25.04.2002 Protest gegen die Raketentests
in der Meldorfer Bucht (Natur)
Zu einer Wattwanderung als Protest gegen die
Raktentests in der Meldorfer Bucht lädt u.a. die Deutsche Friedensgesellschaft
(DFG-VK) am Pfingstsonntag, den 19. Mai 2002 um 10.00 Uhr ein. Der
Treffpunkt ist beim Informationszentrum Nationalpark-Wattenmeer
"Wattwurm" an der Meldorfer Bucht.
Ein paar Hintergrundinformationen zum
Thema "Wattenmeer als Waffenerprobungsgelände der Rüstungsindustrie und
der Bundeswehr": Seit
Jahrzehnten werden im Dithmarscher Wattenmeer Waffensysteme für die Bundeswehr
erprobt und weiterentwickelt. War es zu Beginn der achtziger Jahre die Firma
Rheinmetall, die "endphasengelenkte Artilleriemunition"
perfektionierte, wurden in den neunziger Jahren Artillerieflugbahnen pedantisch
genau vermessen. Zu diesem Zweck wurde im "clear range - Verfahren"
aus dem Speicherkoog Dithmarschen-Süd auf das Watt geschossen. Seit dem Ende
der neunziger Jahre ist ein gigantisches, künstlich ausgebaggertes Wasserbecken
in Betrieb, in dem die Abwehr "schneller Unterwasserlaufkörper"
sprich Torpedos mit konventionellem oder Raketenantrieb erprobt wird. Seit
November 2001 sind die neuen Hochgeschwindigkeitsraketen ARMIGER hinzugekommen.
Diese Raketen werden von dem Koog aus ins Wattenmeer abgefeuert. Die Bundeswehr
hält das Wattenmeer als Raketenübungsplatz für geeignet, weil sie meint, hier
die Reichweiten ihre Hyperschall-Flugkraketen unbehindert und ungestört von
jeglicher Zivilisation austesten zu können. Bei Ebbe sammeln sie ihre
getesteten Raketen im Watt wieder ein. Die nicht gefunden werden, verschwinden
als gefährlicher Sondermüll unter der Oberfläche des Watts, und werden noch für
Generationen eine Gefahr darstellen.
Weil das Wattenmeer Lebensraum für Tiere und
Pflanzen bietet, die nur in diesem Ökosystem überleben können und als
Naturschutzgebiet für die Regeneration von Mensch und Natur unverzichtbar ist,
wurde das schleswig-holsteinische Wattenmeer zum Nationalpark. Es ist kein
Truppenübungsplatz. In dem Gebiet, indem die Bundeswehr ihre Raketen abfeuert,
leben mehr als 40.000 Vögel. Diese Vögel werden durch die Raketen und die sie
begleitenden Hubschrauber häufig zu Tode erschreckt und auf den Sandbänken
finden sie nicht mehr die notwendige Ruhe zum Brüten.
Was können wir tun? ... Wir wollen mit
dieser Protestwanderung u.a. dafür eintreten, daß das Wattenmeer endlich als
Weltnaturerbe anerkannt und zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt wird.
"Das Wattenmeer als Modellregion für eine Kultur des Friedens!"
Biosphärenreservate sind regionale Beispiellandschaften, in denen, die von der
UN-Umweltkonferenz in Rio geforderte nachhaltige Entwicklung, praktisch
umgesetzt werden kann. Inzwischen gibt es davon 368 in 91 Ländern.
Biosphärenreservate haben deshalb folgende Funktionen:
Diese Funktionen und die Aufteilung in
Zonen, die den menschlichen Zugriffen teilweise verwehrt sind, gewährleisten
einen Schutz, der dem des Nationalparks weit überlegen ist: Militärische
Nutzung wäre nicht nur fragwürdig, sondern unmöglich und das Wattenmeer wäre
nationalstaatlichen Interessen, wie sie auch von der Bundeswehr wahrgenommen
werden, entzogen. ...
Wir wollen in diesem Sinne aktiv werden und
dem Militär das Wattenmeer entziehen Wir wollen uns dafür einsetzen, daß die
aus menschlicher Sicht sinnlosen Ausgaben für die zerstörerischen
Militärprojekte, die nicht nur den Frieden im Wattenmeer stören, dafür
eingesetzt werden, daß das weltweit einzigartige Naturreservat Wattenmeer
umfassend bewahrt und geschützt wird. Wir Menschen können nur von und mit der
Natur leben, sie ist unsere Sicherheit. Deshalb wollen wir am Pfingstsonntag
Naturerleben und Protest gegen die Bundeswehr miteinander verbinden.
Infos: DFG-VK - flensburg@bundeswehrabschaffen.de