In KANU SPORT kommentiert U.Beier eine
„Checkliste fürs Kalt-Wasser-Paddeln“,
die die britische Ärztin Jan Blockley erstellt hat, nachdem ihr
Sohn beim Rudern ins kalte Wasser fiel und dabei ums Leben kam. Aus Gründen der
Übersichtlichkeit werden die 17 Punkte zu 10 Punkten zusammengefasst:
(1) „Unternimm
an erster Stelle alles, damit du nicht ins Wasser fällst.“
(2) „Steige
nicht ins Boot, wenn du krank, müde, hungrig, durstig bist
oder unter dem Einfluss von Alkohol
oder Drogen stehst.“
(3) „Ziehe
dich passend an. Bedecke deinen Kopf. Überlege dir,
eine Rettungsweste anzulegen.“
(4) „Prüfe
die Umstände jeder Ausfahrt sorgfältig und sei darauf vorbereitet,
die Ausfahrt abzusagen, wenn die Gefahr
zu groß ist.“
(5)
„Vermeide, alleine oder ohne Sicherung zu fahren.“
(6) „Wenn
du ins Wasser fällst, versuche die Lage des Untertauchens zu kontrollieren.
Konzentriere dich während des
Kälteschocks auf das bewusste Atmen und darauf,
Mund und Nase aus dem Wasser zu
halten.“
(7) „Halte
dich an irgendwas fest und versuche deinen Rumpf so schnell
und so weit wie möglich aus dem Wasser
zu bekommen.“
(8) „Drehe
deinen Rücken zu den Wellen und halte so still wie möglich.
Vermeide
unnötige Manöver.“
(9) „Schwimme
nur als letzten Ausweg und versuche,
irgendwas
als Rettungsfloß zu benutzen.“
(10) „Wenn
sie aus dem Wasser raus sind, sollen sich von der Kälte angegriffene Opfer
hinlegen, eingepackt werden und sich
bewegungslos verhalten, während man den
Transport ins Krankenhaus erwartet.“
Meine Anmerkungen zu den
einzelnen Checkpunkten sollen dazu dienen, den Kanutinnen und Kanuten zu
verdeutlichen, welche Relevanz die einzelnen Punkte der Checkliste für sie
haben, wenn sie insbesondere bei Kalt-Wasser-Bedingungen,, die auf unseren
Gewässern so zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai anzutreffen sind, paddeln
und wider aller Erwartungen kentern.
(1) „Unternimm
an erster Stelle alles, damit du nicht ins Wasser fällst.“
Gefahr Nr. 1 im Winter ist
das kalte Wasser. Wir sollten daher nur dann in der Kalt-Wasser-Saison paddeln
gehen, wenn wir unsere Ausrüstung beherrschen:
·Wenn wir uns erstmals in ein zu kippliges Kajak
setzen und das mit einem ungewohnten Paddel fortbewegen, u.U. mit Handschuhen,
brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir mit unserem Paddel plötzlich einen
„Krebs“ fangen und kentern.
·Wenn wir die nötigen Paddeltechniken nicht
reflexartig einsetzen können (z.B. Paddelstütze, Bogen- und Konterschläge), sollten
wir unser Kanu im Bootsschuppen liegen lassen.
·Und für den Fall, dass trotzdem gekentert wird,
sollten wir die nötigen Rettungstechniken anwenden können (z.B. Ausstiegs-
sowie Wiedereinstiegsmethoden; Rolle; Wurfsackbergung).
(2) „Steige
nicht ins Boot, wenn du krank, müde, hungrig, durstig bist
oder unter dem Einfluss von Alkohol
oder Drogen stehst.“
Spätestens nach einer
Kenterung im kalten Wasser werden dem Körper Höchstleistungen abverlangt, die
wir nur dann über eine längere Zeit erbringen können, wenn wir nicht geschwächt
sind. Wer also im Winter unausgeschlafen in sein Kanu steigt und dann
stundenlang paddelt, ohne zwischendurch etwas zu trinken und zu essen, braucht
sich nicht zu wundern, wenn er nach einer Kenterung mit Ausstieg zur eigenen
Rettung keine Kraft mehr hat. Das gilt erst recht beim Vorliegen der anderen,
oben aufgeführten Schwächen. So sollten wir mindestens 5 Tage fieberfrei sein,
bevor wir uns bei Kalt-Wasser-Bedingungen wieder aufs Wasser trauen.
