04.03.2006 Japanischer Beerentang (Sargassum muticum) (Natur)
„Angespült
am Winterstrand liegt
dunkelbraun
im Nordseestrand
ein
Algenstück mit Nadelblättern,
an
dem mitunter Krebse klettern.
Es
trägt of kleine Kugelbeeren,
die
Fehlbestimmungen verwehren,
denn
nur Japans Beerentang
hat
diesen Glasblasenbehang.
Im
Unterschied zum Blasentang
wird
Beerentang oft meterlang,
wobei
an dünnen Mittelachsen
viele
Seitenbüsche wachsen,
die
wie an einer Wäscheleine
baumelnd
hängen im Vereine.
Wächst
Beerentang in ruhigem Wasser
wird
rötlich braun er und oft blasser,
der
Stängel bildet Blättchen aus,
die
sehn gezackt und seltsam aus
und
nur die Beeren zeigen klar:
auch
hier ist der Japaner da!
Wie
fast alle Algenarten
wächst
Beerentang auf Hartsubstraten;
doch
gibt’s im Wattenmeer noch kaum
fest
bewachs’nen Lebensraum,
und
Beerentang an uns’rem Strand
kommt
meist aus Frank- und Engelland.
Hätten Sie gedacht, dass …
… der Name Sargassum die portugiesische Bezeichnung
für den seit Jahrmillionen vor dem Golf von Mexico in einer Kreisströmung
treibenden Tangwald ist, in dem die Seefahrer einst fürchteten stecken zu
bleiben?
… es über 100 Sargassum-Tangarten weltweit gibt, vor
allem im Pazifik, die dank ihrer Gasblasen alle weit schwimmen können?
… aber nur der Echte Sargassotang vor Mexico lebenslang
driftet, weil es nur dort eine stabile, ortsfeste Kreisströmung gibt?
… der Japanische Beerentang sehr ausbreitungsfreudig ist, weil er seine
Seitenzweige abwirft, die ständig durch Selbstbefruchtung Keimzellen bilden?
… man 1973 in Südengland
(natürlich erfolglos) versucht hat, durch Einsammeln der aus Frankreich
angespülten Algen die Ausbreitung zu verhindern?
… die Art auf Helgoland
keine guten Wuchsbedingungen findet und nur vereinzelte wächst, da sie nur schwache
Strömung verträgt und der Felssockel der Insel zu starker Brandung ausgesetzt
ist?
… Beerentang auf Muschelbänken im Watt stellenweise auftritt, aber
wohl keine Arten verdrängt?
Wo ist der Beerentang zu finden?
Aus
dem Land der Algenesser
kam
in unsere Gewässer
dieser
Tang auf krummen Wegen,
der
Zeitpunkt lässt sich noch festlegen.
Schon
Neunzehn-Vierzig etwa war
die
Alge in Amerika.
Mit
Zuchtaustern kam sie dort hin
und
hatte Ausbreitung im Sinn:
in
30 Jahren wuchs sie munter die ganze Westküste hinunter.
Trotz
Warnung eines Biologen
hat
Frankreich es dann vorgezogen,
Austern
von dort zu importieren,
wo
Beerentang tat vegetieren,
und
schwupp! – da war die Alge da,
Japaner
aus Amerika.
An
Englands und auch Frankreichs Küsten
tat
viele Felsen sie verwüsten;
überwächst
Europas Algen,
die
um den Wuchsort müssen balgen.
Seit
Neunzehn-Achtzig ist es hier,
dass
sie erreicht das Wattenmeer.
Text: Rainer
Borcherding, Husum
Quelle: WATTREPORT
aktuell, Nr. 1/06 – www.schutzstation-wattenmeer.de