21.06.2006
Walfang: Ergebnisse der 58.
IWC-Konferenz (Natur)
In einer WWF-PRESSE-INFO zieht die WWF eine ernüchternde Bilanz
der 58. IWC-Konferenz:
„Jede Minute stirbt ein Wal
oder Delfin durch Jagd, ertrinkt in Fischernetzen oder wird krank durch
Meeresgifte. Aber damit wollten sich die IWC-Staaten nicht
auseinanderzusetzen“, kritisiert WWF-Walexperte Volker Homes. „Diese Konferenz
ist eine Niederlage für die Wale.“ Am Sonntag, den 18.06.06, hatten die
Pro-Walfang-Nationen ihre erste Abstimmung seit fast dreißig Jahren gewonnen.
Mit einer Stimme Mehrheit wurde der Antrag Japans auf „Normalisierung“ der IWC
angenommen. Er sieht vor, dass sich die Kommission nicht mehr mit Walschutz
beschäftigt und stellt außerdem die Behauptung auf, Wale fräßen zu viel Fisch
und seien so für die Überfischung der Meere verantwortlich. „Dieser
wissenschaftlich nicht zu belegende Unsinn hat die IWC überschattet und den
Walschutz regelrecht gelähmt“, sagt Homes.
Obwohl die Behauptung, Wale seien für den Niedergang der
Fischbestände verantwortlich, seit langem durch zahlreiche Studien widerlegt
ist, fürchtet der WWF, dass dieses Scheinargument gerade ärmere Staaten
gänzlich vom Walschutz abbringen könnte. „Wir können nur hoffen, dass die
Regierungen der Walschutz-Nationen jetzt endlich verstanden haben, was auf dem
Spiel steht“, so Homes. „Auf dieser Konferenz haben sie keine Courage gezeigt.
Aus Angst vor einer erneuten Schlappe wurde einfach über gar nichts mehr
abgestimmt. Das sind miserable Aussichten für die kommenden Jahre.“
Der WWF fordert eine breite Debatte über den Walschutz, in der
auch schwierige Themen wie Beifang, also das Ertrinken von Walen und Delfinen
in Fischernetzen, Klimawandel und Meeresverschmutzung eine Rolle spielen. „Die
IWC muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen“, sagt Homes. „Sie muss mit der
Entwicklung anderer internationaler Umweltabkommen Schritt halten, sonst droht
ihr die Bedeutungslosigkeit.“
Der WWF warnt eindringlich davor, nach der IWC-Konferenz zur
Tagesordnung zurückzukehren. Wenn sich die Walschützer jetzt nicht
zusammenschlössen, könne die Zahl der Walfangbefürworter weiter steigen. Dann
wäre sogar das kommerzielle Jagdverbot für Großwale gefährdet, das nur mit
einer Dreiviertelmehrheit gekippt werden kann. Seit dem Jahr 2000 hat sich die
Gruppe der Jagd-Befürworter unter den insgesamt 70 IWC-Mitgliedsstaaten von
neun auf inzwischen 33 mehr als verdreifacht.
Text: Astrid Deilmann
Quelle:
WWF-PRESSE-INFO v. 21.06.06 - www.wwf.de/newsletter/
Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/03097/index.html