(3) „Ziehe
dich passend an. Bedecke deinen Kopf. Überlege dir,
eine Rettungsweste anzulegen.“
Kälteschutz plus Schwimm-
bzw. Rettungsweste (dann aber mit eingeschalteter Auslöseautomatik) sollten wir
bei jeder Kalt-Wasser-Tour tragen. Ein Long-John schützt dabei weniger als ein
Trockenanzug, aber natürlich mehr, als wenn wir nur Fleece-Bekleidung tragen.
Neo-Kappe, Fuß- und Handschutz und eine weitere wind- und wasserdichte Jacke
vermindern zusätzlich das Risiko der Unterkühlung. Übrigens:
·Unterkühlen kann nicht nur der, der kentert und
aussteigen muss (sog. „Water-Chill“; wir kühlen im Wasser unter gleichen
Temperaturbedingungen etwa 25x schneller aus!). Das passiert auch
denjenigen, die unterwegs beim Paddeln voll dem Wind ausgesetzt sind (sog. „Wind-Chill“,
z.B. bei 5 Bft. Wind wird eine Lufttemperatur von +10°C wie 0° C empfunden!)
bzw. die wegen z.B. allzu übermütiger Schwall-, Kabbelwasser- oder Wehrfahrten
bis auf die Haut nass werden (sog. „Wet-Chill“, der auf die Kälte
zurückzuführen ist, die bei der Verdunstung des Wassers entsteht!).
·Ca. 30% des Wärmeverlustes soll über den Kopf
erfolgen. Jeglicher Kopfschutz trägt also dazu bei, dass über den Kopf nicht so
viel Wärme verloren und somit der Unterkühlungsprozess hinausgezögert wird. Das
gilt in jeder Situation, egal ob beim Paddeln oder nach einer Kenterung im
Wasser bzw. anschließend, wenn wir nach einer Kenterung wieder zurück im bzw.
auf dem Kajak sind.
·Bei Wassertemperaturen von +10° C und weniger soll
ein Trockenanzug gegenüber einem Neoprenanzug eine Verdreifachung bzw. ein
Neoprenanzug gegenüber üblicher Bekleidung eine Verdopplung der Überlebenszeit
bieten können.
·Rettungswesten sind ohnmachtsicherer und erhöhen die
Überlebenschancen bei z.B. 10 ° C Wassertemperatur um über 400%.
Schließlich sollten wir auch
darauf vorbereitet sein, dass wir aufgrund eines Problems in die Dunkelheit
geraten können. Wenn wir dann nicht über eine wasserdichte Taschenlampe
verfügen, fällt es einem sehr schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Und wenn
weder unser Kajak noch unsere Bekleidung mit Reflexstreifen versehen sind, gibt
es dazu noch Probleme, von einer mit Scheinwerfern ausgerüstete Suchmannschaft gefunden zu werden.
(4) „Prüfe
die Umstände jeder Ausfahrt sorgfältig und sei darauf vorbereitet,
die Ausfahrt abzusagen, wenn die Gefahr
zu groß ist.“
Bevor wir hinaus in die
Kälte paddeln, sollte uns klar sein, dass die Tour umso riskanter wird, je
schwieriger die Gewässerbedingungen sind. Vor Antritt der Tour müssen wir uns
also unbedingt Infos über das Wetter, den
Wasserstand, die Strömungsverhältnisse und den Gewässerverlauf (hier: aktuelle
Karten) beschaffen. Es sollte uns bewusst sein, dass spätestens bei:
·WW III,
·einem 4-5 Bft. Wind (Küste III),
·starker Strömung bzw. Stromverwirbelung,
·Hindernissen,
·Nebel oder gar Dunkelheit
und natürlich bei unterwegs
schwer erreichbarem Ufer eine Kenterung mit anschließendem Ausstieg schnell zum
GAU führen könnte. Wer dann nicht auf eine Kenterung vorbereitet ist und –
sofern ein Notfall eintritt – nicht in der Lage ist, Hilfe herbeizurufen (z.B. per wasserdicht und
griffbereit verpacktem Handy, Seenotsignalmitteln, UKW-Sprechfunk, Seenotbake)
bzw. auf Kameradenhilfe zurückgreifen kann, findet sich u.U. später in der
jährlichen „Unfall-Statistik“ von KANU SPORT wieder.
