Drücken“ und „Beatmen“ beträgt 30 zu 2, unabhängig davon ob CPR
allein oder zu zweit durchgeführt wird.
Und
zwar sollte in 18 Sekunden 30x gedrückt werden.
Bei
der „Zweihelfer-Methode“ sollte die letzten 10x Drücken laut mitgezählt werden,
damit der 2. Helfer seinen Atemeinsatz nicht verpasst:
„Beim letzten Druck muss die Beatmung
so einsetzen, dass die Einblasphase in die Entlastung des Brustkorbs fällt und
umgekehrt.“
Der 4-seitige Beitrag ist
anschaulich geschrieben, reichhaltig bebildert und gibt den neuesten Stand
wieder, der Ende 2005 von der „European Resuscitation Council“ (ERC)
verabschiedet wurde. Er sollte zur Pflichtlektüre einer jeden Fahrtenleitung
gehören.
Als Extra bietet KANU
MAGAZIN in Kooperation mit dem Schwimmwestenhersteller Langer eine
„Notfallkarte“ an, in der über ein Ablaufdiagramm erläutert wird, wie beim
Ertrinkungsfall vorzugehen ist. Es empfiehlt sich, diese „Notfallkarte“
wasserdicht zu einzulaminieren (z.B. beim Copyshop) und aufs Kartendeck seines
Kajaks zu kleben.
Quelle: KANU
MAGAZIN, Nr. 3/07, S.74-77 – www.kanumagazin.de
Bezug der Notfallkarte: Anfordern mit 55 Cent frankiertem Brief-Rückumschlag
bei:
KANU-Redaktion, Mittlerer
Lech 44, 86150 Augsburg
Link: www.kanu.de/nuke/downloads/CPR.pdf bzw. www.erc.edu