18.06.2005 Aalmutter (Natur)
Wenn
die Sonne wieder wärmt und es im Flachwasser gemütlich wird, tauchen in
Wattpfützen von Muschelbänken vereinzelt kleine, schlängelige Fischchen auf. Es
sind die gut 5 cm langen Jungen der Aalmutter (Zoarces viviparus), die im
Spätwinter das Licht derWelt erblickt haben.
Die
Aalmutter ist ein nach hinten verschmälerter, sehr beweglicher Fisch von meist
30 cm, selten bis 50 cm Länge. Sie hat große Brustflossen, die orange gerandet
sein können, sowie bis fast zum Schwanz durchlaufende Flossensäume: die verlängerten
Rücken- und Afterflossen. Die Grundfarbe der Aalmutter variiert von sandfarben
bis grün-braun. Meist trägt sie dunklere senkrechte Streiven oder Ringe, was
eine gebänderte Tarnkleidung ergibt.
Vom
echten Aal und dem im Watt ähnlich wie die Aalmutter verbreiteten Butterfisch
unterscheidet sie sich durch ihren nicht ganz so schlangenförmigen Körper und
die Färbung: der Aal ist ungemustert, der Butterfisch hat runde Augenflecken am
Rücken.
Hätten Sie gedacht, dass …
…
der wissenschaftliche Name übersetzt „lebendgebärender Erhalter des Lebens“
heißt?
…
der deutsche Name daher rührt, dass man die Herkunft des Aals, der ja in der
Tiefsee von Mexiko laicht, lange nicht kannte, und deshalb diesen seltsam
lebendgebärenden Fisch für die „Mutter der Aale“ hielt?
…
die Männchen zur Spermaübertragung einen „Minipenis“ haben?
…
die Aalmutter auch ihre eigenen Jungen frisst, wenn die sich nicht verstecken
oder abwandern?
…
die Gräten der Aalmutter einen Farbstoff namens Vivianit enthalten, der beim
Kochen grün wird?
…
die Aalmutter gar oder geräuchert gut schmeckt, aber wegen der Grätenfarbe kaum
verkäuflich ist?
…
das Umweltbundesamt alljährlich Aalmuttern als Proben für künftige
Schadstoffvergleiche einfriert?
…
die Art so robust ist, dass sie die Tortur der Fangsortierung auf
Krabbenkuttern recht gut überlebt?
…
eine Aalmuttervolkszählung im Watt von Schleswig-Holstein einen Bestand von
etwa 3 Millionen ergab?
Wo ist die Aalmutter zu
finden?
Sie
ist ein bodenbewohnender Fisch der Flachwasserzonen von Nordatlantik, Nordsee
und Ostsee. Hier ist sie auf verschiedenartigen Untergründen, vor allem auf
Steingrund oder auf Muschelbänken anzutreffen. Sie lebt auch auf deckungsarmen
Sandgrund, ist jedoch ortstreu und „häuslich“ und bevorzugt die Nähe zumindest
einzelner Algenbüschel oder Steine.
Dank
ihrer Körperform kann sie in Nischen am Boden nach Beute jagen. Sie frisst
Garnelen, Flohkrebse und Borstenwürmer. Ihre großen Brustflossen erlauben es
ihr, als Lauerjäger plötzlich vorzuschnellen und eine Beute zu schnappen. Lange
Strecken oder im Freiwasser schwimmen kann sie nicht.
Nach
der Paarung im Sommer ist das Weibchen 3 bis 6 Monate trächtig und bringt 25
bis 100 Junge zur Welt, die sofort selbständig sind.
Text: Rainer Borcherding (Husum)
Quelle: WATTREPORT, Nr. 06-06/2005
– www.schutzstation-wattenmeer.de