04.05.2005 Virenalarm für Mittelmeer-Fische (Natur)
Die Fische im Mittelmeer sind nach Einschätzung des WWF durch
exotische Krankheitserreger stark gefährdet. Die Umweltschützer machen dafür
die im großen Stil in den mediterranen Tunfischfarmen verfütterten Fische
verantwortlich. Diese stammen meist aus anderen Gewässern und schleppen fremde
Viren ein, denen ihre Verwandten im Mittelmeer nur wenig entgegenzusetzen
haben. „Die Europäische Union muss den Einsatz von importiertem und
unverarbeitetem Futterfisch verbieten“, fordert Stefanie Schmidt,
Fischereireferentin des WWF Deutschland. „Das Risiko, dass sich die
Mittelmeerfische mit einem für sie tödlichen Virus anstecken, ist einfach zu
hoch. Neue Krankheiten können ganze Fischbestände gefährden. Darunter leiden
das ganze Ökosystem und schließlich auch die Fischer, deren Existenzgrundlage
auf dem Spiel steht.“
Im Mittelmeer gehören Fischereiunternehmen in Spanien, Malta,
Italien, Griechenland und Zypern zu den Hauptbetreibern von riesigen
Tunfischfarmen. Dort werden die Tunfische zunächst gefangen und dann in
Zuchtbecken etwa sechs Monate lang auf Idealmaß gemästet. Wie der WWF-Bericht
aufzeigt, werden sie während dieser Zeit mit großen Mengen an gefrorenen und
unbehandelten kleineren Fischen gefüttert, die hauptsächlich vor den Küsten
Westafrikas, Nord- und Südamerikas und im Nordatlantik gefangen werden.
Laut WWF landen jedes Jahr etwa 225.000 Tonnen Hering, Lodde und
weitere nicht-mediterrane Arten in den Zuchtbecken. Futterreste und die
Ausscheidungen der gemästeten Tunfische gelangen in das Wasser, das die Becken
und Tanks umgibt. Seevögel, die sich ebenfalls an den Futterfischen laben,
bringen einzelne Bestandteile sogar bis in die offene See und in weit entfernte
Küstengebiete. Viren, die in den Ursprungsregionen kaum negative Auswirkungen
haben, können unter den dort lebenden Fischen schlimme Krankheiten und Seuchen
auslösen.
Die laut WWF bislang spektakulärste Fisch-Epidemie, die in
Tunfischfarmen ihren Ausgang nahm, hatte sich in den 1990er Jahren in
Australien ereignet. Bis 1995 waren 5.000 Kilometer Küste von der Seuche
betroffen. Am Ende waren drei Viertel aller ausgewachsenen Sardinen Australiens
verendet. „Leider kann man nie ausschließen, dass Futterfische völlig virenfrei
sind. Deshalb ist ein totales Verbot solcher Füttermethoden die einzige
Lösung“, stellt Stefanie Schmidt klar. In Dänemark ist das Verfüttern von
unverarbeiteten Fischen in Salzwasser-Aquakulturen bereits seit 1985 untersagt.
Der WWF fordert eine Ausweitung dieses Verbots auf alle EU-Staaten.
Quelle: WWF-Presseinfo
v. 4.05.05 – www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02422/index.html