24.03.2005
Bestandsentwicklung bei Kegelrobben (Natur)
In
der vom WWF herausgegebenen Zeitschrift WATTENMEER INTERNATIONAL berichtet
Silvia Gaus (Schutzstation Wattenmeer) in dem Beitrag:
„Gute
Konjunktur bei Kegelrobben“
über
die derzeitige Bestandsentwicklung:
„Kegelrobben
verschwanden vor langer Zeit aus dem Wattenmeer, vermutlich fielen sie früher
Verfolgung zum Opfer. Doch 1983 gab es vereinzelte Hinweise auf
Kegelrobbengeburten auf einer Sandbank zwischen Amrum und Föhr. Experten waren
sich damals sicher, dass eine Wurfkolonie an diesem Ort keine Erfolgsaussichten
haben könne, da die Sandbank regelmäßig überflutet wird. Die als schwimmunfähig
geltenden Jungtiere seien dadurch dem sicheren Tod geweiht.
Der Schutzstation
Wattenmeer gelang im Winter 1988/89 der Nachweis, dass sogar neun Jungtiere
geboren wurden und überlebten. Seither werden Kegelrobben im Rahmen eines
Projektes eingehend beobachtet.
Bald konnte
die Meinung, dass Jungtiere ertrinken müssen, ins Reich der Märchen verbannt
werden. Verdriftete Jungtiere schwimmen unversehrt an benachbarte Inselstrände.
Der Kontakt zur Mutter reißt nicht ab, denn diese folgt ihrem Jungen und säugt
es dort regelmä0ßig alle 4-7 Stunden.
Diese
Beobachtungen belegen, dass Kegelrobben zum Überleben und zur erfolgreichen
Vermehrung ausschließlich sauberes Wasser, ausreichende Nahrungsgründe und Ruhe
an Wurf- und Aufzuchtplätzen benötigen. Diese Ruhe wird durch den Nationalpark
und die Einrichtung flexibler Ruhezonen sichergestellt. Weitere menschliche
Hilfen wie die Aufzucht gefundener Jungtiere sind überflüssig und mit Blick auf
die Fitness der Population sogar gefährlich. Die Richtigkeit dieses
Schutzkonzeptes zeigt sich durch den ständigen Anstieg der Zahl der Kegelrobben
und der überlebenden Jungtiere. So wurden in der Wurfsaison 2004/2005
regelmäßig zwischen 60 und 670 erwachsene Kegelrobben auf einer Sandbank
(nordwestlich von Amrum) beobachtet, die Geburt von 30 Jungtieren konnte
nachgewiesen werden.
Dennoch ist
das Leben der Kegelrobben an dieser Stelle des Wattenmeeres außergewöhnlich.
Auf überflutungssicheren Wurfplätzen leben Kegelrobben zur Zeit der
Jungengeburt und –aufzucht in Wurfkolonien. Dabei bilden die Männchen Harems
mit bis zu 10 Weibchen um sich. Ranghohe Männchen beanspruchen die meisten
Weibchen und die besten Liegeplätze. Da die Paarung im Anschluss an die
Jungenaufzucht stattfindet, sichert die frühe Haremsbildung dem Männchen die
Paarungsrechte. Dafür nimmt es die hohe Investition in Kauf, die Weibchen
während der Jungenaufzucht zu schützen, obwohl es nicht sicher sein kann, dass
es sich bei den Jungtieren um seine Nachkommen handelt.
Durch das
Verdriften der Jungen wird der Harem aufgelöst. Bestehende Verhaltensweisen
müssen modifiziert werden. Die Weibchen müssen den Schutz der Männchen aufgeben
und folgen ihren Jungen, sind aber gleichzeitig bestrebt, diese wieder zur
eigentlichen Wurfbank zu geleiten. Die Mütter locken ihre Jungen immer wieder
zur Wasserkante und ins Wasser und versuchen so, die Konfliktsituation zu
lösen. Folgt ein Jungtier nicht, ist das Weibchen gezwungen, die Aufzucht
außerhalb der Kolonie fortzusetzen. Erst nach dem Abstillen kehrt das Weibchen
zur Wurfbank zurück, um sich von einem möglichst ranghohen Männchen erneut befruchten
zu lassen.“
Quelle: WATTENMEER
INTERNATIONAL, Nr. 1/05, S.15 – www.wwf.de