21.12.2005
Pazifische Auster im Vormarsch
(Natur)
In einer WWF-PRESSE-INFO unter dem Titel:
„Invasion ins
Watt“
Folgendes zu lesen:
„Die zunehmende Ausbreitung der Pazifischen Auster im Nationalpark Wattenmeer gefährdet
einheimische Arten wie die Miesmuschel und verringert das Nahrungsangebot für
die Vögel. Die Invasion der ursprünglich von der Pazifikküste stammenden
Muschelart ist wahrscheinlich unumkehrbar. Dies sind die Ergebnisse einer heute
in Bremen veröffentlichten WWF-Studie. Der teure Leckerbissen war in den 60er
Jahren zunächst an der niederländischen Küste, in den 80er Jahren dann auch vor
Sylt zu Zuchtzwecken eingebürgert worden. Die Pazifische Auster (Crassostrea
gigas) entwischte jedoch aus den Aquakulturen und breitet sich seitdem durch
ihre treibenden Larven unaufhaltbar aus.
Die Bestände im niedersächsischen Wattenmeer wachsen laut der
WWF-Studie sehr schnell. Die Pazifischen Austern gelangten mit der Strömung aus
den niederländischen Zuchten in der Oosterschelde hierher. Aber auch in den
Wattgebieten bei Sylt finden sich bereits viele der fremden Tiere. Diese
Muscheln stammen ursprünglich wahrscheinlich aus einer örtlichen Aquakultur bei
Sylt.
„Das Beispiel der Pazifischen Auster belegt, dass die Risiken der
Zucht fremder Arten im Wattenmeer unkalkulierbar sind“, so WWF-Expertin
Beatrice Claus. Besonders gefährdet sind nun die Miesmuschelbänke. Die
Pazifischen Austern siedeln sich bevorzugt dort an. Durch ihr schnelleres
Wachstum verdrängen sie zum Teil die heimischen Muscheln. Dadurch verändert
sich auch der Stoffhaushalt des Wattenmeers. Pazifische Austern haben bislang
keine natürlichen Fressfeinde. Auch durch Absammeln oder Fischerei wäre ihnen
der wegen der hohen Populationsdichte nicht mehr beizukommen. Teile des
Wattenmeeres werden voraussichtlich auf Dauer durch die Austern geprägt werden,
so der WWF. Sie bilden riffartige Strukturen aus, die auch nach dem Absterben
der Austern erhalten bleiben. „Es ist zu befürchten, dass Touristen bei
Wattwanderungen in Zukunft an manchen Stellen festes Schuhwerk anziehen müssen,
um sich nicht an den scharfen Kanten der Austern zu schneiden“, so Beatrice
Claus.
Bis vor etwa 100 Jahren gab es schon einmal eine Auster im
Wattenmeer: Die einheimische Europäische
Auster. Sie wuchs nicht auf den Wattflächen, sondern unter Wasser in großen
Prielen und wurde hier durch intensive Befischung ausgerottet. An Europas
Küsten wurden in der Folgezeit viele Versuche gemacht, Pazifische Austern
anzusiedeln – ohne die ökologischen Folgen abzusehen. So wurde fälschlich
vermutet, die Art werde sich wegen der niedrigen Temperaturen im Wattenmeer
nicht von selbst ausbreiten. Die Pazifische Auster ist nicht das einzige
Beispiel dramatischer ökologischer Folgen unbedachter Aussetzungen. Das wohl
bekannteste Beispiel aus der Vergangenheit ist das Kaninchen in Australien. Ein
anderes Beispiel aus Deutschland ist der aus Amerika eingeschleppte Waschbär.
Weltweit sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten durch invasive Arten
gefährdet, insbesondere auf Inseln.“
Quelle: WWW-Presse-Info v.
21.12.05 - www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02832/
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