15.02.2005 Kormoran (Natur)
Noch vor 20
Jahren wäre es ein großer Zufall gewesen, im Winter im Wattenmeer einen
Kormoran (Phalacrocorax carbo) zu sehen. Durch strengen Schutz ist es jedoch
gelungen, diesen außergewöhnlichen Tauchvogel, der in Mitteleuropa nahezu
ausgerottet war, wieder heimisch zu machen. Dies allerdings zum Missvergnügen
der Fischwirtschaft, die ihn im 19. Jahrhundert fast ausgerottet hatte.
Mit etwa 1 m
Länge, 1,5 m Spannweite und einem Gewicht von 2-3 kg (Männchen sind größer) ist
der Kormoran ein recht großer Vertreter der heimischen Vogelwelt. Sein Gefieder
ist schwarz-braun, teilweise grün schillernd. Altvögel haben im Prachtkleid
weiße Partien an Kopf und Schenkeln, während Jungvögel mehr oder weniger
ausgedehnt hell am Bauch sind.
Charakteristisch
ist das kreuzförmige Flugbild mit langem Schwanz und gestrecktem Hals.
Ebenfalls unverwechselbar sind die mit gespreizten Flügeln auf Pfählen oder
Sandbänken sitzenden Kormorane, die nach dem Fischfang ihr Gefieder trocknen
und sich in der Sonne wärmen lassen.
In der
Küstenregion sind Kormorane heute überall ganzjährig anzutreffen. Ihre
Brutkolonien liegen auf Inseln im Süß- & Salzwasser.
Hätten Sie gedacht, dass …
… der
wissenschaftliche Name „kohlschwarzer Glatzenrabe“ bedeutet und damit auf die
im Alter zunehmende Weißfärbung der Stirn anspielt?
… Kormorane in
Japan zum Fischfang abgerichtet wurden, indem man sie mit einem Ring um den
Hals, der das Schlucken der Fische verhinderte, vom Boot aus angeleint nach
Fischen tauchen ließ?
… die Vögel auf
der Beutesuche bis 60 km weit fliegen?
… ihre
Körpertemperatur bei nassem Gefieder und durch das kalte Futter um bis zu 3° C
abfällt?
… Kormorane
täglich 300 g, zur Brutzeit bis 800 g Fisch brauchen, was sie bei Teichwirten
und Anglern geradezu verhasst macht, zumal sie schnell und gründlich
„abräumen“, wo viele Fische sind?
… der ebenfalls
zunehmende Seeadler Kolonien von 1.000 und mehr Kormoranen vergrämen kann?
… 1816 in
Schleswig-Holstein eine Kolonie von 7.000 Brutpaaren zerstört wurde, während
heute im ganzen Land knapp 3.000 Paare leben – ohne weitere Zunahme?
… der Schutz der
Art durch die EU-Vogelschutzrichtlinie 1997 aufgehoben wurde, und dass
mittlerweile auch Vergrämungsabschüsse zulässig sind?
Wo ist der Kormoran zu finden?
Die Art ist in
zwei Unterarten am Atlantik von Island und der Bretagne bis zum Nordmeer sowie
in Mitteleuropa bis Asien verbreitet. Brutkolonien finden sich vorrangig in
Küstennähe, doch ziehen die Tiere im übrigen Jahr weit umher Richtung Südwesten
und überwintern auch an Bodensee und Mittelmeer.
Restbestände in
Polen & den Niederlanden haben Mitteleuropa seit dem Jagdverbot um 1975
wieder besiedelt, und seit etwa 1990 bilden sich im Watt neue Brutkolonien
(z.B. Trischen). Im Binnenland brüten die Vögel auf Bäumen, an der Küste auch
auf Leuchttürmen & Masten.
Tauchend jagt
der Kormoran Fische aller Art. Einzelvögel bevorzugen große Fische, Gruppen
verfolgen auch kleinere Schwarmfische.
Das Gefieder
des Kormorans hält keinen Luftfilm, was ihn zu einem extrem gewandten und
erfolgreichen Tauchjäger macht. Allerdings kühlen die Vögel auf und speziell
unter Wasser schnell aus, sodass sie viel Nahrung brauchen.
Text: Rainer Borcherding
Quelle: WATTREPORT 1/05 – www.schutzstation-wattenmeer.de