Schließlich sollten wir uns
nicht scheuen, schwierige Passagen zu umtragen bzw. zu umpaddeln oder die Tour
ganz abzubrechen.
(5) „Vermeide,
alleine oder ohne Sicherung zu fahren.“
Zu viert zu paddeln, ist am
zuverlässigsten:
·Das gilt auf Großgewässern: einer bildet ein
„Päckchen“ mit dem schwächelnden „Kenterbruder“ und die anderen zwei Mitpaddler
schleppen dieses „Päckchen“ ans sichere Ufer;
·aber auch auf Kleingewässern: einer kümmert
sich um den schwächelnden Mitpaddler und die anderen zwei holen Hilfe.
Und zu dritt zu paddeln ist
immer sicherer als zu zweit und zu zweit ist garantiert vernünftiger als solo.
(6) „Wenn
du ins Wasser fällst, versuche die Lage des Untertauchens zu
kontrollieren. Konzentriere dich
während des Kälteschocks auf das bewusste
Atmen und darauf, Mund und Nase aus dem
Wasser zu halten.“
Wir können eine Kenterung
nur dann kontrolliert beherrschen, wenn wir dies vorher immer und immer wieder
mal geübt haben. Da Kanuten alle Schwimmer sind, sind wir auf eine Kenterung im
Sommer – hoffentlich - irgendwie vorbereitet. Aber sind wir auch
„Winterschwimmer“ und schon einmal im Winter gekentert und ausgestiegen?
Verneinen wir dies, müssten wir uns vor jeder Fahrt fragen, auf welchen Fakten
unsere Meinung beruht, dass gerade wir ohne Probleme im Winter kentern,
aussteigen, wieder einsteigen bzw. an Land schwimmen können? Und wer dann immer
noch nicht gewillt ist, in der Wintersaison mal freiwillig zu Übungszwecken zu
kentern, sollte eigentlich mit dem Paddeln warten, bis es wieder wärmer wird.
Aber auch jene, die die
Kenterung bei Kalt-Wasserbedingungen geübt haben, sind nicht vor dem
Kälteschock gefeit. Denn der hängt nicht nur von der Wassertemperatur ab
(unterhalb von 13° - 15° C wird es kritisch), sondern auch von der momentanen
körperlichen Verfassung. Die Folgen eines Kälteschocks können sein:
·plötzliche Atemnot,
·unkontrolliertes bzw. hektisches Atmen,
·Orientierungslosigkeit unter Wasser
·bzw. Auslösung eines Kälteschmerzes, der uns
für einige Zeit handlungsunfähig macht.
Diese Merkmale für einen
Schock müssen uns bewusst sein, damit wir nicht in Panik geraten. Nur
dann können wir uns voll darauf konzentrieren, den manchmal wenige Sekunden aber auch bis zu 3 Minuten
andauernden Schockzustand zu überwinden.
Dagegen relativ unkritisch
ist eigentlich noch die Atemnot, die alle diejenigen erleiden können,
die ohne Kälteschutzbekleidung paddeln. Die Folgen sind vorhersehbar. Nach der
Kenterung wird nur noch an eines gedacht, nämlich möglichst schnell
auszusteigen; und wer Rollen kann, versucht – wenn überhaupt – derart hektisch
hochzurollen, dass ihm die Rolle nur zu 3/4 gelingen wird. Ausgenommen davon
mögen u.U. die passionierten Wildwasserfahrer sein, aber nur dann, wenn sie
richtig bekleidet sind, und nur deshalb, weil sie es gewohnt sind, bei
Wassertemperaturen um die 6° C zu kentern.
Lebensbedrohlich wird jedoch
die Atemnot, wenn sie auf eine Verkrampfung der Luftwege zurückzuführen ist,
welches das Atmen unmöglich macht (sog. „Trockenes Ertrinken“) und etwa
bei 20% der Opfer passieren kann. Ausgelöst wird dieser Krampf dadurch, dass
kaltes Wasser in Mund, Nase bzw. Ohren eindringen kann. Nun, den Mund können
wir bei einer Kenterung noch zuhalten, aber Nase und Ohren? In letzter
Konsequenz müssten wir bei kritisch werdenden Gewässerbedingungen stets mit
Nasenklammer und Ohrenstöpsel paddeln bzw. auf die Rolle nach einer Kenterung
verzichten.
