30.09.2005
Bilanzbericht 20 Jahre Nationalpark in
Nordfriesland (Natur)
Im WWF-NEWSLETTER wird der Bilanzbericht zum 20-jährigen Bestehen
des Nationalpark Schleswig-Holsteinischen Wattenmeers vorgestellt:
„Der Zustand der artenreichen Natur an der Küste hat sich seit
Gründung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer deutlich
verbessert. Blühende Salzwiesen und eine eindrucksvolle Vogelwelt sind heute
Markenzeichen des Schutzgebietes und Grund zur Freude für alle Besucher.
Allerdings sei es noch ein weiter Weg, bis der Nationalpark auch
internationalen Ansprüchen genüge. Dies geht aus einer von der Schutzstation
Wattenmeer und dem WWF vorgelegten Bilanz anlässlich des 20. Geburtstages des
Nationalparks am 1. Oktober hervor.
„Insgesamt ist der 20. Geburtstag des Nationalparks ein Feiertag
für den Naturschutz in Deutschland“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des
WWF-Projektbüros Wattenmeer. Es sei heute mit über 4.400 Quadratkilometern der
größte Nationalpark zwischen Nordkap und Sizilien. Auf früher intensiv
bewirtschafteten Salzwiesen blühen heute wieder Strandflieder, Salzaster und
Meerstrandwermut. In der Folge nahmen die Brutbestände vieler Vogelarten wie
beispielsweise des Rotschenkels wieder zu.
Die artenreiche Vogelwelt der Wattenmeerregion habe zudem vom 1989
erlassenen Jagdverbot profitiert. „Die jährlichen Ringelganstage zählen zu den
touristischen Höhepunkten des Nationalparks“, erklärt Rainer Schulz von der
Schutzstation Wattenmeer. „Ohne Jagd sind die Tiere so zutraulich geworden,
dass man sie oft ganz aus der Nähe beobachten kann. Heute stehen die aus
Nord-Sibirien in das Watt kommenden Ringelgänse nicht mehr auf dem Speiseplan,
sondern als Attraktion im Veranstaltungskalender.“
Den größten Nachholbedarf sieht der Bericht in der Fischerei. Die Fangfläche
habe sich seit dem Gründungsjahr des Nationalparks kaum verringert, noch immer
könne sich die Unterwasserwelt kaum ungestört entwickeln. „Wir müssen künftig
gemeinsam mit der Fischerei erreichen, dass der Nationalpark gut geschützt ist
und trotzdem eine nachhaltige Küstenfischerei stattfinden kann“, fordert Rainer
Schulz. Auch die Ölförderung im Nationalpark, zahlreiche Baumaßnahmen
und die Raketentests in der Meldorfer Bucht widersprächen dem
Schutzgedanken.
Der Bericht begrüßt ausdrücklich das Bekenntnis der neuen
Landesregierung aus CDU und SPD zum Nationalpark. Zugleich fürchten die
Naturschützer jedoch angesichts erheblicher Finanzkürzungen um die Zukunft des
Schutzgebietes. „Das Nationalparkamt kann schon bald seine Aufgaben nicht
mehr erfüllen. Auch die für den Tourismus so wichtige Betreuung der Besucher
wird schlechter werden“, kritisiert WWF-Sprecher Rösner. „Die politische
Zustimmung zum Nationalpark ist nur glaubwürdig, wenn auch die nötigen Gelder
fließen.“ Er verweist auf das Wattenmeer in den Niederlanden. Hier habe die
Regierung die Zeichen der Zeit erkannt und beschlossen, in den kommenden 20
Jahren 800 Millionen Euro zusätzlich für den einmaligen Naturraum zur Verfügung
zu stellen.
Quelle: WWF-Newsletter v. 30.09.05
- www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02694/index.html
Link:
Bericht: 20 Jahre Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
– WWF und Schutzstation Wattenmeer ziehen Bilanz (30.05.05) (16 S.)
è www.wwf.de/imperia/md/Icontent/pdf/30.pdf
Literatur:
Nationalparkamt: 20 Jahre Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer (24 S.)
Bezug: hendrik.brunckhorst@nationalparkamt.de
/ www.wattenmeer-nationalpark.de
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