05.05.2005
Gewässersperrung: Natur & Jugend (Natur)
In
KANU SPORT nimmt U.Beier zu einem
Beitrag von S.Etzold über:
„Keine Ahnung von
Natur – Jugendliche leiden unter dem Bambi-Syndrom“
Stellung,
der in der ZEIT v. 22.12.04, S.53, erschienen ist. Bezug genommen wird dabei
auf die Ergebnisse des „Jugendreports
Natur“, in dem der Natursoziologie Rainer Brämer eine „nachhaltige Naturentfremdung“
der Jugend diagnostiziert:
·
1997 meinten 7 % der befragten Neuntklässler, dass Enten
gelb sind, heute glaube es schon 11 %.
·
1997 interessierten sich noch 37 % der Jugendlichen für das
Bestimmen unbekannter Pflanzen, heute sind es noch 19 %.
·
2004 konnten 42 % der Befragten kein „eindrucksvolles
Naturerlebnis“ beschreiben.
·
„Das Versprechen, der Natur zu helfen, wird gern gegeben –
solange es nicht eingelöst werden muss. Dann machen zwei Drittel einen
Rückzieher.“
·
„Die hypothetisch behauptete Bereitschaft, an Umweltaktionen
teilzunehmen, hat sich in den vergangenen 7 Jahren fast halbiert.“
Wie
eine solche Entwicklung entgegen zu wirken ist, dafür hat R.Brämer kein Rezept.
„In den Schulen jedenfalls scheint das nicht zu gelingen. Entsprechende Äußerungen
von Pädagogen stoßen bei Kindern und Jugendlichen auf taube Ohren.“
In
der Tat, hier bahnt sich eine Entwicklung an, die nichts Gutes ahnen lässt. Spätestens
wenn es keinen Jugendlichen mehr gibt, der die Natur noch kennt, wird der
Naturschutz keine Zukunft mehr haben, da ihm dann die Befürworter fehlen
werden.
Die
Gründe dafür, dass immer weniger Jugendlich die Natur noch kennen, sind
multikausal. Solange die eigentlichen Gründe nicht bekannt sind, sollte man
jeden Grund ernst nehmen, so belanglos er manchen auch erscheint. Ein Grund
dafür mag sein, dass die Natur den Jugendlichen immer mehr entfremdet wird. Wer
die Natur nicht erleben kann, wird sie auch nicht kennen lernen. Wer die Natur
aber nicht kennt, wird kaum bereit sein, sich für den Erhalt der Natur
einzusetzen.
Die
Kontakte der Jugendlich mit der Natur sollten daher gefördert werden. Dafür
genügt es jedoch nicht, den Jugendlichen die Besichtigung von
Naturschutzgebieten zu ermöglichen. Das fördert wohl das Verständnis für die Berechtigung
von Naturschutzgebieten und trägt zu einer Art „Naturbildung“ bei. Was wir aber
für die Zukunft brauchen, sind engagierte Leute, die sich für die Belange der
Natur so einsetzen, als ob es ihre eigenen Belange seien. Wie in der
Vergangenheit die meisten „Naturschützer“ zunächst einmal „Vogelschützer“ waren
und aus der großen Gruppen der interessierten „Vogelbeobachter“ sich
rekrutierten, so wäre man heute gut beraten, den Kreis der „Naturbeobachter“ zu
fördern, wenn man will, dass es auch in Zukunft noch „Naturschützer“ geben
wird.
Echte
„Naturbeobachter“ sind alle jene, die nicht mal für ein paar Stunden das eine
oder andere Naturschutzgebiete aufsuchen, sondern die von Kindesbeinen an ihre
Freizeit in der Natur verbringen konnten. Zu denken ist hier an die in manchen
Städten eingerichteten „Waldkindergärten“, deren erstes Anliegen es ist,
den Wald als Kindergarten zu nutzen. Leider gibt es hier Bestrebungen durch
Vorschriften bzw. Nutzungsgebühren das Betreten des Waldes zu beschränken. Zu
denken ist aber auch an die Förderungen von Natursportarten, die
Jugendliche ansprechen, wie z.B. das Klettern, Mountainbiken, Skiwandern und
nicht zuletzt das Kanuwandern. Letzteres steht immer wieder im Brennpunkt der
Kritik bei lokaler Naturschützer. Im DKV-Sportprogramm 2004 werden auf 36
Seiten „Befahrungsregelungen aus Naturschutzgründen auf den Wasserwanderwegen
des Kanusports“ (mit Stand: Nov. 2002) aufgeführt. Befahrensregelungen die
gleichermaßen für Erwachsene und Jugendliche gelten. Befahrensregelungen, die
die Schutzwürdigkeit von Gewässern betonen, die Jahrzehnte zuvor befahren
wurden, ohne dass dadurch dort die Natur nachhaltig gefährdet wurde.
An
dieser Stelle hier soll nicht dafür plädiert werden, pauschal alle
Befahrensregelungen für alle Bevölkerungsgruppen aufzuheben. Wohl aber sollte
man sich überlegen, eine Gruppe von diesen Befahrensregelung weitestgehend zu
befreien, nämlich die Jugendlichen, die unter Führung eines qualifizierten
Fahrtenleiters ein Gewässer befahren wollen. Sollte der DKV aus der Gruppe der
„Naturschützer“ keine Verbündeten für dieses Anliegen finden, so möge er sich
an die Politiker wenden; denn ein nachhaltiger Schutz der Natur über die
Generationen hinweg ist nur dann möglich, wenn der Jugend nicht das
„Naturerlebnis“ verwehrt wird, d.h. die Möglichkeit, in der Natur ihre Freizeit
zu verbringen, genommen wird. Wenn das die Naturschutzorganisation nicht
einsehen, da sie ihre derzeitig präferierten Ziele, den Mensch aus der Natur
auszusperren, nicht aufgeben möchten, müssen übergeordnete Institutionen die
Interesse der Natur vertreten.
Quelle: KANU SPORT,
Nr. 5/05, S.6 – www.kanu-verlag.de