04.03.2006 Der Sanderling (Vogel) (Natur)
„An den Sandstränden der
Nordsee ist außerhalb der Brutzeit fast überall in kleinen Trupps ein wenig
scheues Watvögelchen zu beobachten, das wie ein Tennisball an der Brandung
entlang „rollt“. Die Vögel patrouillieren in eiligem Trippelschritt lange
Strandabschnitte, wobei sie immer knapp am Saum der auflaufenden Wellen entlang
eilen – als hätten sie Angst, nasse Füße zu bekommen, müssten aber unbedingt im
Wasser herumpicken. Etwa so ist es ja auch.
Der Sanderling (Calidris alba)
gehört zur artenreichen Gattung der Strandläufer und ist gleich groß wie der
häufige Alpenstrandläufer. Im Brutkleid ist seine Brust rostrot, der Rücken
braun. Das Schlichtkleid ist oberseits hellgrau, unterseits rein weiß, nur die
Schwungfedern sind schwarz.
Anhand seines
Aufenthaltsortes und seiner Bewegungsweise ist der Sanderling meist von anderen Watvögeln zu unterscheiden. Er pickt
am Spülsaum nach soeben angeschwemmten Kleinkrebsen oder Würmchen, doch sind
die Beuteteile meist nicht zu erkennen. Er kann aber auch an toten Fischen und
anderen großen Futterobjekten picken, und an nahrungsarmen Stränden in Afrika
fressen Sanderlinge sogar Körner.
Hätten Sie gedacht, dass …
… der Sanderling auf Plattdeutsch auch „Keen Tied“ = Keine Zeit heißt, weil er so hektisch läuft?
… er in Holland „Dreizehenstrandläufer“ heißt, weil
seine am Strand unnötige Hinterzehe vollkommen rückgebildet ist – was dem
normalen Beobachter aber nicht unbedingt ins Auge springen wird?
… Sanderlinge als Langstreckenzieher bis zu 60% Fett im Körper
anlagern können, was für einen Non-Stop-Flug von 5.000 km reicht?
… die Vögel an ihren
Rastplätzen wohl sehr standorttreu sind, denn ein 1993 auf Helgoland beringter
Sanderling war auch 2005 (alle Jahr wieder) dort?
… Sanderlinge sich am Strand leicht an Öl verschmutzen und dann –
verklebt und ausgekühlt – sogar an Pfützen in Inselorten nach Futter suchen?
… der Science-Fiction Autor
Douglas Adams offensichtlicher Sanderlinge
meinte, als er in einem Buch schrieb, „am
Strand liefen eilige kleine Vögel umher, die sich so bewegten, als hätte sie
jemand sehr gewitztes aus der Schweiz konstruiert“?
… Sanderlinge durch den Klimawandel in der Arktis Brutplätze
verlieren, aber auch mehr Bruterfolge haben könnten?
Wo ist der Sanderling zu finden?
Am Strand. Überall auf der Welt.
Er ist ein Brutvogel der Hocharktis und zieht zur Überwinterung teilweise weit
über den Äquator nach Süden. Seine wichtigsten Brutplätze sind Nordkanada,
Grönland und Taymir in Sibirien. Er überwintert an fast allen Stränden der
gemäßigten und tropischen Küsten.
Die 30.000 Sanderlinge des Wattenmeeres können
sowohl aus Sibirien als auch von Grönland stammen, ihre Zugwege sind noch wenig
erforscht. Da die Vögel beim Start zu Langstreckenflügen bereits die
Zielrichtung exakt einnehmen, ist es nach Beobachtung in Schleswig-Holstein
wahrscheinlich, dass Vögel von hier direkt nach Grönland fliegen.
Im Brutgebiet in der
arktischen Tundra wählen Sanderlinge
ähnliche Brutplätze wie Knutt und Sichelstrandläufer, aber sie brüten
später. Dies spiegelt sich auch im späten Abzug aus dem Watt erst Anfang Juni
wider. Zumindest in Sibirien legen die Weibchen 2x4 Eier, und jeder Altvogel
versucht, ein Gelege aufzuziehen.“
Text: Rainer
Borcherding, Husum
Quelle: WATTREPORT
aktuell, Nr. 1/06 – www.schutzstation-wattenmeer.de
Links:
è http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/002/00139-Sanderling/HWG00139-Sanderling.html
è http://de.wikipedia.org/wiki/Sanderling