(7) „Halte
dich an irgendwas fest und versuche deinen Rumpf so schnell
und so weit wie möglich aus dem Wasser
zu bekommen.“
Das dürfte uns Kanutinnen
und Kanuten nicht schwer fallen; denn wir haben zumeist bei Fluss-, Binnensee-
und Großgewässertouren neben uns unser Kajak. Wir müssen nur dafür sorgen, dass
dieses Kajak vor der Tour mit genügend Auftrieb ausgerüstet ist (z.B. 2 Spitzenbeutel
bzw. mehrfache Abschottung; denn zu hoffen, dass der Auftrieb der Gepäcksäcke
reicht, ist trügerisch) und dass wir nach einer Kenterung unser Kajak nicht
verlieren. D.h. das erste, was wir nach einer Kenterung mit Ausstieg
unternehmen müssen, ist, sofort den Griffkontakt zu unserem Kajak wieder
herzustellen. Wenn ein Kajak mit Halteschlaufen bzw. Rettungshalteleinen
ausgerüstet ist, fällt uns das sicherlich viel leichter. Gelingt uns das nicht,
weil es u.U. abgetrieben oder mangels genügendem Auftrieb keinen Halt bietet,
müssen sofort die begleitenden Kameradinnen und Kameraden versuchen, dem
„Kenterbruder“ zu ermöglichen, sich an eines ihrer Kajaks festzuhalten.
Wenn der „Kenterbruder“ Halt
gefunden hat und sich beruhigt hat, ist alles zu unternehmen, ihn möglichst
schnell aus dem Wasser heraus zu holen. Möglicherweise gelingt es ihm in sein
eigenes Kajak über eine Wiedereinstiegsmethode einzusteigen, wobei es zunächst
irrelevant ist, ob die Sitzluke voll Wasser ist. Andernfalls kann er sich evtl.
auf ein anderes Kajak retten, wenn die den „Kenterbruder“ begleitenden
Kameradinnen und Kameraden mit ihren Kajaks ein Päckchen (Floß) bilden, auf das
der „Kenterbruder“ sich dann hoch robben könnte.
Alle Beteiligten sollten sich
dabei bewusst sein, dass die „Nutzzeit“ des „Kenterbruders“ von der
Wassertemperatur abhängt. Ab Wassertemperaturen von 10° C und weniger gilt
dabei die folgende Faustformel:
·Nutzzeit (in
Minuten) = Wassertemperatur (in Grad Celsius).
Kentert also beispielsweise
jemand ohne genügenden Kälteschutz bei einer Wassertemperatur von 10° C, ist
damit zu rechnen, dass er – sofern vorher keine Kreislaufprobleme auftreten -
nach ca. 10 Minuten nicht mehr in der Lage sein wird, kontrolliert zu
schwimmen, selbständig eine Uferböschung hinauf zu klettern bzw. sein Kajak
festzuhalten bzw. allein zurück in sein Kajak zu steigen, geschweige denn die
Spritzdecke zu schließen oder gar weiter zu paddeln. Dazu würde ihm nicht nur
die nötige Kraft und Gelenkigkeit fehlen, sondern auch das erforderliche
Urteils- und Durchhaltevermögen.
(8) „Drehe
deinen Rücken zu den Wellen und halte so still wie möglich.
Vermeide unnötige Manöver.“
Gekentert wird meistens bei
Strömungs-, Wind- bzw. Dampferwellen oder wenn wir auf ein Hindernis (z.B.
Felsen, Büsche) gedrückt werden. Nach einer Kenterung mit Ausstieg ist es
wichtig, dass unser Gesicht nicht den u.U. brechenden Wellen frontal ausgesetzt
ist. Deshalb gibt es auch extra Rettungswesten, die mit einem „Spray-Cap“
ausgerüstet sind, welches uns davor schützen soll, dass wir im Seegang
ertrinken, nur weil wir die übers Wasser fliegende Gischt bzw. die über uns
brechende See einatmen.
Spätestens dann, wenn wir
erkennen, dass wir nach einer Kenterung nicht wieder in unser Kajak kommen,
sollten wir uns mit unserer Kenterung abfinden und lediglich Ausschau halten,
ob uns jemand retten könnte. Werden wir endlich entdeckt, sollten wir uns –
sofern unser Kälteschutz nicht perfekt ist - nur dann bewegen, wenn das das
Auffinden erleichtert; denn jegliche Bewegung wie Schwimmen oder Wassertreten
vergrößert den Wärmeverlust um bis zu 40%.
