22.12.2005
Abschied vom Kabeljau? (Umwelt)
In einer WWF-PRESSE-INFO werden die für 2006 festgelegten
EU-Fischereiquoten kritisiert:
„Mit den in der vergangenen Nacht getroffenen Entscheidungen über die
Fangquoten 2006 haben die EU-Fischereiminister den Kabeljau-Bestand in der
Nordsee aufgegeben. Der WWF verurteilt die Brüsseler Beschlüsse als „eine
Katastrophe für zahlreiche Fischvorkommen“ wie Scholle, Dorsch und Sardelle.
Seit drei Jahren drängt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) auf
eine Einstellung der Kabeljau-Fischerei. Doch die EU-Minister haben die
Empfehlung einmal mehr in den Wind geschlagen.
Über 81.000 Tonnen Kabeljau wurden in dieser Zeit gefangen, für
2006 erlaubt die EU eine Quote von etwa 20.000 Tonnen. Die Entscheidungen
verstoßen gegen die Ziele des Wiederaufbauplans, der seit 2004 ein jährliches
Wachstum von 30 Prozent für den Bestand vorsieht. Die hohen Fangquoten für
andere Arten wie Schellfisch oder Kaisergranat dezimieren durch die ungewollten
Beifänge noch zusätzlich den Kabeljaubestand. Auch die Sardellenfischerei im
Golf von Biscaya wird auf Druck von Frankreich wieder aufgenommen. Sie war erst
im Juni eingestellt worden, weil der Bestand zusammengebrochen war. „Die
EU-Entscheidung ist Unsinn – von Nachhaltigkeit keine Spur. Etwa 70 Prozent der
Bestände in EU-Gewässern sind überfischt, aber Europa fängt fröhlich weiter“,
so WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper.
Auch für den Dorsch in der östlichen Ostsee sieht es nach Ansicht
des WWF schlecht aus. Die EU erhöht die Fangquoten von knapp 39.000 in diesem
Jahr auf über 45.000 Tonnen in 2006 – das ist mehr als doppelt soviel, wie
ICES-Wissenschaftler empfehlen. Es würden die gleichen Fehler wie beim
Nordsee-Kabeljau begangen. Die Fangmenge für den geschwächten Schollenbestand
in der Nordsee sei zwar geringfügig gesenkt worden, dies reiche aber nicht aus,
um den Bestand langfristig aufzubauen. Der WWF hatte eine Halbierung des
Fischereiaufwandes gefordert. Für eine nachhaltige europäische Fischerei müsste
die Flottenkapazität um etwa 40 Prozent reduziert werden. Die Beschlüsse des
Ministerrates zur Reduzierung des Fischereiaufwandes liegen jedoch
durchschnittlich nur bei 15 Prozent.
Erneut hätten in Brüssel kurzfristige wirtschaftliche Interessen
über eine nachhaltige Fischereipolitik triumphiert, resümiert der WWF. Europa
brauche jedoch eine Fischerei, die sich nicht selbst ihre Grundlage entziehe.
Dazu seien auch Tabuzonen nötig, damit die Bestände Zeit haben, sich zu
erholen.“
Quelle: WWF-PRESSE-INFO v.
22.12.05 - www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02833/
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