18.11.2005
Heiße Meere – leere Netze (Natur)
In einem WWF-REPORT wird auf die negativen den Auswirkungen des
Klimawandels auf die Fischbestände aufmerksam gemacht:
„Neben der Überfischung macht der Klimawandel den Fischbeständen in
aller Welt zunehmend zu schaffen. Ein neuer WWF Report zeigt, dass steigende
Wassertemperaturen sowohl in den Ozeanen als auch in Flüssen und Seen die
Fischbestände gefährden. Der Sauerstoffgehalt vieler Gewässer nehme stark ab,
so dass insbesondere Süßwasserarten immer häufiger nach Luft schnappen müssen.
Ein schlechteres Nahrungsangebot, vermindertes Wachstum und weniger Nachkommen
seien die Folgen. Zudem bringe der Klimawandel die Nahrungskette erheblich
durcheinander. Mitte der 90er Jahre verhungerten rund 120.000 Seevögel im Golf
von Alaska, weil ihre Beutefische in größere Tiefen und damit kühleres Wasser
abgetaucht waren. „Der Report passt ins Bild. Der Klimawandel hinterlässt
inzwischen fast überall auf dem Planeten seine Spuren“, betont Regine Günther,
Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland. Die Regierungen seien noch
immer zu langsam bei der Bekämpfung des Klimawandels. Der bevorstehende Gipfel
in Montreal biete Gelegenheit, das Tempo zu erhöhen.
„Wärmeres Wasser ist eine zusätzliche Belastung für viele
Fischbestände“, erläutert Stefanie Schmidt, Fischereireferentin beim WWF
Deutschland. Der geringere Sauerstoffgehalt des Wassers und ein schlechteres
Nahrungsangebot führten zu großen Problemen. Einige Arten wie Lachse, Störe
oder Welse seien für Sex im Warmen nicht zu haben. Sie laichen nur, wenn die
Temperatur unter ein bestimmtes Niveau sinke. Bei anderen Fischen nehme die
Fortpflanzungsrate mit steigender Wassertemperatur erheblich ab. Überdies führe
die Erwärmung zu einer Artenverschiebung in Richtung der Pole. Kälte liebende
Arten wie Seehecht oder Kabeljau versuchen, in kältere Gefilde zu flüchten und
Fischarten aus wärmeren Gewässern dringen weiter in Richtung Norden vor. Wenn
sie sich in den neuen Gewässern durchsetzen, verändern die Neuankömmlinge das
ökologische Gefüge, was zu einer Verdrängung heimischer Arten führen könne.
Gelinge die Neubesiedelung hingegen nicht, könne dies für die Wärmeflüchtlinge
das Aus bedeuten, insbesondere wenn es sich um Bestände handele, die durch die
Fischerei stark dezimiert seien. „Neben klimapolitischen Maßnahmen ist es
deswegen enorm wichtig, bei den Fangquoten die Auswirkungen des Klimawandels zu
berücksichtigen“, so Stefanie Schmidt.
Der neue WWF-Report verdeutlicht, dass der Klimawandel nicht nur
einen zusätzlichen „Stressfaktor“ für die ohnehin von Meeresverschmutzung und
Überfischung gebeutelten Fischbestände darstellt, sondern zudem erhebliche
wirtschaftliche Probleme verursacht. Der weltweite Fischhandel habe inzwischen
ein Volumen von rund 130 Milliarden US-Dollar im Jahr erreicht. Der Sektor
zähle mehr 200 Millionen Beschäftigte. Überdies stelle Fisch für einen Großteil
der Menschheit die wichtigste Eiweißquelle dar. Für den WWF liefert der Bericht
weitere Argumente, um den Kampf gegen den Klimawandel und für eine nachhaltige
Fischerei zu verstärken. Die Naturschutzorganisation fordert von den
Regierungen Emissionsreduktionen, die eine durchschnittliche Temperaturerhöhung
auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt. Erste
Schritte auf diesem Weg müssten bei der bevorstehenden Klimakonferenz in
Montreal gegangen werden.
Quelle: WWF-REPORT v.
18.11.05
è www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02769/