Der Wärmeverlust ist
übrigens dann am geringsten, wenn wir uns im Wasser zusammen kauern. Das kann
mit der sog. „Embryo-Haltung“ erreicht werden (= Kopf aus dem Wasser,
Arme verschränkt über die Brust, Oberschenkel dicht zusammengepresst, Knie
angewinkelt, Fußknöchel überkreuzt). Dadurch sollen wir unsere Überlebenszeit
um bis zu 100% erhöhen können. Auszugehen ist dabei, dass bei 10° C
Wassertemperatur eine leicht bekleidete und nicht trainierte Person, die
schnell auskühlt, eine erwartete Überlebenszeit von
(9) „Schwimme
nur als letzten Ausweg und versuche,
irgendwas als Rettungsfloß zu
benutzen.“
Die meisten Todesfälle nach
einer Kenterung passieren dann, wenn wir den scheinbar kurzen Weg vom Ort der
Kenterung hinüber zum sicheren Ufer bzw. Rettungsboot schwimmend überwinden wollen.
Nur wenn überhaupt keine Retter alarmiert werden können, sollten wir versuchen,
an Land zu schwimmen. Wir sollten das jedoch möglichst nur dann wagen, wenn wir
eine Schwimm- bzw. Rettungsweste tragen bzw. uns an unserem Kajak festhalten
können. Beispielweise waren „in Kanada 41% derjenigen, die bei einer Bootstour
ertrunken sind, nicht mehr als 10 m vom Ufer entfernt.“
Die Ursache dafür, dass wir
im kalten Wasser ganz plötzlich nicht mehr schwimmen können, liegt an der
langsam immer steifer werdenden Muskulatur bzw. an Krämpfen, die durch die
Unterkühlung ausgelöst werden. Nach wie viel Minuten ungefähr damit zu rechnen
ist, hängt hauptsächlich von der Wassertemperatur ab und kann mit Hilfe der „Nutzzeit-Formel“
ermittelt werden (s. Punkt 7). Dass wir dann ebenso plötzlich untergehen
können, liegt darin, dass wir durch die mangelhaften bzw. fehlenden
Schwimmbewegungen nicht mehr für den nötigen Auftrieb sorgen. Versäumen wir
dann noch, stets tief Luft einzuatmen, weil wir durch unsere Hilferufe, viel
Luft ausatmen, wird es lebensgefährlich. Nur eine Schwimm- und Rettungsweste
kann uns dann noch vor dem Absinken retten. Wie schnell es ohne Auftriebshilfe
und Schwimmbewegung bei vollständig ausgeatmeter Luft nach unten geht, kann
jeder selber mal im Schwimmbad nachprüfen.
(10) „Wenn
sie aus dem Wasser raus sind, sollen sich von der Kälte angegriffene
Opfer hinlegen, eingepackt werden und
sich bewegungslos verhalten,
während man den Transport ins
Krankenhaus erwartet.“
Je weiter der
Unterkühlungsprozess fortgeschritten ist, desto kritischer ist der Zustand des
„Kenterbruders“. Aus dem Wasser, aus dem Wind (z.B. Zelt als Windschutz) und in
die Wärme (z.B. Isolierdecken bzw. Schlafsack) ist nur eine Maßnahme. Der
Körper sollte möglichst flach und bewegungslos gehalten werden, und dass sowohl
beim Bergen, beim Transport und bei der Lagerung. Damit soll letztlich
verhindert werden, dass der Kreislauf das kalte Blut der Beine und Arme in den
Rumpf pumpt (sog. „After-Drop“). Spätestens wenn das „Opfer“ das Stadium
des „Kältezitterns“ überschritten hat in Richtung der nächsten
Unterkühlungsstadien (Erschöpfungsphase / Muskelsteife bzw. Lähmungsphase /
Muskelstarre) sollte Rettung von außen angefordert werden.
Quelle: KANU
SPORT, Nr. 12/07, S.26-29 – www.kanu.de
Link zum Beitrag von J.Blockley: www.leoblockley.org.uk/documents/KaltesWasser.pdf
Links über die Gefahren der Unterkühlung und
relevante Ausrüstungsgegenstände:
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkuehlung.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Unterkuehlung-Selbstversuch.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Kaeltetod.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Kaelteschockreaktionen.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/CPR.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Trockenanzug.pdf
è
www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf