16.04.2002: Vogelwarte auf vollem Posten (Natur)
Die Vogelzugzeit im Nationalpark Wattenmeer
ist in vollem Gange - die Brutzeit beginnt - die Vogelwarte stehen zum Schutz
bereit.
Bei der Naturschutzgesellschaft
Schutzstation Wattenmeer e.V. sind die Vorbereitungen für die einsetzende
Brutsaison der Seevögel am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
abgeschlossen.
Hunderttausende von Zugvögeln kehrten
bereits in den vergangenen Wochen aus ihren afrikanischen Winterquartieren
zurück ins Wattenmeer oder befinden sich noch im Anflug. Nur ein Bruchteil
verweilt länger zum Brüten an unserer Küste. Viele Vogelarten nutzen das Watt
lediglich als "Transit-Flughafen" zum "Auftanken" ihrer
Fettreserven. Sie haben hier mehrere Wochen Aufenthalt und setzten ihre
Flugreise nach Nordskandinavien, Grönland oder Sibirien fort, um dort mit
einsetzender Schneeschmelze in ungestörten Tundren Nachwuchs aufzuziehen.
Zu den ausdauernden Langstreckenfliegern
zählen zum Beispiel die unscheinbaren, amselgroßen Knutts, die mit ihrem
rasanten Flugspiel im Schwarm so beeindrucken, oder die Ringelgänse, die sich
zur Zwischenlandung vor allem auf den nordfriesischen Halligen sammeln. Hier
grasen sie auf den nährstoffreichen Salzrasen, um sich ausreichend
"Treibstoff" für die bis zu 5000 km lange Flugreise nach Sibirien
anzufressen.
Von den rund elf Millionen durchs
internationale Wattenmeer ziehenden Wat- und Wasservögeln, werden etwa 800 000
gefiederte "Fluggäste" allein im April/Mai im
Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer registriert. Davon sind etwa 100 000 Paare
als "Dauergäste" einzustufen, die zum Brüten an unserer Küste bleiben.
Zu den weit gereisten Stammgästen gehören beispielsweise die verschiedenen
Seeschwalbenarten, die dieser Tage in größeren Mengen aus Südafrika erwartet
werden.
Sie nisten bevorzugt auf spärlich
bewachsenen Sand- und Kiesnehrungen oder an einsamen Stränden. Da es von diesen
Biotopen wegen der Nutzung durch Menschen nur noch wenige geeignete Flächen
gibt, müssen zumindest die verbleibenden Brutplätze besonders bewacht werden.
Deshalb haben auch die Vogelwarte der
Schutzstation Wattenmeer ihre Posten bezogen. Oftmals in Form eines einfachen
Bauwagens, der direkt am Brutgebiet steht und bis zum Herbst einem
ausgebildeten Zivildienstleistenden oder einem Biologen als Standort dient. Die
Vogelwarte am Wattenmeer haben die Aufgabe, rechtzeitig potentielle Brutflächen
"auszupflocken", also mit Markierungspfählen zu umgrenzen und
Hinweisschilder zur Besucherlenkung und Information von Passanten anzubringen.
Wenn die so vorbereiteten Brutflächen dann von Seevogelkolonien angenommen
werden, gilt es, die Vögel während des gesamten Brutzeit vor Störungen zu
bewahren und minutiös den Brutbestand und dessen Entwicklung zu registrieren.
Dies erfordert eine gute Artenkenntnis, Ausdauer bei jedem Wetter, die
Bereitschaft monatelang extrem einfach zu leben, sowie teure Ferngläser und
Spektive.
Die Vogelwarte verstehen sich aber auch als
"Dienstleister" gegenüber Spaziergängern. Passanten werden über
Schutzmaßnahmen, die Besonderheiten der Seevögel und jenes Lebensraumes
informiert, für den manche Arten immerhin Langstreckenflüge von über 14000 km
zurücklegen: den Nationalpark Wattenmeer.
Für Rückfragen: Lothar Koch, Diplombiologe,
Tel: 04651/26088
Infos: www.schutzstation-wattenmeer.de
Quelle: Mail-WATTREPORT der Schutzstation
Wattenmeer, Nr. 85/April 02
(Er kann abonniert werden mit einer Mail mit
dem Wort SUBSCRIBE im Betreff an
wattreport-admin@schutzstation-wattenmeer.de
)
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P.S.: Ein Appell an die
Küstenkanuwanderinnen und -wanderer
In der Tat sind während der Brutsaison
Paddler und Vögel auf ähnliche Plätze scharf. Die grasbewachsenen,
verhältnismäßig ebenen Flächen knapp oberhalb der Flutgrenzen eigenen sich
vorzüglich zum Aufbauen der Zelte, werden aber ebenso gern von Seeschwalben,
Regenpfeifern und anderen Limicolen als Brutplatz genutzt. Diese Vögel bauen
keine Nester. Nur ein paar Muschelschalen und kleine Steinchen in einer flachen
Mulde genügen ihnen zur Eiablage. Die Eier selbst sind so hervorragend getarnt,
dass man sie meist erst sieht, wenn man sie zertreten hat. Selbst geschulte
Beobachter können Gelege übersehen.
Erkennbar sind solche Brutplätze meist nur
am auffälligen Verhalten insbesondere der Seeschwalben und Möwen. Sie kreisen
über ihren Gelegen und greifen Störenfriede sogar mit Schnabelhieben an. Dabei
machen sie einen Riesenlärm. An solchen Gestaden lohnt es sich gar nicht erst
anzulegen, so oder so bekommt der Paddler Ärger. Andere Vögel verlassen jedoch
einfach ohne Aufheben still ihr Gelege. Insofern ist nicht immer Verlass
darauf, dass Brutbereiche durch lebhaft rufende Vögel gekennzeichnet sind.
Am besten sucht man sich bis Mitte Juli
offizielle Campingplätze oder anderweitig von Menschen stark genutzte Areale.
Im Spätsommer ist immer noch genügend Gelegenheit für romantische
Zeltgelegenheiten an absolut einsamen Plätzen.
Die Vögel werden Euch solche Rücksichtnahme
danken.
Text: Hauke Lass