12.12.2005
Chemikalische Belastung von Schwertwalen
(Natur)
In einer WWF-Press-Info wird darüber berichtet, dass Schwertwale
die am stärksten mit Chemikalien belastete Säugetiere der Arktis sind:
„Norwegische Schwertwale sind mit gefährlichen Chemikalien wie
PCB, Pestiziden und bromierten Flammschutzmitteln belastet. Die
Schadstoffkonzentrationen übertreffen die Werte von Eisbären, die bislang als
die am stärksten belasteten Säugetiere der Arktis galten. Dies geht aus
Untersuchungen norwegischer Wissenschaftler hervor, die der WWF heute
veröffentlichte. „Die alarmierenden Ergebnisse zeigen, wie schlecht es um den
Lebensraum Meer steht. Die Schwertwale stehen am Ende der Nahrungskette. In
ihnen spiegelt sich die bedenkliche Verbreitung von Industriechemikalien
wider“, so WWF-Expertin Karoline Schacht.
Die Schwertwal-Tests belegen erneut, dass selbst die Arktis nicht
von Umweltgiften verschont werde, so der WWF. Sogar Chemikalien aus hiesigen
Alltagsprodukten würden die Tierwelt belasten. In entlegenen Lebensräumen wie
der Arktis werden immer wieder Schadstoffe nachgewiesen, die dort nie
produziert oder benutzt wurden.
„Der EU-Ministerrat muss bei seiner Abstimmung über die
Chemikalienrichtlinie REACH dafür sorgen, dass in Zukunft Chemikalien mit
gefährlichen Eigenschaften durch unbedenkliche Stoffe ersetzt werden“, fordert
WWF-Expertin Schacht. Die europäischen Minister verhandeln am Dienstag über die
Richtlinie. Deutschland hatte in den letzten Wochen weitere Abschwächungen der
geplanten Verordnung durchgesetzt. „Europa hat die große Chance, zum weltweiten
Vorreiter einer verantwortungsvollen Chemiepolitik zu werden und die
schleichende Vergiftung von Mensch und Natur zu stoppen. Diese Chance droht nun
nicht zuletzt durch die Haltung der Bundesregierung und den Druck einer
mächtigen Industrielobby verspielt zu werden“, warnt der WWF.
Die Belastung der Schwertwale mit bromierten Flammschutzmitteln
ist laut WWF besonders bedenklich, weil diese – anders als viele der
nachgewiesenen Pestizide oder PCB - bislang nicht ausreichend kontrolliert
werden. Bromierte Flammschutzmittel können das Nervensystem von Säugetieren
stören und sowohl das Verhalten als auch die Fortpflanzung beeinträchtigen. Der
WWF hat deshalb im November weitere Tests durchgeführt, deren Ergebnisse 2006
vorliegen werden. Unter anderem werden die Wale auf das Flammschutzmittel
deca-BDE untersucht. Der Schadstoff kommt beispielsweise in Elektrogeräten,
Polsterbezügen oder Teppichen vor. Für alle Tests analysierten Forscher den
Walspeck der Meeressäuger. Die Proben wurden im Tysford-Fjord vor der
norwegischen Küste genommen, einem wichtigen Nahrungsrevier der Schwertwale.“
Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02815/
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