15.09.2005 Großprojekte gefährden Nationalpark in
Nordfriesland (Natur)
Im
WWF-NEWSLETTER wird über Folgendes berichtet:
„Anlässlich des bevorstehenden 20. Geburtstages des Nationalparks
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mahnen der WWF und die Schutzstation
Wattenmeer mehr Respekt für die empfindliche Küstennatur an. „Die Vielzahl von
Großprojekten in der Küstenregion macht der Natur zu schaffen“, so Hans-Ulrich
Rösner vom WWF. „Wenn es so weitergeht, dann wird in Zukunft zwischen Dämmen
und Deichen, Förderinseln und Pipelines, Kabeln und Windparks,
Flussvertiefungen und Sperrwerken nicht mehr viel Nationalpark übrig sein“,
befürchtet die Biologin Silvia Gaus von der Schutzstation Wattenmeer.
Schon in der Vergangenheit setzten Bauprojekte dem Schutzgebiet
zu: Kurz nach seiner Gründung wurde im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer eine Ölbohrinsel errichtet. Weitere Eingriffe folgten. In
diesem Jahr kam eine Pipeline hinzu, für die im Watt eine der größten
Baustellen des Bundeslandes eingerichtet wurde. Negative Folgen für das
Wattenmeer drohen laut WWF und Schutzstation in Folge der für eine verbesserte
Zufahrt zum Hamburger Hafen geplanten Elbvertiefung. Die zu befürchtende
Änderung des Strömungssystems zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven gefährde nicht
nur die Natur an der Elbe, sondern würde auch den Nationalpark in
Mitleidenschaft ziehen.
Für die geplanten Offshore-Windparks sind zahlreiche Hochspannungskabel
quer durch den noch unberührten Wattboden vorgesehen. An der Wattkante der Insel
Sylt sollen natürliche Übergänge vom Land ins Watt durch Beton und Steine
versiegelt werden, um so die Insel vor Erosion zu schützen. Den gleichen Effekt
könnte man nach Ansicht der Umweltverbände mit weit weniger Schaden für die
Natur auch durch die Aufspülung von Sand erzielen. Zudem wird auf Sylt
diskutiert, eine kilometerlange Seebrücke in das Walschutzgebiet des
Nationalparks hinein zu bauen. In der Folge schlugen Kommunalpolitiker von der
Insel Föhr vor, einen Straßendamm nach Amrum zu bauen. Erst Naturschützer
stoppten eine massive Erhöhung und Verbreiterung des Dammes vom Festland zu den
Halligen Oland und Langeneß. Eine Genehmigung lag gar nicht vor. Wie sich
später zeigte, könnte man den Damm auch mit weniger Aufwand erhalten.
Auch wenn einzelne solcher Bauten für die Natur verkraftbar sein
mögen, so kämen die Probleme durch ihre Summe. Deshalb fordern der WWF und die
Schutzstation Wattenmeer von Behörden und Regierungen, alle Eingriffe in den
Nationalpark gebündelt zu betrachten. „Statt Einzelfälle am Fließband zu
genehmigen, brauchen wir eine integrierte Planung“, betont WWF-Biologe
Rösner. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Nationalparke im Wattenmeer durch
viele kleine Einschnitte ihren Charakter als ungestörte Naturgebiete verlieren.
„Wenn wir das Wattenmeer für kommende Generationen erhalten wollen, müssen wir
respektvoller mit dieser einzigartigen Landschaft umgehen“, betont Silvia Gaus.
Quelle: WWF-NEWSLETTER
v. 15.09.05 – www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02675/index.html