Im SEA KAYAKER nimmt Chris Brooks in dem Beitrag:
„Cold Shock and
Swimming Failure.
The real danger of cold water
is not in the slow descent into hypothermia,
but in the sudden symptoms of cold shock.”
zu den verschiedensten
Problem Stellung, die einem das plötzliche Eintauchen in kaltes Wasser bereiten
kann. Es handelt sich um ein Thema, über das auch des Öfteren schon in KANU
SPORT berichtet wurde:
Trotzdem lohnt es, sich die
einen oder anderen Fakten noch einmal in Erinnerung zu rufen:
1. Kälteschock
= kann innerhalb von 3-5 Minuten zum Tod führen;
2. Schwimmversagen = kann innerhalb von 5 – 30 Minuten zum Tod führen;
3. Unterkühlung
= kann nach 30 Minuten zum Tod führen;
4. Rettungskollaps = kann während, aber auch noch Stunden nach der Rettung zum Tod führen.
Etwa 50% aller Ertrunkenen
sterben übrigens wegen Kälteschock oder der plötzlichen Unfähigkeit, nicht mehr
Schwimmen zu können (sog. Schwimmversagen = „Swimming Failure“).
Über den Kälte-Schock („Cold Shock“) ist
Folgendes zu lesen:
1. Besonders kräftiges Einatmen („Gähnanfall“);
2. Großer Schmerz (insbesondere bei extrem kalten
Wasser),
3. Anschließend folgt ein sehr schnelles und kurzes
Einatmen (bis zu 65x/Minute) („Hecheln“), ohne dass wir in der Lage
sind, die Luft anzuhalten, was zu Krämpfen in Beinen, Armen und Brustkorb
führen kann; befinden wir uns beim Hecheln unter Wasser, atmen wir mit jedem
Atemzug automatisch Wasser ein. Spätestens bei ca. 150 ml ertrinken wir, d.h.
wir ersticken bzw. der Herzschlag setzt aus.
4. Unter +15° C Wassertemperatur wird das Vermögen, Luft
anzuhalten, um etwa 25-50 % reduziert. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt
können wir höchstens noch 12-17 Sekunden die Luft anhalten.
5. Herzrasen
setzt ein und der Blutdruck steigt an. Das kann zum
Kreislaufzusammenbruch und Tod führen. Insbesondere ältere bzw. weniger gesunde
Leute sind hier gefährdet.
Über das Schwimmversagen („Swimming
Failure“) ist Folgendes zu lesen:
Generell wird empfohlen:
Chris Brooks
geht noch auf einen anderen Aspekt ein, der unsere Informationsverarbeitung & Entscheidungsfähigkeit
betrifft. Wenn wir nämlich großen Stress haben, wie er z.B. beim Kentern im
kalten Wasser ausgelöst werden kann, werden wir mit zwei Problemen
konfrontiert:
Beides spricht dafür, dass
wir bei Kalt-Wasser-Bedingungen nicht solo, sondern als Gruppe paddeln und dass
möglichst viele erfahrene Kanuten einem dabei begleiten. Im Falle einer
Krisensituation kann dann jedem eine bestimmte Aufgabe übertragen werden, auf
dessen Bewältigung er sich dann voll konzentrieren kann.
Außerdem spricht es dafür,
dass wir z.B. immer wieder Rettungsübungen veranstalten, und zwar so häufig bis
dass die dabei anzuwendenden Rettungsmethoden gewohnheitsmäßig ablaufen; denn
wenn es kritisch wird können, jene Handlungen am schnellsten ausgeführt werden,
für die wir eine Routine entwickelt haben. Jene Handlungen aber, die wir nicht
ständig eingeübt haben, haben kaum eine Chance, schnell ausgeführt zu werden.
Bei der Organisation des
Wiedereinstiegs nach einer Kenterung ist es daher wichtig, dass zum einen der
Retter dem „Kenterbruder“ präzise Anweisungen erteilt, was er zu tun habe; denn
dieser wir bei fehlender Rettungsroutine kaum in der Lage sein, klaren Kopf zu
behalten und Entscheidungen zu treffen, was er als nächstes zu tun hat. Auf der
anderen Seite wird der „Kenterbruder“ kaum in der Lage sein, per Anweisung eine
bestimmte Rettungsmethode anzuwenden, wenn er vorher ganz andere
Rettungsmethoden gelernt hat; denn er wird diese Anweisungen wegen seiner
beschränkten Informationsverarbeitungskapazität gar nicht hören, geschweige
denn verstehen; weil er nur an jene Rettungsmethoden denkt, die er kennt. … und
was ist, wenn der „Kenterbruder“ gar keine Rettungsmethoden kennt? Nun, dann
wird er, wenn er stark gestresst bzw. in Panik ist, allein nur das tun, was
jeder tut, wenn er ins Wasser fällt: Er wird versuchen möglichst schnell aus
dem Wasser zu kommen. Wenn vor ihm ein Kanute mit seinem Kajak treibt, wird er
sofort versuchen, auf dessen Kajak zu klettern, auch auf die Gefahr hin, dass
er diesen kentert. Sollte kein Kajak, sondern nur Land in Sicht sein, dann wird
er sein eigenes Kajak los lassen und dort hin schwimmen.
Chris Brooks
führt hier Sachverhalte auf, von denen wir Kanuten alle schon einmal gehört
haben. Trotzdem paddeln wir immer wieder bei winterlichen Bedingungen, ohne auf
eine Kenterung vorbereitet zu sein. D.h. wir paddeln z.B.:
Warum tun manche Kanuten
das? Chris Brooks hat auch darauf
eine Antwort. Er nennt das „Self-Denial“, was so viel heißen kann wie Selbstbetrug bzw. Verdrängung: Uns geht es doch
gut. Wir paddeln schon seit Jahren, ohne zu kentern, bzw. wir sind schon im
Wildwasserpassagen bei +6° C Wassertemperatur ohne Probleme geschwommen. Was
soll uns schon passieren. Wir verdrängen daher die potenziellen Gefahren der
Winterpaddelei. Nur so fühlen wir uns wohl. Wir brauchen uns nicht ständig
Sorgen bzw. Vorwürfe zu machen, weil wir uns nicht darauf genügend vorbereiten.
Dabei neigen wir dazu, nach „Verbündeten“ Ausschau zu halten, die genauso
denken wie wir. Dann können wir gegenseitig die Richtigkeit unseres Verhaltens
bestätigen und uns u.U. über andere lustig machen, die sich
sicherheitsbewusster verhalten. Ja, das Risiko des Kalt-Wasser-Paddeln
schlichtweg zu ignorieren bzw. wegzudiskutieren, kann „unheimlich“ bequem sein.
Wir brauchen an keinen Rettungsübungen teilzunehmen und uns nicht die nötige
Rettungsausrüstung zu beschaffen.
Text: U.Beier
– www.kanu.de/kueste/
Quelle: SEA
KAYAKER, Nr. Febr. 08, S.24-28
è
www.seakayakermag.com/2008/Feb08/cold-shock.htm
Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkuehlung.pdf